Husum/Hamburg

Von der Monster-Schraube bis zur Hightech-Messtechnik

Eine Besucherin betrachtet eine Scheibenbremse
für Windräder

Eine Besucherin betrachtet eine Scheibenbremse für Windräder

Foto: Markus Scholz / dpa

Windmesse in Husum zeigt Neuheiten. Branche ist selbstbewusst. Veranstaltung gilt als Leitmesse für den globalen Markt.

Husum/Hamburg.  Armdicke Gewindeschrauben mit kindskopfgroßen Muttern, Kabelverbindungen, die nach 3000 Stunden im Salzwasser-Nebel immer noch rostfrei sind und funktionieren, und miniaturisierte Messtechnik, die über Hightech-Sensoren automatisch den Zustand von Windkraftanlagen überwacht: Mit einer umfassenden Produktpalette präsentiert sich die Windenergiebranche am Dienstag auf der viertägigen Messe Husum Wind 2017.

Ein großer Kostenfaktor für Betreiber von Windkraftanlagen ist die Instandhaltung. Service und Wartung einer Offshore-Anlage können bis zu 25 Prozent der Kosten ausmachen, heißt es. Die großen Anlagen vor den Küsten haben eine Lebensdauer von 25 Jahren und sind dabei fast durchgehend in Betrieb. Ein zehn Jahre altes Auto dagegen ist bis dahin nur wenige Monate tatsächlich gefahren.

Betriebskosten senken

Auf der Messe zeigen Erfinder und Ingenieure, wie durch vorausschauende Instandhaltung Betriebskosten gesenkt werden können. So können Sensoren Schäden an den Rotorblättern erkennen und warnen, wenn die Schutzschicht erneuert werden muss. Andere Sensoren kontrollieren die Spannung von Bolzen, überwachen Risse im Betonfundament, schlagen Alarm, wenn sich irgendetwas negativ auf die Anlage auswirken könnte.

„Auf dieser Messe zeigen wir die Innovationskraft der Branche, die neuste Technik“, sagte Hermann Albers vom Bundesverband Windenergie. Gleichzeitig kritisierte er die Energiepolitik der Bundesregierung. „Wir müssen die Ressourcen weiter ausbauen, damit es uns im Bereich Wärme, Strom und Mobilität gelingt, die Energiewende glaubwürdig zu halten“, sagte er bei der Eröffnung der Messe am Dienstag.

Leistung von vier Kernkraftwerken

Und mit Blick auf die Energiepolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ergänzte er: „Im Moment ist die Bundeskanzlerin nicht glaubwürdig. Ich weiß aber, dass sie im Herzen das Ziel hat, den Klimaschutz wirklich umzusetzen.“ Man sei keine Branche, die Subventionen wolle. „Wir können viel mehr als nur Strom in der Steckdose: Wir können Mobilität und wir können Wärme“, gab Albers sich selbstbewusst. „Wir wollen einen modernen Marktmechanismus“, sagte er.

Messechef Peter Becker nannte als Beispiel die Offshore-Windparks. „Sie liefern jetzt schon eine Leistung von vier Kernkraftwerken, und sie haben gerade eine Ausschreibung mit null Cent erfahren“, sagt Becker. Er bezeichnet Wind als „echte Alternative zu den bisherigen Energieerzeugungsformen: klimaschonend, ressourcenschonend, sicher und generationengerecht. Wertvolle Rohstoffe wie Öl, Gas und Kohle, die über Jahrmillionen entstanden sind, müssen nicht mehr verbrannt werden, sondern können für kommende Generationen aufbewahrt werden.“

Die Husumer Windmesse findet alle zwei Jahre im Wechsel mit der größeren WindEnergy Hamburg statt, die als Leitmesse für den globalen Markt gilt. Zeitweise machten sich die Messegesellschaften beider Städte heftige Konkurrenz, vor drei Jahren verständigte man sich auf den zweijährigen Turnus.