Umweltschutz

Kamine sorgen für dicke Luft in Hamburgs Wohnvierteln

Schornsteinfegermeister Henning Mahrt am Innweg in Wellingsbüttel. In dem Bezirk, für den er gemeinsam mit seinem Chef verantwortlich ist, gibt es 2750 Häuser und 1300 Kamine

Schornsteinfegermeister Henning Mahrt am Innweg in Wellingsbüttel. In dem Bezirk, für den er gemeinsam mit seinem Chef verantwortlich ist, gibt es 2750 Häuser und 1300 Kamine

Foto: Klaus Bodig / HA

In einigen Wohngebieten hat jedes zweite Haus einen Ofen. An Gestank und Feinstaubbelastung ist oft die falsche Bedienung schuld.

Hamburg.  Es ist kalt, nass und ungemütlich. Wer einen Kamin oder Ofen besitzt, kann jetzt mit einem prasselnden Feuer – ob offen oder hinter Glas – Wärme und Behaglichkeit schaffen. Für manche ist das Heizen mit Holz oder Pellets aber auch eine kostengünstige Alternative zu Öl und Gas. Aus den Schornsteinen in der sogenannten Flusssiedlung in Wellingsbüttel raucht es kräftig. Wie in fast allen Wohngebieten außerhalb der Innenstadt haben hier viele der Ein- und Zweifamilienhäuser Feuerstellen. Das ist nicht nur zu sehen, sondern auch zu riechen: Besonders, wenn die Luft feucht und schwer ist, zieht der Rauch nicht ab.

Dieser „Geruch nach Winter“, warnt das Umweltbundesamt, kann gesundheitsschädlich sein. Das Heizen mit Holz verursache, auch wenn es sachgerecht vorgenommen werde, mehr luftverschmutzende Emissionen als etwa Heizöl oder Erdgas. Würden in Wohngebieten bei Inversionswetter­lagen viele Holzöfen und Kaminfeuer gleichzeitig betrieben, könnte es zu kurzzeitigen Belastungen mit Feinstaub und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) kommen, die bei unvollständiger Verbrennung entstehen und gesundheitsgefährdend sein können.

Das sollten Sie beim Befeuern ihres Kamins beachten

„Wir bekommen fast jeden Tag Beschwerden von Anwohnern, die sich über den Geruch eines benachbarten Kamins beklagen“, sagt Bezirksschornsteinfeger Stefan Bolln, der mit seinem Kollegen Henning Mahrt für die Flusssiedlung und weitere Teile von Wellingsbüttel, Bramfeld und Sasel zuständig ist. In dem relativ kleinen, überwiegend mit Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern bebauten Gebiet stehen 2750 Häuser, davon haben 1300 einen Kamin – also fast jedes zweite.

„Wenn die alle gleichzeitig an sind, ist das ein Problem“, so Bolln. Das liege aber nicht an der hohen Zahl der Kamine, sondern oft an der Unwissenheit ihrer Besitzer. „Es ist unser täglich Brot, Kaminbesitzern bei der Feuerstättenschau den richtigen Umgang mit ihrer Feuerstelle zu erklären.“ Oft sei das Holz zu feucht, aber auch eine falsche Menge führe zu Ruß- und Rauchbildung. Ihre Ahnungslosigkeit führt Bolln auf das Alter der Kaminbesitzer zurück.

Betriebsanleitung nicht gelesen

„Sie sind jung, haben das nicht von den Eltern gelernt.“ Manche hätten auch einfach die Betriebsanleitung nicht gelesen. Wie viele Kamine und Öfen es in Hamburg gibt, wird nicht erfasst. „Wir haben über die Zahl keinen Gesamtüberblick“, sagt Jan Dube, Sprecher der Umweltbehörde. „Es gibt leider keine Zusammenführung der 103 Kehrbezirke“, sagt auch Lutz-Matthias Peters aus dem Vorstand der Schornsteinfeger-Innung. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft gab 2015 an, dass in 27 Prozent der Wohnungen in Deutschland zweite Wärmeerzeuger wie Kamine oder Öfen vorhanden sind.

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Nachdem es mehr als 15 Jahre lang einen wahren Run auf Kaminöfen gegeben habe, lasse der jetzt wieder nach, beobachtet der Blankeneser Bezirksschornsteinfeger Peter Plocharska, der im Bereich zwischen Langelohstraße und Sülldorfer Kirchenweg unterwegs ist. Ebenso wie in Wellingsbüttel kommt es auch hier zu vielen Beschwerden, wenn die Nachbarn ihre Kamine in Gang setzen. Ebenso wie seine Kollegen Bolln und Mahrt berät Plocharska Hausbesitzer nicht nur hinsichtlich des Betriebs der Feuerstellen, sondern überprüft auch die Betriebserlaubnis und das Einhalten der Filterpflicht.

500 Euro für einen Filter

Diese gehören zu den Maßnahmen, mit denen die Bundesregierung der steigenden Luftverschmutzung durch unsachgemäß betriebene oder technisch veraltete Kamine und Kaminöfen entgegenwirken will. Nach einer 2010 festgelegten Verordnung für kleine und mittlere Feuerungsanlagen müssen bis zum Jahresende Kamine und Öfen aus dem Jahr 1984 oder älter stillgelegt oder nachgerüstet werden. Davon gebe es in ihrem Bezirk höchstens eine Handvoll, sagen Bolln und Plocharska. „Größere Auswirkungen wird es haben, wenn bis Ende 2020 die Kamine aus den Jahren 1984 bis 1995 außer Betrieb genommen oder mit Feinstaubfiltern ausgerüstet werden müssen“, so Bolln.

Ein entsprechender Filter schlage mit mindestens rund 500 Euro zu Buche – ein hochwertiger neuer Kamin sei etwas teurer. „Es gibt auch für 500 Euro schon Öfen, aber ich rate meinen Kunden, lieber drei Monate länger auf ein besseres Modell zu sparen.“ Doch auch die neuen „Hochleistungsmodelle“ hielten die Feinstaubwerte nur ein, solange sie richtig betrieben würden.

Feinstaubgrenzwert wird nicht überschritten

Die EU hat einen Jahresmittelwert für Feinstaub der Partikelgröße 10 (PM10) von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter festgelegt und einen 24-Stunden-Wert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter (der an maximal 35 Tagen im Jahr überschritten werden darf). Der Hamburger Umweltbehörde zufolge habe das Luftmessnetz in der Hansestadt in den vergangenen Jahren keinerlei Überschreitungen der Feinstaubgrenzwerte nach EU-Luftqualitätsrichtlinien gemessen. „Auch in diesem Jahr ist an keiner der zwölf Stationen eine Überschreitung zu erwarten“, so Sprecher Jan Dube.

Einzelne lokale und temporäre Belastungen würden durch das Luftmessnetz jedoch nicht erfasst.