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Abendblatt-Test: Der Kaffeefilter ohne Papier

Christian J. Justus ist beim Hamburger Filter-Hersteller
Riensch & Held für die Produktinnovationen bei der Marke Finum zuständig

Christian J. Justus ist beim Hamburger Filter-Hersteller Riensch & Held für die Produktinnovationen bei der Marke Finum zuständig

Foto: Mark Sandten / HA

Firmen aus der Metropolregion Hamburg bringen viele Innovationen auf den Markt. Heute: Der Coffee Sprinter.

Hamburg. Christian J. Justus hat Sinn für feinen Geschmack. Das ist nicht ganz unwichtig, wenn man die Entwicklung des Familienunternehmens Riensch & Held verstehen will. Eigentlich stellt es Filter her, für Dunstabzugshauben, Drucker oder Lungenfunktionsgeräte. Darin ist der Hamburger Betrieb richtig gut, in einigen Bereichen sogar Weltmarktführer. Aber das wissen nur wenige. Deutlich bekannter sind da schon die Teefiltertüten, die die Firma produziert und weltweit verkauft. Um sie herum und unter dem Dach der Marke Finum hat Justus in den vergangenen Jahren eine neue Produktlinie für die Zubereitung von Tee und Kaffee entwickelt.

Der besondere Dreh

„Ich habe das genutzt, was wir können“, sagt der 55-Jährige. Stichwort: Filter. Justus, selbst passionierter Teetrinker, zeigt auf eine Glaskanne mit integriertem Filter, die auf seinem Schreibtisch am Firmensitz in einem Industriegebiet in Allermöhe steht. Die Flüssigkeit darin hat eine satte Bernsteinfarbe. „Das Besondere ist, dass der Tee nicht weiterzieht und nachbittert“, sagt der Firmenchef und nimmt genießerisch einen Schluck. Ohne Frage, der Mann ist überzeugt. Dahinter steckt ein Filtersystem mit einem Mechanismus, das die aufgebrühten Teeblätter in einen abgeschlossen Teil schiebt. Mit dem besonderen Dreh sozusagen. Tea Control nannte er das Patent, das zur Keimzelle der Marke Finum wurde.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich das Unternehmen quasi neu erfindet. Gegründet hatten es 1845 die Hamburger Kaufleute Adolf Riensch und Heinrich Held als Handelshaus mit diversen Niederlassungen in Lateinamerika und ausgeprägten Geschäftsbeziehungen nach Mexiko und Kolumbien. Ende des 19. Jahrhunderts war Justus’ Urgroßvater in die Firma eingestiegen und übernahm sie kurz darauf.

Zunehmende Spezialisierung auf Filtersysteme

Als der Handel nach Übersee in den 1960er-Jahren schlechter lief, setzte die Familie auf den Handel mit Maschinen und Anlagen für die Lebensmittelwirtschaft im europäischen Markt, mit zunehmender Spezialisierung auf Filtersysteme. „Das machen wir bis heute“, sagt Christian J. Justus, der die Firma gemeinsam mit seinem Cousin Per J. Justus und Horst U. von Ludowig in vierter Generation führt. Vor knapp 20 Jahren hatte sich der Betriebswirt in den väterlichen Betrieb eingekauft. Schnell sei ihm klar geworden, dass „wir uns nur behaupten können, wenn wir anders sind“. Deshalb ist er zum Erfinder geworden, oder zum „Not-Erfinder“, wie er es nennt. Inzwischen gehören zum Finum-Sortiment eine Serie von doppelwandigen Teegläsern mit einsetzbaren Filtern, es gibt Reisebecher, Gewürzmühlen und die Handkaffeemühle Bean me up.

Internationale Designpreise

Schon mehrfach wurden Finum-Produkte mit internationalen Designpreisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Reddot-Design-Award und dem Good Design Award. Gerade auf den Markt gekommen ist der Eintassen-Dauerfilter Coffee Sprinter, der durch reguliert langsamen Wasserdurchfluss für besonderen Kaffeegeschmack sorgen soll. Ein Filter für die Tasse Kaffee am Morgen oder im Büro, ohne Verpackungsmüll, erhältlich ist er derzeit über finum.com oder solvino.com und kostet 15,95 Euro. Ab Ende Februar soll er auch im Fachhandel verkauft werden.

