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Verkehrslage auf Hamburgs Straßen entspannt sich

| Lesedauer: 14 Minuten

"Friederike" brachte den Winter in die Stadt: 180 Notrufe pro Stunde. 18-Jähriger lebensgefährlich verletzt. Mann stürzt von Brücke.

Hamburg. Jede Minute zwei Notrufe bei der Hamburger Feuerwehr, ein lebensgefährlich verletzter 18-Jähriger, umgestürzte Bäume auf Bahngleisen, 150 Verkehrsunfälle und 18 verletzte Personen bis zum frühen Abend, 18 Ausfälle im Bus- und Bahnverkehr sowie Stau auf den Straßen wegen Glatteises: Der Wintereinbruch, bei dem das Orkantief "Friederike" am Donnerstag in der Hansestadt für kräftigen Schneefall sorgte, hatte massive Auswirkungen auf die Menschen in Hamburg. Zum Glück habe der Schneefall erst später am Morgen eingesetzt, als die meisten Pendler bereits bei der Arbeit waren, sagte ein Sprecher der Hamburger Verkehrsleitzentrale.

Seit dem Morgen fielen in kurzer Zeit zehn Zentimeter Schnee. Den ganzen Tag über waren 800 Einsatzkräfte der Stadtreinigung in Rufbereitschaft, 100 weitere Kollegen streuten die Straßen bereits seit 6 Uhr morgens. Dennoch ging es an einigen Stellen in Hamburg weder vor noch zurück.

Abendblatt.de hält Sie auf dem Laufenden:

Auf den Straßen rollt der Verkehr wieder

Die Verkehrslage auf Hamburgs Straßen hat sich am frühen Abend normalisiert, meldet die Verkehrsleitzentrale: "Auf den Autobahnen läuft es und auch innerorts gibt es derzeit keine wesentlichen Behinderungen."

Auch die Hochbahn meldete via Twitter, dass der Busbetrieb auch in Wilhelmsburg wieder wie gewohnt laufe.

Mann fällt von Brücke in Neugraben ins Gleisbett

Vermutlich wegen Glatteises hat sich am Donnerstagnachmittag ein 46 Jahre alter Mann bei einem Sturz in Neugraben schwere Verletzungen zugezogen. Gegen 15 Uhr ging er laut Bundespolizei über die Fußgängerbrücke am Neugrabener S-Bahnhof. Passanten beobacheten, wie der Mann ausrutschte und die Brücke hinunterstürzte. Er landete neben dem Gleisbett. Rettungskräfte versorgten den Mann und brachten ihn ins Krankenhaus. Es bestand keine Lebensgefahr.

Bahn- und Flugverkehr in Niedersachsen teils wieder aufgenommen

Der Bahnverkehr im Norden läuft nach Sturm „Friederike“ langsam wieder an. Einzelne Züge seien zwischen Bremen und Norddeich Mole gestartet, teilte die Deutsche Bahn via Twitter am frühen Donnerstagabend an. Auch einige S-Bahnen, etwa von Hannover nach Hildesheim und von Celle nach Hannover, fuhren am Abend wieder. Seit dem Nachmittag starten bundesweit allerdings keine Fernzüge der Deutschen Bahn mehr.

Auch am Flughafen Hannover läuft die Abfertigung seit etwa 16 Uhr wieder normal, teilte eine Sprecherin mit. Wegen des Orkantiefs konnten am frühen Nachmittag keine Maschinen von dort aus starten. Am Bremer Flughafen gab es keine Einschränkungen wegen „Friederike“.

Hamburger Feuerwehr zieht erste Bilanz

"Da der Schnee nass und schwer war, wurde er so gerade für Nadelbäume zu einem extremen, zusätzlichen Gewicht. Dicke Äste und sogar ganze Bäume brachen unter der Schneelast und verursachten Gefahrenstellen im gesamten hamburgischen Stadtgebiet", teilte die Hamburger Feuerwehr am Nachmittag mit. Mehr 110 Einsätze mit dem Stichwort "Droht zu fallen" mussten Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehren seit 10 Uhr bewältigen. Zeitweise seien 13 Freiwillige Wehren zur gleichzeitig im Einsatz.

Die Rettungsleitstelle sei personell verstärkt worden, um einem zu erwartenden, erhöhten Notrufaufkommen gerecht zu werden. "In der Spitze gingen gut 180 Notrufe pro Stunde über die 112 in der Leitstelle ein", heißt es in der Mitteilung.

