Gastronomie

Hamburg hat jetzt eine ausgezeichnete "Kneipe"

 Das Izakaya  – auf Deutsch Kneipe – im Hotel Sir Nikolai an der Katharinenstraße erhielt 15 Punkte

Das Izakaya – auf Deutsch Kneipe – im Hotel Sir Nikolai an der Katharinenstraße erhielt 15 Punkte

Foto: Roland Magunia

"Gault&Millau" würdigt 30 Hamburger Lokale, darunter das Izakaya im Hotel Sir Nikolai. Das Haerlin bleibt mit Rüffer an der Spitze.

Hamburg.  Christoph Rüffer vom Restaurant Haerlin im Hotel Vier Jahreszeiten hat seinen ersten Platz der kulinarischen Hitparade des „Gault&Millau“ in Hamburg souverän verteidigt. „Das Haerlin bleibt Hamburger Flaggschiff der neuen, selbstbewussten deutschen Weltküche“, teilte der Restaurantführer am Montag mit. Rüffer schöpfe „aus einem riesigen Aromenschatz, der sich an keine Nationalküche oder Mode bindet“. Dafür erhält der Spitzenkoch wie im Vorjahr 19 von 20 möglichen Punkten. Vor zwei Wochen hatte der „Guide Michelin“ Rüffers Leistung ebenfalls wieder mit zwei Sternen ausgezeichnet.

Ebenso erfreut zeigt sich der Restaurantführer von der „hochmodernen Küchenkunst“ von Kevin Fehling vom Restaurant The Table in der HafenCity. Für den „großartigen Gesamteindruck einer modernen Spitzengastronomie“ erhält der Küchenchef 18 Punkte und damit einen mehr als 2016, denn er inszeniere „Teller wie zeitgeistige Bühnenbilder“. Der „Guide Michelin“ hatte The Table als einzigem Restaurant in Hamburg erneut drei Sterne zuerkannt.

Jacobs Restaurant steigt um einen Punkt ab

Auf Platz drei folgen mit je 17 Punkten Karlheinz Hauser vom Seven Seas auf dem Süllberg und Wahabi Nouri vom Piment in Eppendorf. Hauser hat zwei Michelin-Sterne, Nouri einen.

Um einen Punkt auf 16 abgestiegen ist das Jacobs Restaurant im gleichnamigen Hotel an der Elbchaussee. Mit Bedauern kommentieren die Tester die konzeptionellen Veränderungen und kritisieren „günstige Zutaten zu Preisen wie früher“. Statt ausgezeichneter Küchengrüße gebe es nur noch eine Schale hausgemachter Kartoffelchips und ein Döschen Forellenkaviar. Und der legendäre Naschwagen rolle zwar noch, komme aber nicht mehr als Abschiedsgruß zum Kaffee, sondern alternativ zur Nachspeise im Menü. Gleichwohl habe Küchenchef Thomas Martin nichts verlernt, „wie ein erstklassiger Rehrücken im Gewürzmantel mit Kirschen und Pfifferlingen bewies“.

16 Punkte für Anna Sgroi in ihrem gleichnamigen Restaurant

„Natürlich fühlt es sich im ersten Moment wie ein Verlust an“, sagte Thomas Martin dem Abendblatt. „Besonders leid tut es mir für mein Team. Unabhängig von der Wertung der Tester geben wir selbstverständlich tagtäglich und auch in Zukunft unser Bestes.“ Das größte Anliegen der Crew sei es, den Gästen ein unvergleichbares und unvergessliches kulinarisches Erlebnis zu bieten. „Dabei bleiben mein Team und ich unserer Linie und Philosophie treu.“

Das Jacobs, vor zwei Wochen unverändert mit zwei Michelin-Sternen bewertet, hat vor einem guten Jahr sein Konzept geändert. Es können aus der Karte einzelne Gerichte bestellt werden, ein mehrgängiges Menü ist nicht mehr Pflicht. „Lässig, aber nicht nachlässig“ ist das Motto des Hauses.

Ihre 16 Punkte erreichen wieder Anna Sgroi in ihrem gleichnamigen Restaurant in der Milchstraße, Heinz O. Wehmann vom Landhaus Scherrer und Florian Pöschl vom Le Canard nouveau, beide an der Elbchaussee, sowie Kirill Kinfelt vom Trüffelschwein am Mühlenkamp. Die drei Letztgenannten haben alle je einen Michelin-Stern.

Izakaya – das bedeutet Kneipe

Neu in der Riege der ausgezeichneten Betriebe mit 15 Punkten sind das Nikkei Nine im Hotel Vier Jahreszeiten an der Binnenalster sowie das Izakaya – auf Deutsch Kneipe – im Hotel Sir Nikolai an der Katharinenstraße in der Altstadt. Moderne japanische Küche mit südamerikanischen Einflüssen wird dort angeboten, etwa Ceviche von der Dorade mit Popcorn, Avocado und Grapefruitsaft.

Über ebenfalls 15 Punkte freuen sich: Fischereihafenrestaurant (Große Elbstraße), Jellyfish (Weidenallee, ein Michelin-Stern), Osteria da Francesco (Milchstraße), Petit Amour (Spritzenplatz, ein Michelin-Stern), Rive (Van-der-Smissen-Straße), Se7en Oceans (Europa Passage, ein Michelin-Stern), Tschebull (Mönckebergstraße) sowie Vlet (Am Sandtorkai). Weitere vier Hamburger Restaurants bekommen 14 Punkte, sieben sind mit 13 Punkten dabei. Insgesamt beschreibt und bewertet der „Gault&Millau“ in seiner neuen Ausgabe 900 Adressen, darunter 104 neu aufgenommene.

Der Restaurantführer erscheint seit 1969 in Frankreich. In dem Buch (ZS Verlag, 736 Seiten, 39,99 Euro) werden Lokale nach dem französischen Schulnotensystem mit 0 bis 20 Punkten bewertet.

Mittags ist die prämierte Küche günstiger

Die vom Gault&Millau ausgezeichneten Restaurants beeindrucken durch kreative Handwerkskunst und beste Produkte. Da hat das Essen seinen Preis. Die gleiche Qualität gibt es aber meist auch im günstigeren Mittagstisch.

Das Fischereihafenrestaurant etwa serviert täglich 11.30 bis 15 Uhr (außer an Feiertagen und zwischen den Jahren) die Hamburger Aalsülze „süß-sauer“ mit Preiselbeer-Meerrettichsahne für neun Euro, gebratenes Rotbarschfilet auf Rosenkohl-Kartoffelstampf mit Dijon-Senfsoße für 13,50 Euro oder Holsteiner Grünkohl mit Kochwurst, Schweinebacke und Röstkartoffeln für einen Euro mehr.

In der Osteria da Francesco stehen ab 12 Uhr Tagliatelle mit frischem schwarzen Trüffel für 18,90 Euro oder Hummersuppe für 12,90 Euro in der Karte.

Im Tschebull gibt es von 12 bis 15.30 Uhr Perlhuhnragout mit Rahmspinat und Kartoffelpüree für 21 Euro. Ein Zwei-Gänge-Lunch wie hausgemachte Rehbratwurst und Sachertorte inklusive 0,5 Liter Mineralwasser kostet 21 Euro.

Das Se7ven Oceans serviert zwischen 12 und 15 Uhr einen Mittagstisch mit Rinder-Tatar, Forelle oder Landschwein sowie Dessert für 43 Euro.

Restaurant-Kritiken des Hamburger Abendblatts