Krankenhäuser

Ver.di: Pflegekräfte haben kaum Zeit zur Händedesinfektion

Bei einem Feldversuch mit ordnungsgemäßer Hygiene war das Personal nach zwei Stunden im Verzug und konnte Patienten nicht versorgen.

Hamburg. Beschäftigte an zwei Hamburger Krankenhäusern haben heute gegen den Pflegenotstand protestiert. Unter dem Motto „Händedesinfektion? Klar, nur wann?“ beteiligten sich einige Stationen des Asklepioshäuser St. Georg und Altona an einem bundesweiten Aktionstag, zu dem die Gewerkschaft Ver.di aufgerufen hatte. Geplant war, dass sich das Personal ordnungsgemäß vor und nach jedem Patientenkontakt die Hände desinfiziert. Nach angaben des Robert-Koch-Instituts sind dafür 30 Sekunden nötig.

Beschäftigte konnten Patienten nicht versorgen

Zwei Stunden müssten bei diesem Procedere pro Schicht für die Handdesinfektion aufgewendet werden. Die Teilnehmer der Aktion, die um 6 Uhr begonnen hat, waren bereits um 8 Uhr eine halbe Stunde im Verzug. Sie brachen die Aktion daraufhin ab. „Die Beschäftigten hätten ihre Patienten sonst nicht ordentlich versorgen können“, sagt Dr. Arnold Rekittke von ver.di Hamburg. „Es ist bitter, dass für eine ordnungsgemäße Hygiene dabei keine Zeit ist. Mit noch so viel Einsatz kann nicht ausgeglichen werden, dass an allen Ecken und Enden Personal fehlt.“ Bundesweit müsste es nach einer Ver.di-Erhebung für eine sichere und gute Versorgung 162.000 Stellen in Krankenhäusern mehr geben, davon 70.000 Pflegefachkräfte. In Hamburg fehlen 4.200 Stellen.

Rekittke: „Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Gesundheit seiner Beschäftigten zu schützen. Es muss genug Personal zur Verfügung stehen, damit Patienten gesund und Pflegekräfte nicht selbst krank werden.“ Es müsse verbindliche Personalvorgaben per Gesetz geben, die für alle Krankenhausbereiche gelten. Die Bundesregierung habe Personaluntergrenzen bisher jedoch nur für sogenannte pflegesensitive Bereiche auf den Weg gebracht.