Deutsche Bahn stellt Fernverkehr ein

Die Deutsche Bahn hat den Fernverkehr wegen des Orkantiefs „Friederike“ am Donnerstagnachmittag bundesweit eingestellt. Züge würden aus Sicherheitsgründen nicht mehr losfahren, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Züge, die noch unterwegs seien, sollten aber soweit möglich bis zum Zielbahnhof fahren. Wie lange die Sperrung dauert, war zunächst unklar.

Busbetrieb in Wilhelmsburg weiter beeinträchtigt

Langsam normalisiert sich der Busverkehr südlich der Elbe wieder. Das gilt für die Bereiche Süderelbe, Meckelfeld, Finkenwerder und Harburg. Der Busbetrieb in Wilhelmsburg ist jedoch weiterhin beeinträchtigt, teilte die Hochbahn am Nachmittag mit.

16 Flüge am Hamburg Airport gestrichen

Am Hamburger Flughafen wurden aufgrund der Wetterbedingungen acht Abflüge un acht Ankünfte gestrichen (Stand 15.30 Uhr). Betroffen waren davon Flüge nach und von Amsterdam, Köln/Bonn, Warschau, München, Düsseldorf, Stuttgart und Zürich.

AKN-Strecke gesperrt

Auch auf den AKN-Strecken, die viele Pendler nutzen, kommt es zu Behinderungen. Die Linie A1 hat Verspätungen von bis zu 40 Minuten. Grund sind eine Bahnübergangsstörung und umgestürzte Bäume. Die Linie A2 wird voraussichtlich den ganzen Tag gesperrt sein.

Massive Einschränkungen im Fernverkehr

Schnee und Eis haben im Norden zu massiven Einschränkungen im Zugverkehr geführt. Am Hamburger Hauptbahnhof hieß es am Mittag auf den Anzeigentafel für viele Verbindungen: fällt aus. Die Strecke Hamburg-Berlin sei wegen umgestürzter Bäume dicht, sagte ein Bahnsprecher. Auch der Fernverkehr in Richtung Westen und Süden war unterbrochen. Einschränkungen gab es auch auf der Strecke Hamburg-Lübeck. Die Deutsche Bahn bat Reisende, sich vor Fahrtantritt über die Reiseverbindungen zu informieren.

Auf ihrer Homepage wies die Deutsche Bahn darauf hin, dass die Fahrkarten für die vom Sturm betroffenen Fernverkehr-Strecken alle ihre Gültigkeit behalten. Sie können entweder kostenfrei storniert oder bis eine Woche nach Störungsende flexibel genutzt werden.

S- und U-Bahnen fahren wieder

Die Züge der S-Bahn-Linie 31 rollen wieder. Auch die S3 fährt nun wieder beidseitig über Altona und durch den Citytunnel. Die Züge der U1 fahren wieder auf der gesamten Linie.

18-Jähriger lebensgefährlich verletzt

In Hamburg gab es bis 13.30 Uhr 125 Verkehrsunfälle. Das teilte die Polizei Hamburg am Mittag mit. Dabei wurden sechs Menschen verletzt, eine Person davon kam in ein Krankenhaus. Ein 18-Jähriger ist in Winterhude von einem abgebrochenen Ast lebensgefährlich verletzt worden. Nach Angaben der Polizei hielt sich der Jugendliche gegen 11.50 Uhr im Grasweg gegenüber einer Schule auf, als ein Ast mit circa 30 Zentimeter Durchmesser aus einer Höhe von rund zehn Meter abbrach und ihn am Kopf traf. Grund war die Schneelast auf dem Ast. Laut Feuerwehr ereignete sich das Unglück auf dem Gelände des Stadtparks.

Nach notärztlicher Erstversorgung am Unglücksort wurde der 18 Jahre alte Schüler mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht. "Da sich das Unfallgeschehen heftig bei anderen anwesenden Schülern einprägte, wurde die Notfallseelsorge der Feuerwehr Hamburg zur Nachsorge hinzugezogen", teilte die Feuerwehr mit.

Schon mehr als 80 Einsätze für die Feuerwehr

Schnee und Eis hält die Hamburger Feuerwehr weiter auf Trab. Um 13.35 Uhr wurden bereits mehr als 80 wetterbedingte Einsätze vermeldet. Dabei geht es vor allem um abgebrochene Äste und umgestürzte Bäume.

