Musicals in Hamburg

Neue Irritationen um "Phantom der Oper"-Inszenierungen

Zwei Musicals, ein Titel, Vorwürfe der Täuschung: Zuschauer verunsichert. Verbraucherschützer warnen vor einer bestimmten Inszenierung.

Hamburg.  Es geht um Betrugsvorwürfe, Rufschädigung und viel Verwirrung um das Musical „Phantom der Oper“, das 2018 auch in Hamburg in verschiedenen Versionen aufgeführt wird. Aufwendige Produktionen und hochklassige Sänger werden mit schwarzen Schafen der Veranstalter-Branche in einen Topf geworfen und am Ende ist vor allem der Zuschauer verunsichert.

Aber der Reihe nach: Wie berichtet, gastiert die Version des Musicals „Phantom der Oper“ vom Autoren-Team Deborah Sasson und Jochen Sautter, das als eines der erfolgreichsten Tournee-Musicals in Europa gehandelt wird, am 1. Februar 2018 im Mehr! Theater. Doch bereits im Vorwege gibt es Unmut: In sozialen Netzwerken äußern Musical-Fans die Befürchtung, dass Kartenkäufer davon ausgehen, auf der Bühne erwarte sie die bekannte Fassung von Andrew Lloyd Webber und Richard Stilgoe.

Auf den Tickets wird mit Deborah Sasson geworben

Für die Autoren, Produzenten und Darsteller sind diese Vorwürfe völlig unverständlich. Und tatsächlich: Auf den Tickets steht sehr deutlich: „Das Phantom der Oper – Der Musical-Erfolg nach dem Roman-Bestseller von Gaston Leroux mit Weltstar Deborah Sasson“. Selbst das Mehr! Theater weist als Spielstätte auf seiner Homepage deutlich darauf hin, dass es sich um eine Neuinszenierung handelt.

Von Irreführung könnte keine Rede sein, erklärt Sängerin und Echo-Klassik-Preisträgerin Deborah Sasson dem Abendblatt. Die Künstlerin hatte die Idee, das „Phantom der Oper“ zum 100-jährigen Geburtstag des Romans auf die Bühne die bringen. „Ich habe das Buch schon als Kind gelesen und war sehr beeindruckt von der Geschichte“, sagt Sasson, die ihr erstes Engagement an der Metropolitan Opera New York hatte.

Video von "Phantom der Oper"

YouTube Phantom

Tägliche Produktionskosten zwischen 18.000 und 24.000 Euro

Im Unterschied zu anderen Musical-Fassungen hält sich die Version von Deborah Sasson und Jochen Sautter sehr stark an der Romanvorlage. Musikstücke, die im Buch vorkommen, spielen auch in ihrer Inszenierung eine Rolle. In die Musik, die Sasson selbst komponiert hat, wurden bekannte Opernzitate eingebunden – etwa aus „La traviata“ und „Carmen“. „Anders als bei Andrew Lloyd Webber ist es eine interessante Mischung aus Oper und Musical“, so die Sängerin. Dass bei der Webber-Fassung keine Oper vorkommt, habe sie nie verstanden.

Dass es sich um eine aufwendige Produktion handelt, zeigen allein die täglichen Produktionskosten. Nach Angaben des Produzenten liegen diese zwischen 18.000 und 24.000 Euro. Die Inszenierung mit Deborah Sasson und Axel Olzinger in den Hauptrollen setzt auf moderne Multimedia-Technik. „Die interaktiven Videoanimationen basieren auf Originalaufnahmen aus der Pariser Oper und den Katakomben“, sagt die Opernsängerin. Für diese Darstellung habe man sich entschieden, um so authentisch wie möglich zu sein.

Amerikaner haben Interesse an „Phantom der Oper“

Auch Bilder aus dem Film „Phantom der Oper“ aus dem Jahr 1925 sind Teil der Show. „Der Urenkel des Schauspielers Lon Chaney hat mir gestattet, die Aufnahmen zu verwenden“, sagt Sasson. Für die Bühnenausstattung konnte Michael Scott gewonnen werden, den Sasson noch vom der Metropolitan Opera New York kennt. Begleitet wird das Musical live von einem bis zu 24-köpfigen Orchester.

