Nach Sturm "Friederike"

Frostschäden sorgen für lange Staus auf der A7

Bahnverkehr im Norden läuft langsam wieder an. Auf den Straßen ist es teils noch sehr rutschig. Neue Schneeschauer vorhergesagt.

Hamburg.  Nach dem ersten größeren Schneefall des Jahres muss im Norden auch am Freitag mit Glätte und Verkehrsbehinderungen gerechnet werden. Der Deutsche Wetterdienst sagte für Hamburg und Schleswig-Holstein Schneeregen und Schneeschauer vorher. Nachdem der Bahn-Fernverkehr wegen des Orkantiefs „Friederike“ bundesweit eingestellt worden war, müssen sich Reisende auch am Freitag noch auf Einschränkungen gefasst machen. Der Bahnverkehr im Norden lief nur langsam wieder an.

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Staus auf der A7 wegen Frostschäden

Die Fahrdecke der Autobahn A7 in Richtung Norden war wegen des kalten Wetters aufgebrochen und musste sofort ausgebessert werden: Bauarbeiten behinderten daher zwischen 11 Uhr und 12.30 Uhr den Verkehr in Höhe der Ausfahrt Schnelsen.

Zwischenzeitlich stauten sich die Fahrzeuge auf sieben Kilometern bis Bahrenfeld, weil die rechte Fahrspur wegen der Reparaturen gesperrt war, teilte die Polizei mit.

Züge von Hannover Richtung Göttingen fahren wieder

Seit Freitagmittag fahren wieder Züge auf der Strecke zwischen Hannover und Göttingen. Seit 13 Uhr starteten wieder Metronom-Züge, teilte das Unternehmen mit. Schon vorher sei das Teilstück Göttingen-Kreiensen wieder frei gewesen und einzelne Züge hätten losfahren können. Auch Züge der Deutsche Bahn könnten die Strecke wieder befahren, erklärte ein Bahnsprecher. Reisende müssen bei den Fernzügen aber noch mit Verspätungen und Ausfällen rechnen.

„Besser in Hamburg stranden als auf offener Strecke“

Nach dem bundesweiten Stopp des Fernverkehrs am Donnerstagnachmittag mussten in Hamburg knapp 200 Reisende die Nacht in einem ICE verbringen, wie ein Bahnsprecher am Freitag sagte. Einschränkungen im Fernverkehr habe es weiter gegeben. So sei beispielsweise die Verbindung von Kiel in Richtung Zürich ausgefallen. Im Nahverkehr in Hamburg und Schleswig-Holstein habe es in der Nacht und auch am Freitag dagegen keine Zugausfälle gegeben.

Am Hamburger Hauptbahnhof bildeten sich an den Informationsschaltern der Bahn lange Schlangen. Viele Gestrandete erkundigten sich, wie und wann sie weiterfahren können. Eine Frau aus Travemünde beklagte sich, die Bahn habe sich nicht um Hotelübernachtungen gekümmert: „Ich musste selbst nach einem freien Zimmer suchen und es auch erstmal bezahlen.“ Zwei Männer aus Fulda berichteten von Problemen, in Bahnhofsnähe am Donnerstagabend noch ein Zimmer zu bekommen. „Da war vieles schnell ausgebucht“, sagte einer der beiden. Er habe aber Verständnis für den bundesweiten Stopp des Fernverkehrs: „Besser in Hamburg stranden als auf offener Strecke.“

"Friederike" verursacht Millionenschäden an Infrastruktur

Allein in Niedersachsen hat der Orkan "Friederike" nach Angaben des Innenministeriums Schäden in Höhe von etwa einer Million Euro an Straßen, Oberleitungen und öffentlichen Gebäuden verursacht. Besonders betroffen sei die Infrastruktur in Süd- und Ostniedersachsen, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag in Hannover.

Am Donnerstag waren nach Angaben des Sprechers landesweit fast 2000 Einsatzkräfte an mehr als 1400 sturmbedingten Einsätzen beteiligt. Das Orkantief traf besonders den Harz. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) schrieb am Donnerstagabend bei Facebook, zum Glück seien in Niedersachsen keine Menschen erheblich verletzt worden. „Mein herzlicher Dank gilt schon jetzt allen haupt- und ehrenamtlichen Helfern“, schrieb Weil.