Schneckentempo auf der A1

Auf der A1 zwischen Hamburg und Lübeck kommt es zu massiven Verkehrsbehinderungen. „An vielen Ausfahrten haben sich Lkw quergestellt und stehen auf der Fahrbahn“, sagte ein Sprecher der Autobahnpolizei Bad Oldesloe gegen 13 Uhr. Die Streufahrzeuge hätten nicht verhindern können, dass sich Glatteis bilde.

Keine Bahnen zwischen Hamburg und Lübeck

Auf der Bahnstrecke Hamburg – Lübeck verkehren momentan keine Regionalzüge. Nach Angaben der Deutschen Bahn ist ein umgestürzter Baum im Gleis zwischen Ahrensburg und Bad Oldesloe Grund für die Betriebsstörung. Es komme zu Verspätungen und Ausfällen in beide Richtungen im Regionalverkehr, warnte die Deutschen Bahn am späten Mittag. Jedoch solle der Verkehr in Kürze wieder aufgenommen werden. Zu Verspätungen und Ausfällen kann es jedoch trotzdem kommen.

Feuerwehr hatte schon mehr als 60 Einsätze

Bis zum Mittag hatte die Hamburger Feuerwehr schon mehr als 60 wetterbedingte Einsätze. Darunter waren vier Stürze von Menschen, die sich in den Stadtteilen Bahrenfeld, Volksdorf, Iserbrook und Tonndorf Bein- und Schulterverletzungen zugezogen haben. „Aktuell verzeichnen wir 100 bis 150 Notrufe pro Stunde“, sagt Feuwehrsprecher Jan Ole Unger. Ein Aufkommen, das deutlich über dem „normalen“ Tage liegt.

Verkehr auf der Linie U1 unterbrochen

Da ein weiterer Baum auf der Strecke der U-Bahn-Linie 1 umgestürzt ist, fällt der Betrieb zwischen den U1-Stationen Volksdorf und Ohlstedt aus. Die Hochbahn versucht, einen Ersatzverkehr einzurichten, wie das Unternehmen am Mittag mitteilte. "Aufgrund der Straßenverhältnisse ist jedoch unklar, inwieweit das möglich ist", räumte die Hochbahn ein.

Zwischen den U1-Haltestellen Ahrensburg-West und Großhansdorf, wo am Morgen ebenfalls ein Baum umgefallen war, musste der Ersatzverkehr mit Bussen eingestellt werden, da die Straßen dort nicht befahrbar sind.

Lkw kommen im Hafen kaum noch voran

Im Hamburger Hafen haben Lkw-Fahrer mit den glatten Straßen zu kämpfen. Nach Angaben einer Agentur bereiten den tonnenschweren Fahrzeugen vor allem die vereisten Steigungen Probleme, auf der Köhlbrandbrücke geht es nur im Schneckentempo voran. Räumfahrzeuge der Stadtreinigung kommen angeblich nur schlecht durch, weil die Lastwagen sich weder vor noch zurück bewegen können.

Feuerwehr warnt vor Waldspaziergängen

"Heute auf Spaziergang im Wald verzichten" – diese Warnung hat die Feuerwehr Hamburg über Twitter herausgegeben. Der nasse Schnee belaste die Bäume und Äste. Die Einsatzkräfte seien bereits schon mehr als 40-mal wegen abgebrochener Äste ausgerückt.

Weichenstörung bei S-Bahn

Der Schnee hat in Altona für eine Weichenstörung gesorgt. Deshalb wurde der Verkehr der S31 eingestellt. Die S-Bahn-Linie 3 wird via Dammtorlinie ohne Halt in Altona umgeleitet. Dadurch kommt es zu erheblichen Verspätungen.

Probleme im Bahnverkehr

Die Deutsche Bahn hat im Norden die Geschwindigkeit auf den Strecken zwischen Wolfsburg und Berlin sowie Hannover und Würzburg reduziert. ICE- und IC-Züge dürfen dort vorläufig maximal Tempo 140 fahren. Entsprechend kommt es zu Verspätungen. Wegen eines umgestürzten Baumes wurde der Zugverkehr am Vormittag auf der Strecke Hamburg-Cuxhaven zwischen Stade und Horneburg unterbrochen.

Der HSV und der FC St. Pauli und der Schnee

Der Hamburger SV freut sich offensichtlich über die weiße Pracht. "Winterwonderland Volksparkstadion!" twitterte der Fußballverein mit einem Schneevideo von der Spielstätte. Später steht dort ihr Training an.

Die Freude dauerte nicht lange: Wegen des Schneefalls fand auf dem Platz am Volkspark keine Training statt.

