Serie

Der Abendblatt-Test: Smoothie fürs Brot

Negin Pakravesh
mit ihrem Fruchtaufstrich
Smuus

Negin Pakravesh mit ihrem Fruchtaufstrich Smuus

Foto: Klaus Bodig / HA

Firmen aus der Metropolregion Hamburg bringen viele Innovationen auf den Markt. Heute: Der Fruchtaufstrich Smuus.

Hamburg. Normalerweise hat Negin Pakravesh bei der Arbeit einen weißen Kittel an. Die Hamburgerin ist Ärztin – mit Schwerpunkt Dermatologie. In jüngster Zeit trägt die 33-Jährige allerdings häufiger eine Küchenschürze. Das Behandlungsbesteck tauscht sie gegen den Kochlöffel, und statt mit Versicherungsabrechnungen beschäftigt sie sich mit Businessplanung und Warenwirtschaft. Das hat mit ihrer Leidenschaft für kulinarische Experimente zu tun. Vor einiger Zeit hat sie dabei einen Brotaufstrich kreiert. „Erst war das nur eine Idee“, sagt Pakravesh. Inzwischen ist Smuus ein Produkt, die Gläser stehen in den ersten Supermarktregalen.

Smuus im Test – Wie viel Zucker ist da eigentlich drin?

„Ich nutze beim Kochen gerne Früchte – und süße Sachen können auch ein bisschen scharf sein“, sagt die kreative Ärztin mit persischen Wurzeln. Wie sonst würde man auf die Idee kommen, Erdbeere mit Tomate und Ingwer zu mischen. Oder Mango, Karotte und Melisse. Sechs Varianten des fruchtigen Aufstrichs hat sie entwickelt. „Es ist weder Marmelade noch Chutney oder Dip. Es hat von allem etwas“, sagt Negin Pakravesh. „Eben ein Smoothie für’s Brot.“

Neues Produkt auf übersättigtem Markt

„Der Slogan ist nicht von mir“, sagt die junge Medizinerin und lacht. Sie sitzt an einem langen Tisch in der Kreativagentur Mayd in der HafenCity. Dass aus dem Kochexperiment in der heimischen Küche der Grundstein für ein Start-up wurde, hat auch mit ihrer Familie zu tun. Ihre Geschwister, beide in der Werbebranche, sind Geschäftsführer von Mayd und haben die jüngere Schwester unterstützt.

Beim Überlegen, was das Besondere an dem Aufstrich ist, kam ihr Bruder Bahador auf den Vergleich, der heute der Smuus-Slogan ist. „Es geht darum, eine Produktneuheit auf einem übersättigten Markt zu platzieren“, sagt der Stratege und Texter.

Mit Erdbeermarmelade angefangen

Aber der Reihe nach. Eigentlich war Negin Pakravesh nur auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk, als sie ihren ersten Fruchtaufstrich zusammenrührte. Die Medizinerin arbeitete damals im Städtischen Krankenhaus in Lüneburg, stand kurz vor ihrem zweiten Staatsexamen.

Etwas Selbstgemachtes wollte sie verschenken, nichts mit Schokolade. „Ich habe mit einer Erdbeermarmelade angefangen, die habe ich dann mit Ingwer aufgepeppt“, erzählt sie über die Geburtsstunde von Smuus. Und weil im Kühlschrank noch ein paar Tomaten waren, habe sie kurzerhand auch die noch verwendet. Das Ergebnis: „Der Beschenkte war begeistert.“ Und riet ihr, mehr daraus zu machen.

Nur hochwertige Zutaten

„Ich dachte immer, dass ich die am wenigsten Kreative von uns Geschwistern bin“, sagt Negin Pakravesh. Aber in der Küche läuft ihr niemand aus der Familie so schnell den Rang ab. Neben Vollzeit-Jobs an Kliniken in Hamburg und Hannover mit Diensten in der Nacht und am Wochenende entwickelte sie ihr Produkt weiter.

Verarbeitet werden nur hochwertige Zutaten. „Viel Frucht, wenig Zucker.“ Ihre Schwester Behnaz übernahm das Design des Glases: klar und puristisch. Seit einiger Zeit wird der Fruchtaufstrich bei einem Hersteller in Bremen produziert. „Aber ich bin immer dabei, damit ich sicher sein kann, dass alles nach meinen Vorstellungen läuft“, sagt Pakravesh.

„Exklusiv, aber noch erschwinglich“

Ein Glas kostet 3,49 Euro. „Es soll exklusiv sein, aber noch erschwinglich“, sagt die Gründerin, die ihr Unternehmen komplett selbst finanziert hat. Um Medizin und Unternehmertum unter einen Hut zu bekommen, arbeitet Pakravesh jetzt Teilzeit in einer Hautarzt-Praxis. Außerdem unterrichtet sie an einer Heilpraktikerschule.

Inzwischen ist sie sicher, dass sie mit Smuus eine Marktlücke entdeckt hat. „Man kann damit kochen, Salatdressings machen oder Cocktails verfeinern.“ Auch die Familie ist überzeugt. „Man spürt den Geist der Experimentierfreudigkeit“, sagt ihr Bruder Bahador. In 50 Edeka-Märkten in Hamburg und Umgebung gibt es den Fruchtaufstrich inzwischen, unter anderem in den Filialen von Niemerszein und Meyer. „Die Resonanz ist positiv“, sagt die Jung-Unternehmerin.

Auch in ausgewählten Famila-Märkten ist ihr Fruchtaufstrich bald zu haben. „Die meisten Diskussionen gibt es immer darüber, wo Smuus im Laden stehen soll“, sagt Negin Pakravesh. In der Obst- und Gemüseabteilung, im Marmeladenregal – oder einfach für sich.

Nächster Test
Ab jetzt jeden Dienstag im Wirtschaftsteil. Lesen Sie am 24.
Januar: Wie gut ist „Die Hoppe“, die Apfelsaftschorle mit Hopfen?


Die Redaktion freut sich über Tipps, welche neuen Produkte und Services von Unternehmen aus der Metropolregion Hamburg sie testen sollte. Schreiben Sie an: wirtschaft@abendblatt.de