Dass Deborah Sasson und ihre Kollegen mit Musicalinszenierungen erfolgreich sind, zeigt auch „Der Kleine Prinz“, der 2019/2020 in Amerika auf Tour geht. „Wir haben gute Chancen, das Musical auf den Broadway zu bringen“, sagt sie. Und auch für das „Phantom der Oper“ hätten die Amerikaner bereits Interesse angemeldet.

Arbeiterkammer warnt vor anderen „Phantom-der-Oper“-Fassung

Musical-Fans, die sich „Phantom der Oper“ in Hamburg anschauen wollen, sollten beim Kartenkauf allerdings genau hinschauen. Denn am 15. Februar 2018 gastiert im Mehr! Theater eine weitere Version des Musicals, dann in der Fassung von Arndt Gerber (Musik) und Paul Wilhelm (Text). Zwar weist auch hier die Spielstätte darauf hin, dass es sich um eine Neuinszenierung und nicht um die Produktion von Andrew Lloyd Webber handelt. Doch Verbraucherschützer in Österreich kritisieren, dass der Veranstalter ASA Event GmbH mit Begriffen wie „Die große Originalproduktion“ und „Das Musical der Superlative in deutscher Fassung“ wirbt.

Unter dem Titel „Achtung, trügerische Musical-Titel“ warnt die Arbeiterkammer (AK) – die gesetzliche Interessenvertretung der Arbeitnehmer in Österreich – vor der irreführenden Bewerbung dieser Musicalfassung, die im kommenden Jahr auch in österreichischen Städten zu sehen sein wird. „Die deutsche Gesellschaft ASA Event GmbH wirbt derzeit für ein Musical der Central Musical Company mit dem Titel ‘Das Phantom der Oper’“, schreibt die AK in einer aktuellen Mitteilung . Dabei handele es sich nicht um das weltbekannte Musical von Andrew Lloyd Webber, sondern um ein völlig anderes Musical – mit anderem Text und anderer Musik. „Das geht jedoch aus der Werbung nicht klar genug hervor“, sagt AK-Verbraucherschützer Martin Goger. „Wir wollen die Konsumenten warnen, damit sie sich nicht mit einer falschen Erwartungshaltung Tickets kaufen.“

ASA Event GmbH weist Vorwürfe zurück und bereitet Klage vor

In Hamburg ist dieser Fall bereits eingetreten. „Ich habe Karten geschenkt bekommen und bin bitter enttäuscht“, schreibt ein Abendblatt-Leser in einer E-Mail. „Es war in keiner Weise von einer Neuinszenierung die Rede.“ Für ihn sei die Vorgehensweise des Veranstalter ASA Event GmbH „an der Grenze des Legalen“.

Die ASA Event GmbH weist die Vorwürfe jedoch strikt von sich. "Wir sind selbst erstaunt in welcher Manier die AK hier berichtet", sagt Dominik Willig vom ASA-Team auf Abendblatt-Anfrage. "Hier werden laienhaft Fakten verdreht und (un-)wissentlich falsch dargestellt." Sänger, Musiker und Tänzer würden diffamiert, "nur weil die AK ihren Job nicht richtig gemacht hat", so Willing. Gegen die AK sei bereits eine Klage in Vorbereitung.

Die AK behaupte fälschlicherweise, dass mit dem Musical "Phantom der Oper" von Arndt Gerber und Paul Wilhelm Unwahres suggeriert werde. "Dies ist schlichtweg gelogen", teilt die ASA Event GmbH mit. Die AK verbreite, dass das Stück von der Originalproduktion abweichen würde. "Es muss die Frage erlaubt sein, was die AK als Original verstehen will. Das Musical von Ken Hill oder das von Jochen Sautter oder das von Paul Stracke oder das von Andrew Lloyd Webber oder doch das von Arndt Gerber?", heißt es weiter. "Der AK scheint nicht bekannt zu sein, dass das "Phantom der Oper" ein Roman von Gaston Leroux ist.