Hamburg

Luxusgüter-Hersteller: Was der neue Montblanc-Chef plant

Der neue Montblanc-Chef
Nicolas Baretzki in seinem Büro in der Firmenzentrale in Lurupa

Der neue Montblanc-Chef Nicolas Baretzki in seinem Büro in der Firmenzentrale in Lurupa

Foto: Roland Magunia / HA

Nicolas Baretzki spricht über die Verbindung von Füllfederhalter und Computer sowie die Modernisierung der Shops.

Hamburg.  Alster oder Elbe? Einen Moment lang schaut Nicolas Baretzki irritiert, dann lächelt er. Die Standardfrage an Hamburger nach ihrem bevorzugten Gewässer kennt er noch nicht. Ba­retzki ist Neu-Hamburger. Im April hat der 47-jährige Franzose die Geschäftsführung des Traditionsunternehmens Montblanc International übernommen, so richtig angekommen ist er aber jetzt erst. Pünktlich zum Schuljahresbeginn ist die Familie aus der Schweiz nach Harvestehude umgezogen. Also Alster! „Wasser ist wichtig“, sagt Baretzki di­plomatisch. Dass er in seiner neuen Heimat sogar die Wahl hat, ist für den Manager ein echter Wohlfühlfaktor.

Jetzt sitzt er an seinem neuen Arbeitsplatz in der Luruper Firmenzentrale, auf dem Tisch liegen Notizbuch und Füllfederhalter. Natürlich ein Montblanc. Beides sichtlich benutzt. „Ich liebe es zu schreiben“, sagt Nicolas Baretzki. Beim Chef des weltweit führenden Herstellers von Edelfedern ist das eine erwartbare Haltung. In Zeiten fortschreitender Digitalisierung auch in den Schulen steht Handgeschriebenes aber inzwischen eher auf der Liste bedrohter Kulturtechniken.

„Schreiben hilft, die Gedanken zu ordnen“

Baretzki schüttelt energisch den Kopf. „Schreiben hilft die Gedanken zu ordnen und sich Dinge besser zu merken“, sagt er und sieht Montblanc als Botschafter für die Bedeutung des Schreibens. Um vor allem junge Menschen wieder an die Schreibkultur heranzuführen, hat das Unternehmen erste Ideen für ein Hochschulprojekt entwickelt, das zunächst in China anlaufen soll. Später könnte es an anderen wichtigen Universitäten weltweit etabliert werden, etwa in Paris, London und auch in der Montblanc-Heimat Hamburg.

Einen Schritt weiter geht das Unternehmen, das zum Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont gehört, mit der Einführung des Notizblocks Augmented Paper, mit dem sich handschriftliche Notizen auf den Computer übertragen lassen. „Damit verbinden wir Tradition und Technik, analog und digital“, sagt Baretzki. Ähnliche Produkte gibt es schon von anderen Anbietern. Bei Montblanc kommt das Gadget mit Ledermappe und speziell entwickeltem StarWalker-Schreibgerät. Kosten: etwa 690 Euro. Aufgezeichnet werden die Notizen mit einem Digital-Übersetzer, der unter dem Papier versteckt ist. Per Knopfdruck werden Texte, Skizzen oder Kritzeleien per Bluetooth an eine App gesendet und gespeichert. Dahinter steckt ein Erkennungsprogramm für Handschriften, an dem Montblanc lange getüftelt hat.

Augmented Paper verkaufe sich sehr gut

Das Konzept gehe auf, sagt der Geschäftsführer, der den elektronischen Notizblock regelmäßig bei Meetings nutzt. Augmented Paper verkaufe sich sehr gut. Zahlen will er nicht nennen. „Aber es gibt eine Warteliste, weil wir die Bestellungen nicht so schnell abarbeiten können.“ Das Produkt soll weiterentwickelt werden, unter anderem kommt jetzt eine Kollektion mit farbigen Lederhüllen auf den Markt. Ein ähnliches Prinzip verfolgt Montblanc mit der Smartwatch Summit-Uhr, die Schweizer Uhrmacherkunst mit der neusten Technologie kombiniert.

