Hamburg

Wie eine App helfen kann, neue Freunde zu finden

Die Gründer der Kennenlern-App 25friends: Juri Materi, Ramin Ataei und Florian Frese (v.l.)

Die Gründer der Kennenlern-App 25friends: Juri Materi, Ramin Ataei und Florian Frese (v.l.)

Foto: Mark Sandten

Drei Hamburger haben das Unternehmen 25friends gegründet. Sie bringen Menschen mit gleichen Interessen zusammen.

Hamburg.  Alles fing an, weil etwas fehlte: im Leben von Ramin Ataei (25). Der Student hatte gerade eine radikale Wende in seinem Leben hingelegt, war auf der Suche nach einem neuen Freundeskreis. Also meldete er sich nicht nur bei einem Online-Fitnessprogramm an, sondern auch gleich beim passenden Gruppenchat. „Das lief super. Wir haben uns zum Sport verabredet und so schnell besser kennengelernt“, erzählt der Hamburger. Als Florian Frese (23), ebenfalls angehender Betriebswirt, davon Wind bekam, war er sofort begeistert. „So eine Möglichkeit hätte ich auch gerne gehabt, um neue Leute kennenzulernen“, sagt der Schwabe, der drei Jahre vorher zum Studium in den Norden gekommen war. Noch am gleichen Abend verabredeten sich die beiden in der Uni-Bibliothek und bauten ihre erste Internetseite – der Start von 25friends.

Vermittlung von Gruppenschats

Inzwischen ist aus der Idee eine Firma geworden. Seit einigen Monaten vermittelt 25friends kostenlos per App deutschlandweit Gruppenchats. Das Prinzip ist einfach: Wer Interesse hat, neue Menschen in der eigenen Stadt kennenzulernen, meldet sich mit seiner Mobilnummer an. Sind genug zusammen, erstellt 25friends einen Chat. Die Teilnehmer, im besten Fall 13 Frauen und 12 Männer im ähnlichen Alter, können sich sofort austauschen. „Man hat die Leute quasi in der Hosentasche“, sagt Florian Frese und grinst. „Oftmals treffen sich die Gruppen-Teilnehmer aber schon nach wenigen Tagen, um etwas zusammen zu unternehmen.“

Von Anfang an war die Resonanz auf die Kennenlern-App positiv. „Schon wenige Stunden nach unseren ersten Posts auf Facebook haben sich mehr als hundert Frauen und Männer gemeldet“, erzählt Ramin Ataei. „Die waren richtig begeistert.“ Einen Monat später veranstalteten sie ein Treffen im Stadtpark, zu dem mehr als 200 Menschen kamen. Danach wuchs die Zahl der Interessenten weiter. Nach sieben Wochen waren es schon 2500. „Anfangs haben wir alles über WhatsApp gemacht, aber es wurden einfach zu viele Chat-Teilnehmer“, erzählen die Gründer von 1000 Nachrichten am Tag und gesperrten Accounts. Das war die Motivation, ihr Projekt ernsthaft weiterzuentwickeln. „Wir haben gemerkt, dass es eine richtig gute Sache ist“, sagt Florian Frese. „Und auch, wie wertvoll Freundschaft ist.“

Sprung in die Wirtschaft

Statt sich an der Universität theoretisch mit Gründungskonzepten, Unternehmenskennzahlen und Rechnungsführung zu beschäftigten, entschieden sich Ataei und Frese für den Sprung ins reale Wirtschaftsleben. Sie holten Informatiker Juri Materi (30) in die Firma, der für die Entwicklung der 25friends-App mit eigenem Chat zuständig ist. Im November 2016 landeten die ehrgeizigen Jung-Unternehmer zudem einen Coup. Sie konnten einen Investor gewinnen, der einen mittleren sechsstellige Euro-Betrag bereitstellte. Sie gründeten eine GmbH, im Mai ging 25friends online. Bislang verdient das Start-up noch kein Geld, das Gründer-Trio lebt vom Bestand.

