Wirtschaft

Erste Apfelschorle mit Hopfen – der Abendblatt-Test

Natalie Richter von der Firma Leev mit dem Getränk Hoppe

Natalie Richter von der Firma Leev mit dem Getränk Hoppe

Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Firmen der Region produzieren viele Innovationen. Wir erzählen die Geschichte dahinter – und prüfen, wie gut sie sind. Heute: „Hoppe“.

Hamburg. Hoppla! Man könnte ja meinen, bei jemandem, der Apfelsaft und Hopfen mit Sprudelwasser zu einem alkoholfreien Getränk zusammenmixt, sei Hopfen und Malz verloren. Doch von wegen! Die Idee von Natalie Richter, 31, zwei wohlbekannte Zutaten miteinander zu kombinieren, hat im Handel und bei Verbrauchern offenbar gefruchtet. Die Gründerin des Hamburger Getränke-Labels leev, dessen Markenzeichen bisher sortenreine Apfelsäfte waren, hat mit „die Hoppe“ ein neues Produkt kreiert.

Kein Bier, keine Limo, sondern einen Softdrink für Erwachsene. So beschreibt Natalie Richter selbst die neue Hopfkultur aus der Schanze. Für die Hoppe haben die leev-Macher den Saft von Boskop und von Holsteiner Cox mit dem in der Craftbier-Szene beliebten Cascade Hopfen kombiniert und mit Sprudel aufgefüllt.

Drei Sorten im Angebot

Nun gibt es sogar schon Anfragen aus Österreich. Dabei ist die Hoppe erst vor einigen Wochen auf den Markt gekommen – ziemlich genau zwei Jahre, nachdem das Unternehmen die erste Kiste seiner sortenreinen Apfelsäfte verkauft hat. Mit Elstar, Boskop und Holsteiner Cox gibt es derzeit drei Sorten. Natalie Richter und ihre Co-Gründer Joachim Holst und Christina Nissen haben damit den Geschmack getroffen – und ihre Umsatzzahlen nahezu verdoppelt. Derzeit setzen sie etwa 10.000 Flaschen Apfelsaft pro Monat ab. Ein Drittel davon sind 0,7-Liter-Flaschen.

Nachdem sich leev in der Gastro-Szene einen Namen gemacht hatte, machte sich das Gründer-Trio Gedanken, was in der Szene noch gut ankommen könnte. Eine Johannisbeer-Schorle? Irgendwas mit Holunder? Rhabarber? Ideen wurden diskutiert und verworfen. Weil sie dem eigenen Anspruch nicht gerecht wurden. Weil sie nicht neu waren. Nicht einzigartig. Nicht überraschend.

So wie Apfelsaft mit Hopfen. Der Impuls dafür kam von dem Sohn des leev-Mitgründers und Mosters Joachim Holst. Während seines Brauwesen-Studiums beschäftigte sich Johannes Pöhlig mit verschiedenen Hopfensorten – und kam auf die Idee, sie mit Apfelsaft zu kombinieren. Wer sagt denn, dass Hopfen nur ins Bier darf?

Saft ohne Zuckerzusatz

Die leev-Crew war vom Prototyp so begeistert, dass sie sich an die Entwicklung eines neuen Getränks machte. Ausgerüstet mit einem Wassersprudler, den drei eigenen sortenreinen Säften und 15 Hopfensorten testeten sie sich durch viele verschiedene Versionen – bis sich die Hoppe herauskristallisierte. „Ein fruchtiger Apfelsaft, der eine leicht herbe Hopfen-Note hat – ohne, dass man dabei an Bier denkt“, sagt Natalie Richter und betont, dass die Hoppe ohne Zuckerzusatz und Prozente ist. „Ein anspruchsvoller Softdrink für den ausgewachsenen Durst.“

Bereits einen Tag nach der Markteinführung habe es Anfragen aus Köln und Karlsruhe – also von weit außerhalb des sonstigen Verbreitungsgebietes von leev in Norddeutschland – nach der gehopften Apfelschorle gegeben. Erfreulicher Nebeneffekt: „Durch die Hoppe sind viele erst auf unseren Apfelsaft aufmerksam geworden – und bestellen ihn gleich mit“, sagt Natalie Richter. Gepresst wird in Hollern-Twielenfleth im Alten Land – von Oktober bis Mai.