Der FC St. Pauli kündigte am Morgen via Twitter an, dass das Regenerationstraining in den Kraftraum verlegt wird – "weil der Schneefall kein Ende nimmt".

U1-Verkehr gestört

Zwischen den U1-Haltestellen Ahrensburg-West und Großhansdorf wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtete. Nach Angaben der Hochbahn ist ein umgestürzter Baum Grund für die Sperrung.

Feuerwehr: Gehwege können glatte Rutschbahnen werden

Um kurz nach 10.30 Uhr vermeldete die Hamburger Polizei, dass sie derzeit noch 76 Einsätze abzuarbeiten hätte. Bei mehr als ein Drittel der Einsätze handelt es sich um Verkehrsunfälle. Über Twitter bittet die Polizei Autofahrer, ihre Fahrweise den Straßenverhältnissen anzupassen. Auch die Feuerwehr Hamburg warnte davor, dass der Schneefall noch länger anhalten wird und "Straßen und Gehwege in glatte Rutschbahnen verwandeln" kann.

Busse fahren unregelmäßig

Seit 6 Uhr morgens ist die Stadtreinigung im Einsatz und streut vorsorglich die Fahrbahnen. Rund 100 Einsatzkräfte kümmern sich um die wichtigen Hauptverkehrsstraßen und Strecken mit Buslinien. Weitere 800 Einsatzkräfte sind den ganzen Tag über in Rufbereitschaft, teilte die Stadtreinigung am Morgen mit. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes droht bis zum Morgen noch Straßenglätte. „Autofahrer sollten also entsprechend vorsichtig sein – ebenso wie am Freitag- und Sonnabendmorgen“, sagt Heinemann. „Es besteht Glättegefahr.“

Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) informierte die Fahrgäste um kurz nach 10 Uhr via Twitter darüber, dass die Busse im gesamten VHH-Gebiet aufgrund der aktuellen Wetterlage unregelmäßig fahren. Vor allem der Busbetrieb südlich der Elbe ist davon betroffen. Nach Angaben der Hochbahn müssen insbesondere die Fahrgäste in Wilhelmsburg, Meckelfeld, Harburg, auf Finkenwerder und an der Süderelbe mit massiven Beeinträchtigungen rechnen. "Dort ist es extrem glatt, momentan fährt dort kaum noch ein Bus", sagt Hochbahn-Sprecherin Saskia Huhsfeldt. Die Hochbahn rät, Schnellbahnen zu nutzen.

Flüge nach Hamburg gestrichen

Aufgrund des Sturmtiefs „Friederike“ sind am Münchner Flughafen einige Flüge gestrichen worden. Auch Hamburg ist von den Annullierungen betroffen. Im Laufe des Tages könnten zudem noch weitere Flugausfälle hinzukommen, sagte ein Sprecher des Flughafens. Darüber hinaus fallen acht Flüge der niederländischen Airline KLM aus, die aufgrund des Wetters in Amsterdam nicht starten können. Dazu zählt auch der Flieger, der um 9.35 Uhr in Hamburg landen sollte. Zudem wurde der Flug Richtung Amsterdam (10.20 Uhr) annulliert.

Nach Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes sollte am Donnerstag in Hamburg weiter Schnee fallen und auch bis zu fünf Zentimeter liegen bleiben. Mit entsprechender Glätte durch Schnee oder Schneematsch müsse gerechnet werden.

Freundliche Abschnitte am Sonntag

Am Freitag und Sonnabend bleibt es bei 2 bis 4 Grad wechselhaft. „Es gibt Schauer, zeitweise auch mit weißen Momenten.“ Der Sonntag bleibt zwar feucht, kalt und bewölkt. „Aber es gibt die Tendenz zu freundlichen Abschnitten“, sagt Heinemann. Also gute Chancen für einen ausgedehnten Winterspaziergang.

Bereits am Mittwochmorgen rieselte die weiße Pracht vom Himmel. Am Hamburger Airport mussten Flugzeuge enteist werden. Auch Räumfahrzeuge waren im Einsatz, um die Rollbahnen freizuhalten. Zudem sorgten rutschige Straßen in Harburg für mindestens zwei Unfälle mit vier beteiligten Fahrzeugen. Verletzt wurde niemand. Wegen eines Unfalls auf der Autobahn 23 bei Itzehoe, bei dem ein Mensch verletzt wurde, musste die A23 in Höhe der Störbrücke in Fahrtrichtung Hamburg zeitweise gesperrt werden.

( coe/dah/pop/dpa/joto/ced )

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