Im Werk in Allermöhe beschäftigt Riensch & Held heute 100 Mitarbeiter. Jeannette Dettmer steht an einer Spritzgussmaschine und schweißt Teefilter zusammen. „Etwa 1000 Stück“, sagt sie, schaffe sie am Tag. Neben den Finum-Filtern und -Haushaltsgeräten werden in hochautomatisierten Ar­beitsabläufen Feinstaub- und Wasserfilter für Geräte in Haushalt und Büro sowie Raumluftfilter für Geräte in Haushalt und Industrie gefertigt.

„Besonders aromatisch und sehr bekömmlich“

Das Geschäft laufe gut, sagt der Hamburger mit kolumbianischen Wurzeln, der seit 2011 Honorkonsul des Landes ist. Die Kunden sitzen in der ganzen Welt, die direkte Exportquote beträgt 50 Prozent. In den USA wurde 2016 die Tochtergesellschaft Finum North America Corp. gegründet. Wichtige Märkte neben Europa sind China, Südkorea und Japan. Laut Justus macht das Unternehmen etwa 20 Millionen Euro Jahresumsatz. „Das Wachstum lag 2016 bei zehn Prozent“, sagt er. Das werde auch 2017 angestrebt.

In den nächsten Wochen kommt das nächste Finum-Produkt auf den Markt: Hinter dem Namen „Bloom and Flow“ steckt eine Glaskaraffe mit einem besonders designten Spitzfilter. „Wenn der Kaffee da durchläuft, schmeckt er besonders aromatisch und ist sehr bekömmlich“, sagt Justus.

Coffee Sprinter im Test – einfach in die Spülmaschine

Design: Auf den ersten Blick kommt der Coffee Sprinter etwas altbacken daher: Die drei Teile, aus denen sich der Dauerfilter zusammensetzt, bestehen aus braunem Kunststoff. Der Wasserverteiler hat ein feines Edelstahlgewebe. Was an Design fehlt, macht die Praktikabilität wett: Das zehn Zentimenter hohe Gerät passt auf handelsübliche Tassengrößen und lässt sich gut und schnell reinigen, auch in der Spülmaschine.

Zubereitung: Die Handhabung ist auf der Verpackung mit Fotos gut dargestellt, daneben findet sich eine Schrittfür- Schritt-Erklärung in sechs Sprachen. Sie enthält genaue Zeit- und Mengenangaben. Es ist sinnvoll, diese zu lesen und befolgen. Denn: Wichtig für die Entwicklung des Aromas sind die ersten 20 Sekunden, in denen der Kaffee mit wenig heißem Wasser quellen kann. Erst danach gießt man die komplette Becherfüllmenge im Wasserverteiler auf. Der gesamte Prozess dauert weniger als eine Minute. Der benutzte Filter kann auf dem Deckel abgestellt werden, der so zur Abtropfschale wird.

Geschmack: Der Kaffee ist immer noch heiß, wenn er durchgelaufen ist. Geschmacklich ist er milder und aromatischer als jener aus der Kaffeemaschine. Allerdings braucht man pro Tasse etwa zwei gestrichene Esslöffel Kaffeepulver. Positiv: Das Filtergewebe ist fein, deshalb bildet sich kaum Kaffeesatz.

Fazit: Der Coffee Sprinter ist geeignet, wenn man sich schnell eine Tasse Kaffee aufbrühen möchte, etwa am Arbeitsplatz. Der Filter ist spülmaschinenfest, es entsteht kein Müll. Mit 15,95 Euro bleibt der Preis im Rahmen. Abendblatt- Urteil: Vier von fünf Sternen.

Nächster Test Dienstag im Wirtschaftsteil. Lesen Sie am 7. Februar: Tapas zum Selbermachen. Die bisher erschienen Tests lesen Sie online unter: www.abendblatt.de/testserie