Für den Rest des Jahres werden Vorräte angelegt, weil es in dieser Zeit nicht genügend Äpfel aus der Region gibt, um daraus guten Saft herzustellen. Derzeit gibt es die Hoppe in Hamburg in Restaurants und Kneipen wie Ottos Burger, Knust, Jills Pizzeria oder Mr. Ape sowie bei Edeka Heitmann in Altona, Edeka Struve in Eppendorf (Lokstedter Weg) oder bei Edeka Gillert in Wandsbek.

Schutz der Bienen

Natalie Richter will leev weiter ausbauen und zu einer Marke machen, die bekannt ist für außergewöhnliche Geschmackserlebnisse. Bei Getränken, aber auch bei Marmeladen oder Honig. Schon jetzt investiert leev von jeder verkauften Flasche Apfelsaft zwei Cent in regionale Projekte zum Schutz der Bienen. Ein eigener Honig wäre da also ein logischer Schritt, oder? Natalie Richter lacht, sie will nicht mehr verraten. Nur so viel: leev will nicht nur alkoholfreie Getränke machen. Denkbar sei auch mal ein Drink mit Prozenten. Klingt nicht so, als ob bei leev Hopfen und Malz verloren ist.

„Die Hoppe“ im Test – leicht herbe Note im Abgang

Geschmack/Konsistenz: Wow, „die Hoppe“ ist ein Apfelsaft mit Kick. Eine Mischung aus fruchtig und herb, Schorle und Alsterwasser. Zuerst schmeckt man den gewohnt guten Apfelsaft von leev, im Abgang eine leicht herbe Note. Nach Meinung einiger Kollegen könnte diese zwar ruhig etwas kräftiger ausfallen, die meisten Tester fanden den Geschmack aber genau richtig. „die Hoppe“ ist kein süßes Zuckerwasser und kein mittelherbes Bier, sondern eine Mischung aus beidem. Nur irgendwie besser.
Preis-Leistungs-Verhältnis: Im Einzelhandel kostet die 0,3-Liter-Flasche 1,39 Euro, in der Gastronomie 2,80 oder 2,90 Euro. Wir finden: Ein angemessener Preis dafür, dass bei leev nur Tafeläpfel verwendet werden, die aus der Region kommen.

Nährwertangaben:
31 Kalorien pro 100 Milliliter. Damit liegt „die Hoppe“ zwar weit unter den meisten Weinen (zwischen 60 und 80 kcal pro 100 ml) sowie Bier und Softgetränken (circa 40 kcal), aber deutlich über Light-Getränken. Aus diesem Grund ist die Hopfen-Apfelschorle leider nichts, um sie literweise zu trinken (auch wenn man das vom Geschmack her gut könnte), sondern eher ein besonderer Tropfen für besondere Momente.

Fazit:
Unbedingt probieren! „Die Hoppe“ ist eine großartige Alternative für alle, die mal etwas anderes, etwas Besonderes trinken wollen. Denen Säfte zu süß, Schorlen zu fad und Softdrinks zu gewöhnlich sind. Die Abwechslung suchen, aber nichts übermäßig Außergewöhnliches wollen. Die Bekanntes neu erleben möchten. Tipp: Unbedingt kalt genießen – egal, ob aus dem Glas oder direkt aus der Flasche. Das Abendblatt-Urteil: Fünf von fünf Sternen.

Nächster Test
Jeden Dienstag im Wirtschaftsteil. Lesen Sie am 31. Januar: Coffeesprinter, der etwas andere Filter.


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