Bahnverkehr im Norden läuft nur schleppend an

Die Wetterlage im Norden hat sich zwar beruhigt, aber die Aufräumarbeiten dauern noch an. Ein Teil der wichtigen Nord-Süd-Verbindung A7 ist noch bis mittags gesperrt. Und viele Bahnreisende kamen am Freitagmorgen in Hannover nicht weiter, der Bahnverkehr lief dort nur schleppend an. Dutzende Menschen standen mit teils besorgtem Gesichtsausdruck vor den Anzeigentafeln im Hauptbahnhof oder warteten in Schlangen am Informationsschalter der Deutschen Bahn. Die meisten hatten sich schon am Donnerstag auf den Weg gemacht und wollten vom Norden nach Stuttgart, Köln, Frankfurt oder ins Ruhrgebiet fahren.

„Sturm ist Sturm“, kommentierte eine Reisende, die am Morgen von Hamburg nach Hannover gekommen war, die Situation. Da könne niemand etwas machen. Viele Menschen trugen die Lage mit Fassung. „Man fährt erstmal so weit, wie man kommt“, beschrieb Thomas Pittack. Er wollte schon am Donnerstag von Hamburg nach Berlin fahren. Nun frühstückt er im Nachtzug, der am Bahnhof in Hannover steht, ein Vollkorn-Butterbrot mit Salami – ein Snack der Deutschen Bahn.

Besonders hart traf das Orkantief „Friederike“ den Harz im Süden Niedersachsens. Dort sind viele Bäume umgestürzt. Das Ausmaß wird noch gesichtet.

Der Schneemann von St. Pauli

Nicht nur in Vorgärten, auf Schulhöfen und auf Spielplätzen – auch auf St. Pauli stehen noch Überreste von Schneemännern, die langsam dahin schmelzen. An der Reeperbahn besteht die Schneemannnase jedoch nicht aus einer Karotte, sondern passenderweise aus einer kleinen Schnapsflasche – der Mund wurde aus Ketchup hergerichtet, als Augen dienen Teelichter.

Zeugen nach Unfall mit Fahrerflucht gesucht

In Winsen/Sangenstedt überholte der Fahrer eines dunklen Autos am Donnerstag gegen 12.15 Uhr trotz Glätte und Überholverbot den Ford Ka einer 46-jährigen Frau, die auf der Kreisstraße 87 Richtung Rottorf unterwegs war. Die Frau verriss vor Schreck das Lenkrad und kam nach rechts von der Fahrbahn ab, ihr Wagen prallte gegen einen Baum und überschlug sich. Die Fahrerin erlitt leichte Verletzungen. Anstatt anzuhalten und der Frau zu helfen, setzte der Unfallverursacher seine Fahrt unbeirrt fort. Die Polizei in Winsen bittet Zeugen, sich unter der Telefonnummer 04171-7960 zu melden.

Bilanz für den Landkreis Harburg

Im Landkreis Harburg sorgte der kräftige Schneefall am Donnerstag über mehrere Stunden für Verkehrsbehinderungen. Zahlreiche Bäume, die aufgrund der starken Schneelast große Äste verloren oder gänzlich umkippten, mussten von den Feuerwehren von den Straßen geräumt werden. Vielerorts mussten Lkw und auch Busse an Gefällestrecken anhalten, bis Streufahrzeuge die Gefahrenstellen erreichten. Besonders an den Autobahnanschlussstellen sorgten stehen gebliebene Lkw für Probleme.

Bei den witterungsbedingten Unfälle wurde glücklicherweise niemand schwer verletzt. In Buchholz/Holm rutschte gegen 10.15 Uhr ein mit Schrott beladener Lkw auf der Kreisstraße 28 in einen Graben. Die Zugmaschine prallte gegen einen Straßenbaum und kippte so weit zur Seite, dass Teile der Ladung aus dem Container herausfielen. Der 43-jährige Fahrer blieb unverletzt. In Winsen stießen am Vormittag zwei Autos zusammen, nachdem eine 19-jährige Frau beim Abbiegen mit ihrem Fiat Ducato auf der glatten Straße in die Gegenfahrspur geriet und dort mit dem Opel Meriva einer 50-Jährigen zusammenprallte. Die 50-Jährige wurde hierdurch leicht verletzt.

In Stelle kippte ein voll beladener Lkw einer Müllentsorgungsfirma auf die Beifahrerseite, nachdem der Fahrer im Schneematsch von der asphaltierten Deichkrone nach rechts in den weichen Grünbereich gefahren war. Glücklicherweise blieben alle drei Insassen unverletzt. Die Bergung des Lkw forderte die Feuerwehren über mehrere Stunden, da zunächst auslaufende Betriebsstoffe gebunden und in Spezialtanks umgepumpt werden mussten.

Stadtreinigung Hamburg mit 800 Leuten unterwegs

Nach dem Winterdienst am Donnerstag ist die Stadtreinigung Hamburg auch am heutigen Freitag wieder im Einsatz. Seit 4.30 Uhr schippen rund 800 Einsatzkräfte Schnee von Bushaltestellen, ausgewählten Radwegen und von wichtigen anliegerfreien Wegen.