Ihr Ziel: Die Eine-Million-Nutzergrenze zu knacken. Danach lasse sich die Idee monetarisieren, etwa über Werbeeinnahmen oder sogenannte In-App-Käufe, bei denen die Nutzer zusätzliche Features zukaufen können.

Alexander Klamt gehört zu den ersten, die sich bei 25friends angemeldet haben. Er ist seit vier Jahren in Hamburg, arbeitet bei einem Dienstleister für Kreuzfahrtreedereien. „Ich habe durch den Gruppenchat nette Menschen kennengelernt“, sagt der 30-Jährige, der aus der Nähe von Dessau stammt und lange zur See gefahren ist.

Ein Wachstumsmarkt

Heute ist sein Freizeit-Terminkalender gut gefüllt „Ich finde wichtig, dass das Kennenlernen über eine Gruppe läuft. Das schafft gerade am Anfang Vertrauen“, sagt der Neu-Hamburger, der ausdrücklich das Niederschwellige an dem Angebot lobt. „Man muss nicht viele Daten preisgeben.“

Der Bereich Freizeitgestaltung via Smartphone, in der Fachsprache Social Discovery, wächst in ganz Deutschland. Neben Facebook-Gruppen wie „Neu in Hamburg“ (mehr als 26.000 Mitglieder) gibt es eine Reihe weiterer Angebote, die eine regionalisierte Suche ermöglichen. Sie heißen Meetup, Spontacts oder Actify. Das Hamburger Start-up Jetztra ist seit November 2016 online. Hinter der Kennenlern-App stecken Julia Weber und Christian Kranemann. Über sogenannte Inserate können sich Gleichgesinnte per Mausklick verabreden, etwa zum Basketballspielen, für einen Tatort-Abend oder zum Treffen in einem netten Café. Jetztra hat nach eigenen Angaben mehr als 5000 aktive Nutzer. Anfang 2017 war das Venture-Capital-Unternehmen 20Scoops mit einem Betrag in mittlerer sechsstelliger Höhe bei dem Social-Media-Anbieter eingestiegen.

Nutzer sind zwischen 25 und 30 Jahren alt

Florian Frese, Ramin Ataei und Juri Materi sitzen an einem großen Besprechungstisch. Aus einem Loft-Büro auf einem ehemaligen Kasernengelände in Bahrenfeld steuern sie seit einigen Monaten ihr Unternehmen. „Im Schnitt ist jeder unserer Nutzer in drei bis vier verschiedenen Gruppen“, sagt Ataei. Die App 25friends wurde in den ersten drei Monaten 20.000-mal heruntergeladen. In 30 Städten gibt es Gruppen, Schwerpunkte sind Hamburg, Berlin, München und Köln. 80 Prozent der Nutzer sind zwischen 25 und 30 Jahren alt, der Anteil der Frauen liegt bei 60 Prozent.

Im Herbst soll die App auch in Österreich und der Schweiz starten. Auch ein weiteres Update ist fast fertig. Wichtigste Neuerung: Teilnehmer können selbst Gruppen nach Interessenschwerpunkten gründen. Schon jetzt ist es möglich, sich auch privat auszutauschen. Es gibt auch immer wieder Angebote – wie bei einen regelmäßigen Stammtisch – sich auch im echten Leben zu begegnen. „Erfolgreich sein, heißt für uns, dass Freundschaften entstehen“, sagt Florian Frese.

Prüfung steht an

Für die nächsten Wochen haben sich die 25friends-Initiatoren Frese und Ataei allerdings ein bisschen weniger Aktivität verordnet. Die letzte Prüfung für ihr Studium ist fällig, danach folgt die Bachelor-Arbeit. Haben Sie dafür schon einen Gruppenchat eingerichtet? Kollektives Kopfschütteln. „Das machen wir offline“, sagt Ramin Ataei und grinst.