Stadtplanung

Wie die HafenCity Familien anlocken will

Jürgen Bruns-Berentelg, Chef der Hafencity GmbH, vor einem großen Luftbild, das die drei Entwicklungsschwerpunkte an der Elbe zeigt.

Jürgen Bruns-Berentelg, Chef der Hafencity GmbH, vor einem großen Luftbild, das die drei Entwicklungsschwerpunkte an der Elbe zeigt.

Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

Neue Schulen, Spielplätze, Parks, und Wohnungen sind geplant. Jetzt liegt der Anteil der Haushalte mit Kindern bei 22,7 Prozent.

Hamburg.  Als Ende 2004 die ersten Wohnhäuser in der HafenCity bezogen wurden, hatte sie noch den Ruf eine etwas elitären Single-Stadtteils. Inzwischen hat sich das gründlich gewandelt. Der Anteil der Haushalte mit Kindern liegt in diesem Jahr mit 22,7 Prozent sogar deutlich über dem Hamburger Durchschnitt von 18 Prozent. Doch das reicht den Planern nicht: die HafenCity soll in den kommenden Jahren noch familienfreundlicher werden. Das jedenfalls kündigte am Freitag der Geschäftsführer der städtischen HafenCity GmbH, Jürgen Bruns-Berentelg, an. „Wir wollen 25 Prozent erreichen, einen Spitzenwert in Hamburg“, sagte er bei einem Rundgang durch den neuen Stadteil, bei dem er die Bauplanungen für das aktuelle Jahr vorstellte.

Nur wenige Stadtteile hätten mehr Kinder

Ein solcher 25-Prozent-Anteil wäre tatsächlich ein sehr hoher Wert in der Hansestadt. Neuallermöhe, auch ein Neubaustadtteil, erreicht heute mehr als 30 Prozent. In einigen Wandsbeker Stadtteilen liegt der Anteil der Haushalte mit Kindern etwas unterhalb von 30 Prozent, sonst meist deutlich unter 25 Prozent – in Eimsbüttel beispielsweise bei nur 12,9 Prozent. Die Entwicklung hin zu einem Familienstadtteil führt der HafenCity-Chef auf ein „breites Wohnangebot“ und eine geeignete Infrastruktur aus mittlerweile fünf Kitas, Schulen und Grünanlagen zurück.

Tatsächlich hat der Senat vor einigen Jahren umgesteuert und vermehrt in der HafenCity auf den Bau von Sozialwohnungen gedrängt. Dieser Kurs zeigt sich nun auch im aktuellen Jahr, wie Bruns-Berentelg darlegte: 2018 würden insgesamt 800 Wohnungen in der HafenCity bezogen werden, davon seien rund 300 geförderte Wohnungen. Und noch einmal 1500 Wohnungen würden in diesem Jahr in Bau gehen, darunter ebenfalls ein großer Anteil von Sozial- oder Genossenschaftswohnungen.

Der Schwerpunkt des Wohnungsbaus wird Bruns-Berentelg zufolge dabei auf der langgezogenen Halbinsel am Baakenhafen liegen, dem östlichen Ende der HafenCity. Mit Blick auf Familien soll dort in zwei Jahren auch die dann zweite Grundschule der HafenCity eröffnen. Ein Schulcampus mit Gymnasium und Stadtteilschule sei ebenfalls am nahen Lohsepark geplant. Bis zur voraussichtlichen Eröffnung 2022 soll das weiterführende Schulangebot aber schon vorzeitig im neuen Grundschulgebäude zur Verfügung stehen, sagte er.

Und auch das Freizeitangebot für Familien in dem Stadtteil wird in diesem Jahr erweitert: Am 5. und 6. Mai plant die HafenCity GmbH die Eröffnung des Baakenparks, der auf einer künstlichen Halbinsel im alten Baakenhafen liegt. Markant dort ist ein großer, grüner Hügel, ein Spielplatz und Spielflächen sind ebenfalls fast fertiggestellt. Nicht weit entfernt davon werden 2018 zudem am Oberhafen Sportanlagen mit einem Fußballplatz, Leichtathletikflächen sowie Areale für den Schul- und Vereinssport entstehen.

Endspurt für die HafenCity – doch es geht weiter

Und selbst bei den in diesem Jahr geplanten drei Hoteleröffnungen in der HafenCity ist für Familien eine Reihe von interessanten Aspekten dabei: Auf dem Hotel „Pierdrei“ im nördlichen Überseequartier ist beispielsweise auf dem Dach ein kleiner Campingplatz geplant. Ein ebenfalls geplantes Kino dort dürfte für Jugendliche in der HafenCity interessant sein.

Ganz ausgerichtet auf Familien ist das „Jufa“-Hotel am Baakenhafen, das im Mai mit 210 Zimmern eröffnen wird und das nach Unternehmensangaben das „familienfreundlichste“ Hotel der Stadt werden wird. Buggy-Verleih, Indoor-Spielanlagen oder ein großes Störtebeker-Schiff im Außenbereich gehören beispielsweise zur Ausstattung. Der Clou: Die Dinge dürfen zum Teil auch von den Bewohnern des Stadtteils genutzt werden.

Mit der Bebauung dieses Baakenhafen-Areals wird der Bau der HafenCity in den 2020er-Jahren dann weitgehend abgeschlossen sein: „Wir befinden uns jetzt sozusagen im Endspurt“, so Bruns-Berentelg.

Östlich davon gibt es nur noch das kleinere Elbbrücken-Quartier, für das in diesem Jahr die Ausschreibung der Grundstücke startet. Schon in diesem Jahr eröffnet dort die neue Station der U 4. Spektakulärstes Schlussprojekt an den Elbbrücken ist aber ein mehr als 200 Meter hoher Wolkenkratzer. Doch für die HafenCity GmbH ist damit die Arbeit nicht beendet, für die Stadt soll sie die angrenzenden Quartiere Billebogen und Grasbrook ebenfalls zu neuen Stadtteilen entwickeln.

Zusammen mit der HafenCity sollen dort in Wasserlage einmal 22.000 Menschen wohnen und 71.000 ihren Job haben. Allein auf dem Grasbrook könnten noch einmal 3000 Wohnungen entstehen. Wie die neuen Gebäude aber aussehen werden, ist noch nicht entschieden, das sollen städtebauliche Wettbewerbe klären. Doch eine Losung gibt der HafenCity-Chef schon jetzt heraus: „Wir müssen Stadtentwicklung dort radikal neu denken.“ Seine Visionen reichen von autonom fahrenden Bussen, ganzen Arealen für Hightech-Firmen und Lärmschutzwänden, die gleichzeitig Energie erzeugen.