Lastwagen kracht in Wohnhaus

Besonders oft krachte es am Freitagmorgen im äußersten Norden. In Treia im Kreis Schleswig-Flensburg rutschte am Morgen ein Lastwagen zunächst in zwei Autos und krachte anschließend in ein Wohnhaus. Der Fahrer wurde eingeklemmt, die Hausbewohner blieben unverletzt, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Auch den Streufahrzeugen und Einsatzwagen der Polizei bereitet die Glätte demnach Schwierigkeiten. Autofahrer sollten „extrem vorsichtig fahren“, betonte der Sprecher.

Wichtige Strecken am Freitag gesperrt

Insbesondere der Bahnverkehr in Niedersachsen läuft am Freitag noch stark eingeschränkt. Wichtige Strecken seien noch gesperrt, teilte die Bahn auf ihrer Webseite mit. Auch der Nahverkehr könne nur langsam wieder aufgenommen werden, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Morgen. Im Hauptbahnhof Hamburg bildeten sich lange Schlangen vor dem Infocenter. Zudem war die S3 zwischen Stade und Buxtehude bis etwa 8 Uhr komplett ausgefallen und fuhr anschließend noch mit Einschränkungen.

Auch die Eisenbahnunternehmen Erixx und Metronom meldeten noch vereinzelte gesperrte Strecken. So ist die Strecke RE2 zwischen Hannover und Göttingen erst ab etwa 13 Uhr am Freitag wieder möglich, teilte Metronom mit.

Zur Abfahrtstafel des Hamburger Hauptbahnhofs

Wegen der Auswirkungen des Sturms hatte die Deutsche Bahn am Donnerstag erstmals seit dem Orkan „Kyrill“ im Jahr 2007 den Betrieb auf ihrem gesamten Fernverkehrsnetz eingestellt. Hunderte Fahrgäste hatten in Hamburg die Nacht verbracht. In der Hansestadt – wie auch in neun weiteren Fernbahnhöfen – hatte die Bahn einen sogenannten Aufenthaltszug eingerichtet, in dem gestrandete Reisende zur Not auch übernachten konnten.

Anlieger müssen Gehwege reinigen

Die Stadtreinigung weist darauf hin, dass die Anlieger in Hamburg Schnee und Eis auf Gehwegen selber entfernen müssen. Dafür haben sie bis 8.30 Uhr Zeit. Auf Gehwegen dürfen keine Tausalze (etwa Streusalz aus dem Baumarkt) verwendet werden, sondern nur abstumpfende Stoffe.

In Hamburg gab es 160 Verkehrsunfälle

Polizei und Feuerwehr in Hamburg hatten am Donnerstag viel zu tun. Insgesamt wurden 160 Verkehrsunfälle mit 21 Verletzten gezählt, die Feuerwehr rückte bis Freitagmorgen 120-mal aus. In Hamburg-Winterhude wurde ein 18-jähriger Schüler von einem herabfallenden Ast schwer verletzt. Auch am Flughafen Hamburg kam es zu Einschränkungen. Die Feuerwehr appellierte an die Bürger, vorerst nicht in Wälder zu gehen.

Glätte in vielen Regionen des Nordens

Der Winterdienst ist auch am Freitag noch pausenlos im Einsatz. Besonders im Norden Schleswig-Holsteins kam es zu zahlreichen Unfällen. In der Nacht zu Freitag krachte es 13 Mal, die Straßen seien auch am Freitagmorgen noch „extrem glatt“, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Auch den Streufahrzeugen und Einsatzwagen der Polizei bereitet die Glätte demnach Schwierigkeiten. Autofahrer sollten „extrem vorsichtig fahren“, betonte der Sprecher.

In Bargteheide (Kreis Stormarn) wurde eine 66-Jährige auf schneeglatter Fahrbahn bei einem Unfall lebensgefährlich verletzt. Bei Lohe-Föhrden (Kreis Rendsburg-Eckernförde) kam eine 21-Jährige mit ihrem Auto ins Schleudern, ein weiterer Wagen prallte seitlich gegen ihr Fahrzeug, wie die Regionalleitstelle Mitte mitteilte. Die junge Frau kam mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus.

Behinderungen in der Region Niedersachsen/Hessen

Die Autobahn 7 bleibt an der Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Hessen in Richtung Süden laut Polizei voraussichtlich bis zum Mittag gesperrt. Grund sind Bäume, die umzustürzen drohen. Autofahrer, die in Richtung Süden unterwegs seien, sollten diesen Bereich großräumig umfahren, riet die Göttinger Polizei am Donnerstagabend.