Hochbahn

HVV-Tickets bleiben trotz Rekordeinnahmen teuer

Digitalisierung wird weiter vorangetrieben. Platzampel-Test und fahrerlose U-Bahnen kommen. Flächendeckendes WLAN auch.

Hamburg.  Immer mehr Hamburger bewegen sich mit U-Bahnen und Bussen durch die Stadt – und lassen dafür den eigenen Pkw stehen: Zu dieser Einschätzung kommt jetzt der Vorstand der Hamburger Hochbahn AG, Henrik Falk, der am Montag gemeinsam mit Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) die Jahresbilanz des städtischen Unternehmens vorstellte.

Und tatsächlich konnten beide dabei einen neuen Fahrgastrekord präsentieren: Die Zahlen stiegen gegenüber dem Vorjahr um rund 1,5 Prozent auf 444,1 Millionen regis­trierte Fahrgäste – so viel wie nie zuvor bei der Hochbahn, die in der Stadt neben der bahneigenen S-Bahn der wesentliche Träger des öffentlichen Nahverkehrs ist.

Den Zuwachs führt Falk vor allem auf die U-Bahnen zurück. „Dort fahren immer mehr Menschen mit, die sich aussuchen könnten, ob sie den öffentlichen Nahverkehr oder das eigene Auto nutzen wollen“, sagte Falk.

HVV generiert Rekordeinnahmen

Die steigenden Fahrgastzahlen bescherten der Hochbahn im Bilanzjahr 2016 zugleich einen weiteren Rekord. „Das stärkt uns für unsere Vorhaben“, sagte Horch. Der Kostendeckungsgrad stieg erstmalig über 90 Prozent auf 91,6 Prozent.

Dazu muss man wissen, dass kein kommunales Verkehrsunternehmen ohne staatliche Zuschüsse auskommt. In Hamburg klaffte bei der Hochbahn beispielsweise trotzdem noch eine Finanzlücke von 50,9 Millionen Euro, die durch Steuergelder ausgeglichen werden müssen. 2015 lag der Betrag aber noch bei 60,2 Millionen Euro.

Mit diesem Kostendeckungsgrad liegt die Hochbahn an der Spitze aller öffentlichen Verkehrsunternehmen in Deutschland und wohl auch in Europa. Von einem „erfreulichen, wirtschaftlichen Rekord“ spricht dann auch der Senator.

HVV-Tickets bleiben teuer

Trotz der Rekordeinnahmen sprachen sich er und auch der Hochbahnchef aber dagegen aus, im Gegenzug die Fahrkartenpreise zu senken. Die Einnahmen würden direkt wieder ins System investiert, um den Nahverkehr mit Busse und U-Bahnen besser, moderner und komfortabler gestalten zu können. Und nur das sei der Weg, um noch mehr Menschen für diese Art der Mobilität gewinnen zu können.

Tatsächlich hat die Hochbahn der Bilanz zufolge seit 2011 rund eine Milliarde Euro in neue Fahrzeuge, Haltestellen und Technik investiert. Auch in den nächsten Jahren sollen wie in den Jahren zuvor jährlich ein dreistelliger Millionenbetrag investiert werden:

Bundesweit größte Bestellung von E-Bussen: Langfristig sollen sämtliche rund 1000 Busse der Hochbahn schadstofffrei angetrieben werden, vor allem auf Elektro-Busse setzt die Hochbahn dabei und startet in diesem Sommer die Ausschreibung von 60 E-Bussen, die ab etwa 2019 zum Einsatz kommen können. Die Order gilt als größte Bestellung ihrer Art in Deutschland. Aber auch, weil es bisher noch keine serienreifen E-Busse am Markt gibt, wie es bei der Hochbahn heißt.

Gemeinsam mit anderen Städten hat Hamburg dazu bei den Herstellern aber einen Forderungskatalog aufgestellt. Gleichzeitig müssten Betriebshöfe für diese neuen Busse neu- oder umgebaut werden: 2018 etwa soll der Busbetriebshof Alsterdorf in Betrieb gehen, der Platz für 240 E-Busse bietet.

U-4-Verlängerung 2018 fertig: Ein Schwerpunkt der künftigen Investitionen liegt beim Ausbau der U-Bahn-Flotte und des U-Bahn-Netzes. Für die Verlängerung der U 4 zu den Elbbrücken werden etwa 180 Millionen Euro ausgegeben, etwas weniger sogar als ursprünglich kalkuliert. 2018 soll das Projekt abgeschlossen sein. Auch die Verlängerung der U 4 auf die Horner Geest und der Bau der U 5 als neue Ost-West-Verbindung schreiten planmäßig voran.

Platzampel-Test am Wandsbek Markt und fahrerlose U-Bahnen: Falk will in den nächsten Jahren auch die Digitalisierung der Hochbahn vorantreiben. Beispielsweise laufen die ersten Vorbereitungen für den Betrieb ganz neuer U-Bahn-Fahrzeuge, die automatisch ohne Fahrer rollen werden. Sie könnten etwa ab 2025 in Hamburg zu sehen sein.

Schneller ist die Hochbahn mit dem Ausbau des WLAN-Angebots: Bis Ende des Jahres bekommen die rund 1000 Busse WLAN. Bis Ende 2018 sollen alle U-Bahn-Haltestellen einen kostenlosen Internetzugang anbieten können. Und in diesem Sommer startet an der Haltestelle Wandsbek Markt erstmals ein Test für eine digitale „Platzampel“, die anzeigt, in welchen U-Bahn-Waggons noch Plätze frei sind – und wo nicht.