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Abendblatt-Test: Salmix im Schoko-Mantel

Salmix-Betriebsleiter Stefan Pawel füllt am Firmensitz in Langenhorn Salmiakdragees Schoko Weiß in eine Tüte. In der Produktion ist vieles noch Handarbeit

Salmix-Betriebsleiter Stefan Pawel füllt am Firmensitz in Langenhorn Salmiakdragees Schoko Weiß in eine Tüte. In der Produktion ist vieles noch Handarbeit

Foto: Andreas Laible / HA

Firmen in der Region überraschen mit neuen Produkten. Wir prüfen, wie gut sie sind. Heute: Salmiakdragees in süßer, weißer Hülle.

Hamburg. Als Peter-Michael Thom noch ein Hamburger Buttjer war und auf den Straßen von Harvestehude spielte, hatte er fast immer ein paar Salmix in der Tasche: Diese kleinen Salmiakpastillen in Rautenform, die er immer zu einem Stern auf dem Handrücken angeordnet und dann gegessen hat – wenn er sie nicht vorher gegen etwas anderes eingetauscht hatte. Denn damals waren die Lakritz-Rauten ein Zahlungsmittel bei ihm und seinen Freunden. Wer beim Murmelspielen oder Gummitwist verlor, musste an den Gewinner ein paar Salmis abtreten. Zurückerobern konnte man sich die Pastillen nur, wenn man eine Mutprobe bestand: einen Klingelstreich machte, auf einen besonderen Baum im Innocentiapark kletterte – oder einen Regenwurm aß.

Mehr als 60 Jahre sind seitdem vergangen und Peter-Michael Thom, inzwischen 66, besitzt längst nicht mehr nur ein paar einzelne Salmix, sondern Tonnen davon, Abertausende und Millionen von Pastillen. Denn Thom ist inzwischen Besitzer von Salmix. 2014 hat er die Unternehmensgruppe Pharma-Peter gekauft, zu der auch die Tochterfirmen Salmix und Canea-Sweets gehört. Der Schwerpunkt von Pharma-Peter liegt auf Gesundheitsprodukten für die Selbstmedikation, auf Arznei- und Nahrungsergänzungsmitteln. Der Jahresumsatz beträgt rund sechs Millionen Euro. Salmix macht etwa zehn Prozent davon aus. Trotzdem – oder gerade deswegen: Mit der Traditionsmarke hat Thom viel vor.

Neue Varianten

Die 1949 vom Lebensmittel-Chemiker Heinz Caspar auf St. Pauli entwickelten Salmix Spezialitäten werden zwar immer noch nach der Original-Rezeptur hergestellt, doch die Firma entwickelt permanent neue Varianten des Klassikers. Zuckerfrei, mit Chili-Geschmack oder vegan: Die Salmiakpastille gibt es inzwischen in den verschiedensten Geschmacksrichtungen und -ausführungen. Die neuesten Produkte sind La­kritzstangen ohne Zusätze aus 100 Prozent Süßholz, Salmiak-Granulat zum Kochen und Backen sowie die mit weißer Schokolade ummantelten Pastillen.

Diese Salmix Schoko Dragees Weiß verkaufen sich wie „geschnitten Brot“ und sind der persönliche Favorit von Chef Thom. Da er irgendwann seine Leidenschaft für die klassischen Pastillen und deren herben Geschmack verloren hat, isst er sie heute nur noch mit Schoko-Mantel. Bereits vor zehn Jahren wurden die ersten Lakritz-Schoko-Dragees eingeführt – damals mit dunkler Ummantelung. Dass es die süßen Kugeln mit dem herben Lakritz-Kern jetzt auch in Weiß gibt, liegt an Betriebsleiter Stefan Pawel (41). Da er selbst so gerne weiße Schokolade isst, wollte er diese mit Salmix kombinieren. Sein erster Versuch: eine Salmiakpastille und ein Stück weiße Schokolade gleichzeitig in den Mund stecken und gucken, wie es schmeckt.

