St. Pauli

Neue Nachbarn im Karoviertel – und neuer Ärger

Eine erste Skizze vom geplanten Neubau am Neuen Pferdemarkt. Im Hintergrund die Rindermarkthalle

Eine erste Skizze vom geplanten Neubau am Neuen Pferdemarkt. Im Hintergrund die Rindermarkthalle

Foto: Katharina Cordsen / coido

In dem fünfstöckigen Büro- und Geschäftshaus sollen kreative Kleinbetriebe unterkommen. Doch das Projekt hat einen großen Verlierer.

Hamburg.  Die Rindermarkthalle bekommt einen neuen Nachbarn. Am Neuen Pferdemarkt, Ecke Neuer Kamp, wo jetzt noch zwei backsteinerne Flachbauten stehen, soll bis 2020 ein fünfstöckiges Büro- und Geschäftshaus entstehen. Hinter dem Projekt mit dem Namen „Built in St. Pauli“ steckt eine Baugemeinschaft aus vier Unternehmen, die vier der fünf Etagen selbst nutzen wollen: die Hamburg Team Gesellschaft für Projektentwicklung, die Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft (Steg), die Argus Stadt- und Verkehrsplanung sowie die Pahnke Markenmacherei. Ihnen soll das Grundstück per Erbbaurecht von der städtischen Sprinkenhof-Gesellschaft übertragen werden. Der Baubeginn ist für Ende 2018 geplant.

Im Erdgeschoss sollen „Gründer, Einrichtungen mit einem starken Stadtteilbezug und Gewerbe“ die Möglichkeit bekommen, „ihre Ideen zu realisieren“. „Wir sind seit 20 Jahren im Stadtteil verankert“, sagt Steg-Prokurist Kurt Reinken, „uns liegt daran, dass sich die Marke St. Pauli in diesem Objekt wiederfindet.“ Man wolle inhabergeführten, kreativen Betrieben eine Chance geben, in dem Stadtteil Fuß zu fassen, am liebsten Handwerkern oder kleinen Manufakturen. Und das zu einem erschwinglichen Mietpreis von höchstens 15 Euro pro Quadratmeter.

Verlust im sechsstelligen Bereich droht

Doch das Projekt könnte einen großen Verlierer haben: das Maharaja. Das indisch-ayurvedische Restaurant ist erst im November in dem nördlichen Flachbau eingezogen. Den Mietvertrag mit einer jetzt noch achtjährigen Laufzeit hatte es vom etablierten Vorgängerlokal Feuerstein übernommen. Allerdings hat sich die Sprinkenhof bei der Neuvermietung das Sonderrecht vorbehalten, den Vertrag mit einer Frist von sechs Monaten zu kündigen.

„Wären mir die Neubaupläne bekannt gewesen, hätten wir das nicht gemacht“, sagt Maharaja-Inhaberin Kathrin Guthmann. Sie hatte für die Übernahme des Vertrags eine Abstandszahlung in Höhe von „mehreren Hunderttausend Euro“ an den Feuerstein-Betreiber geleistet. Eine Investition, die sich innerhalb weniger Jahre unmöglich wieder einspielen lasse. Zumal das Maharaja seinen angestammten Standort in der Detlev-Bremer-Straße voraussichtlich im kommenden Jahr ebenfalls räumen muss. Guthmann: „Ich kann nur hoffen, dass sich dieses Projekt noch sehr lange hinzieht.“ Kampflos wolle sie ihren „sehr gut bewährten Standort“ jedenfalls nicht aufgeben.

Im Neubau ist für Gastronomie kein Platz

Dass das Lokal in dem Neubau unterkommt, wäre für die Gastronomin „eine vernünftige Option“. Die Baugemeinschaft hat allerdings andere Pläne. Reinken: „Ein Restaurant würde schlecht in unser Konzept passen, an gastronomischen Angeboten herrscht in der Gegend kein Mangel.“ Für die Nöte des Lokals fühle sich die Baugemeinschaft nicht verantwortlich: „Wir haben unsere Pläne bereits 2015 öffentlich gemacht.“ Für eine Kfz-Werkstatt sowie ein Tonstudio, die in dem südlichen der beiden Flachbauten untergebracht sind, wolle man sich aber um eine Lösung bemühen.

Vorschläge für die Nutzung der Geschäftsflächen können noch bis 3. März online auf der Dialogplattform www.wepolitics.de/builtinstpauli eingebracht werden oder auch persönlich an diesem Freitag (15 bis 19 Uhr) sowie Sonnabend (10 bis 16 Uhr) an einem Infostand in der Rindermarkthalle.