In seiner Führungsfunktion steht der Spitzenmann für Kontinuität. Der Nachfolger von Jérôme Lambert, der im Mutterkonzern Richemont eine neue Position übernommen hat, ist nach Positionen bei Cartier und Jaeger-LeCoultre seit vier Jahren bei Montblanc und war bislang stellvertretender Verkaufsdirektor. „Jetzt bin ich viel näher am Herz des Unternehmens, an der Herstellung“, sagt Baretzki. Von seinem Büro aus hat er die Gebäude der Manufaktur des 1906 gegründeten Unternehmens im Blick. Hier arbeiten gut 1000 Männer und Frauen, mehr als die Hälfte in der Produktion der weltweit bekannten Schreibgeräte. Noch vor seinem Start ins neue Amt hat er alle Abteilungen persönlich besucht, um Mitarbeiter und Abläufe kennenzulernen.

Schreibgeräte ein wichtiger Produktbereich

Die Marke, die auch hohe Umsätze mit Uhren, Lederwaren und Schmuck erzielt, verdient 40 Prozent der Erlöse mit Füllern, Kugelschreibern und Druckbleistiften made in Hamburg. „Schreibgeräte sind ein wichtiger Produktbereich, den wir weiter ausbauen wollen“, gibt Baretzki die Richtung für weiteres Wachstum vor.

Dabei setzt der gebürtige Pariser, der einen Abschluss der Elite-Wirtschaftshochschule HEC hat, auf das sogenannte Highend-Segment. In Kürze etwa hat er zahlungskräftige Top-Kunden zu einem Treffen nach Singapur eingeladen, um ihnen neue und besondere Produkt-Innovationen vorzustellen. Über Namen schweigt er. Nur so viel: „Es sind auch viele Deutsche darunter.“

Unternehmen konnte Umsatz 2016 steigern

Wichtigstes Investitionsvorhaben ist jedoch die Modernisierung des Filialnetzes mit weltweit 275 Boutiquen, die neben den E-Commerce-Kanälen der wichtigste Vertriebsweg sind. Der Start erfolgte im Dezember 2015 mit der Eröffnung des neuen Flagship-Stores am Neuen Wall, der eine Verkaufsfläche von 200 Quadratmetern hat.

„Unser Ziel ist es, weltweit das gleiche Image zu zeigen“, sagt Nicolas Baretzki. Klar ist, dass Montblanc künftig noch stärker auf neue Märkte, wie etwa in Indien abzielt. „Wir sind in der Regel die Ersten, die im Luxusgüter-Bereich präsent sind“, so der Firmenchef. Zuletzt hat das dem Unternehmen deutliche Umsatzzuwächse beschert. „Wir erwarten, dass das so weitergeht“, so Baretzki.

Uhren waren weniger gefragt

Damit setzt sich der Schreibgeräte-Hersteller vom Mutterkonzern Richemont ab, bei dem im vergangenen Geschäftsjahr Umsatz und Gewinn sanken. Besonders Uhren waren weniger gefragt. Im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 gingen die Umsätze auf rund 10,6 Milliarden Euro zurück.

Auf dem neuen Statthalter in Hamburg liegen hohe Erwartungen. Er hat sich, trotz der vielen Reisen in seinem Terminplan, vorgenommen, seinen neuen Karrierestandort kennenzulernen. „Hamburg vereint die Vorteile meiner beiden bisherigen Lieblingsstädte, Paris und Lausanne. Es ist eine Großstadt mit vielfältigem Kulturangebot und gleichzeitig grün und nicht so hektisch“, sagt Nicolas Baretzki. Ganz privat hat er noch einen ganz eigenen Plan. „Meine Frau und ich haben früher gerudert, damit wollen wir wieder anfangen.“ Jetzt muss er sich nur noch für einen Club entscheiden.