Vier Millionen Rauten pro Tag

Hergestellt werden die Salmix-Produkte rund 25 Kilometer von der Firmenzentrale in Langenhorn entfernt: in Sievershütten (Kreis Segeberg). Vier Millionen Rauten werden hier pro Tag produziert. Dass viele Arbeitsschritte immer noch in Handarbeit erfolgen und sich mit der industriellen Herstellung von Lakritz nicht vergleichen lassen, darauf legt man großen Wert im Unternehmen. So werden die Rohstoffe per Hand von einem sogenannten Mischmeister zusammengeführt, die fertige Masse wird per Hand in Blöcke geschnitten, anschließend manuell in die Austragungsmaschine gefüllt und schließlich per Hand in der sogenannten Knuddelbox auf einem Sieb „geknuddelt“. Das heißt: Die Salmix werden noch einmal durchgeknetet, damit sich die einzelnen Rauten voneinander lösen.

Den Beweis für den hohen Anteil Handarbeit kann Betriebsleiter Stefan Pawel sehr plastisch vorführen. Eine Narbe an der Hand zeigt, wo er sich bei der Salmix-Produktion einst geschnitten hat. Drei Tage dauert der Herstellungsprozess der Rauten. Zu kaufen gibt es sie von jeher ausschließlich in Apotheken. Früher waren die Salmis wegen ihres hohen Salmiakanteils sogar apothekenpflichtig. Dass man auch heute auf diesen Vertriebsweg setzt, liege vor allen an den hohen Listungsgebühren im Einzelhandel. „Das ist nicht unsere Welt. Wir sind ein Bonsai-Konzern und wollen uns nicht verheben“, sagt Thom.

Der Lakritzäquator

In Norddeutschland ist Salmix in nahezu jeder Apotheke zu bekommen, fährt man in Richtung Süden nimmt die Beliebtheit rapide ab. Bei Pharma-Peter spricht man gar von einem Lakritzäquator, der ungefähr auf Höhe der Frankfurter Mainlinie verläuft. Während Lakritze im Norden an den Küsten und in den Hansestädten in jeder Form gegessen werden, können sich die intensiven Varianten wie Salmix in bayrischen Gefilden kaum durchsetzen. Das Unternehmen kümmert diese Tatsache jedoch kaum: Denn Salmix setzt auf den Norden. Und auf neue Ideen, neue Produkte. Die nächsten sind schon in der Entwicklung.

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Der Test: Kräftiges Lakritz für Anfänger

Produkt: Der Name ist Programm: Die Salmix Schoko Dragees Weiß bestehen aus einem Salmiakkern mit einem Mantel aus weißer Schokolade.

Preis: Für einen Beutel mit 75 Gramm lautet die unverbindliche Preisempfehlung 1,59 Euro. Für eine Dose (150 Gramm) sind es 2,29 Euro. In vielen Apotheken gibt es einen Beutel jedoch bereits für 1,20 Euro

Nährwertangaben: 100 Gramm Salmiakdragees Schoko Weiß haben 440 Kalorien und enthalten 16,1 Gramm Fett. Das ist mehr als bei den klassischen Salmix. Der Grund dafür ist der Schokomantel.

Geschmack: Ungewöhnlich! Die Kombination aus süßer Schokolade und kräftigem Salmiakkern ist ganz besonders – schmeckt aber nicht jedem. Der Geschmack erinnert ein bisschen an SalmiLollis mit Schokoüberzug.

Fazit: Der Grad der Begeisterung hängt stark von den persönlichen Lakritz-Vorlieben der Tester ab. Da der scharfe Salmiak-Geschmack durch die Schokolade abgemildert wird, finden die Salmix Schoko Dragees vor allem bei NichtLakritzliebhabern Anklang. Tester, die sonst eher kräftiges Lakritz bevorzugen, standen der Kombination eher kritisch gegenüber. Trotzdem: Keinem Tester schmeckten die Dragees überhaupt nicht. Da die Bewertung zwischen 3 und 5 Sternen variierte, lautet das Endergebnis: 4 von 5 Sternen. (nik)

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Der Abendblatt-Test immer dienstags im Wirtschaftsteil. Alle bisherigen Folgen gibt es online unter www.abendblatt.de/testserie