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Silvester in Hamburg: turbulent, aber weitgehend friedlich

| Lesedauer: 7 Minuten

Die Polizei rückte in der Silvesternacht zu 950, die Feuerwehr zu mehr als 1000 Einsätzen aus. 12 Anzeigen wegen sexueller Übergriffe.

Hamburg. Zahlreiche Einsätze haben die Hamburger Polizei und Feuerwehr in der Silvesternacht in Atem gehalten. „Das war eine sehr unruhige Nacht“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am frühen Sonntagmorgen mit Blick auf das Vorjahr. Insgesamt rückte die Hamburger Feuerwehr zwischen 18 Uhr und 6 Uhr zu 1091 Einsätzen aus, darunter mehr als 800 Rettungsdiensteinsätze.

Auch die Zahl der Brände hat sich im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöht. Demnach musste die Feuerwehr zu mehr als 270 Bränden ausrücken. Beim Jahreswechsel 2015/2016 waren es noch 250 gewesen. Die meisten Einsätze verzeichneten die Einsatzkräfte zwischen Mitternacht und 2 Uhr am Morgen.

Frauen am Po und im Intimbereich berührt

Auch die Hamburger Polizei vermeldete mit rund 950 Einsätzen eine ereignisreiche Nacht. Insgesamt waren in der Silvesternacht rund 530 Beamte im Einsatz, die meisten davon rund um die Reeperbahn. Dort zählte die Polizei in der Spitze bis 45.000 Besucher. Rund 10.000 Besucher hätten sich zwischenzeitlich auch an den Landungsbrücken aufgehalten. Am Jungfernstieg zählte die Polizei bis zu 4000 Besucher.

Insgesamt registrierte die Polizei für diese Bereiche nach derzeitigem Stand rund 100 Strafanzeigen. Zudem habe man gegen 75 Personen Platzverweise erteilt und gegen 57 Personen Aufenthaltsverbote ausgesprochen, so Timo Zill, Sprecher der Polizei Hamburg, am Sonntag. 27 Personen seien in der Silvesternacht in Gewahrsam genommen worden. Zwölf Menschen wurden vorläufig festgenommen. Dabei sei es vor allem um Körperverletzungs- und Diebstahlsdelikte gegangen. Jedoch wurden nach Angaben der Polizei auch 14 Strafanzeigen wegen Beleidigung auf sexueller Basis aufgenommen.

Nach derzeitigem Stand wurden die betroffenen Frauen offenbar am Po und im Intimbereich unsittlich berührt. Zehn Tatverdächtige seien ermittelt worden, so Polizeisprecher Timo Zill weiter. Dabei soll es sich nach Abendblatt-Informationen um drei Syrer, drei Iraker, zwei Afghanen, einen Mann aus Eritrea und einen Deutschen handeln. Von weiteren Übergriffen in der Silvesternacht ist bislang nicht bekannt.

Polizei sperrt zeitweise die Große Freiheit

Im Bereich des Jungfernstiegs und an der Großen Freiheit auf St. Pauli gingen die Beamten in der Nacht offensiv gegen erkannte Störer vor, darunter seien überwiegend Personen mit Migrationshintergrund gewesen, so die Polizei. Die Einsatzkräfte hätten zahlreiche Platzverweise und Aufenthaltsverbote erteilt. Zudem wurde die Große Freiheit insgesamt dreimal für den Fußgängerverkehr gesperrt, um eine Überfüllung der Straße zu vermeiden.

Vorfälle wie im vergangenen Jahr seien dadurch "weitestgehend unterbunden" worden, hieß es. Im vergangenen Jahr waren in Hamburg und in anderen Städten zahlreiche Frauen Opfer von sexuellen Belästigungen geworden.

In Vorfeld hatte die Polizei ein neues Sicherheitskonzept für die Silvesternacht präsentiert. Dabei setzte sich auch auf eine verstärkte Präsenz durch zahlreich gut erkennbare Polizisten. Auf Twitter lobte eine Hamburgerin auch den Sicherheitsdienst in der S-Bahn: "Dank euch habe ich keine Angst auf dem Weg nach Hause."

Bundespolizei verzeichnet diverse Delikte

Für die Bundespolizei, die mit zusätzlich rund 120 Beamten im Einsatz war, lagen die Einsatzschwerpunkte am Hamburger Hauptbahnhof sowie den S-Bahnstationen Reeperbahn, Landungsbrücken und Jungfernstieg. Hier wurden unter anderem Personen überprüft und Platzverweise erteilt. Zusätzlich wurde zunächst am Hamburger Hauptbahnhof und später auch am S-Bahnhaltepunkt Landungsbrücken eine mobile Wache eingerichtet.

Die Bundespolizei Hamburg verzeichnete diverse Delikte in den Bereichen Körperverletzung, Taschendiebstahl, Verstoß gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Straftaten aufgrund von sexuellen Belästigungen/Beleidigungen wurden im bahnpolizeilichen Bereich bislang nicht zur Anzeige gebracht.

14-Jährige stürzt von Hausdach

Viel zu tun gab es in der Silvesternacht auch für die Einsatzkräfte der Hamburger Feuerwehr. Besonders schwer traf es einen 25-Jährigen, dessen linke Hand bei einem Unfall durch die Explosion eines Feuerwerkskörpers in Hamburg-Bramfeld schwer verletzt wurde. Der junge Mann verlor dabei Teile aller fünf Finger.

An der Lutterothstraße in Eimsbüttel stürzte eine 14-Jährige um kurz nach Mitternacht aus noch ungeklärter Ursache von einem Dach. „Wir vermuten, dass sie vom Dach aus das Silvesterfeuerwerk anschauen wollte und dabei das Gleichgewicht verloren hat“, sagte ein Polizeisprecher. „Über die Fallhöhe gibt es noch unterschiedliche Angaben. Es sollen zwischen zehn und fünfzehn Metern gewesen sein“. Das Mädchen kam schwer verletzt in ein Krankenhaus. Lebensgefahr bestand nicht.

Tödlich verletzt wurde in der vergangenen Nacht ein 25 Jahre alter Mann, der in Hohenfelde von einem Auto erfasst worden war. Der Mann habe versucht, eine sechsspurige Fahrbahn zu überqueren, teilte ein Sprecher der Hamburger Polizei mit. Dabei fuhr ihn ein gerade gestartetes Auto an. Durch die Wucht des Aufpralls erlitt der 25-Jährige schwere Kopfverletzungen. Er wurde zur Behandlung in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht, wo er wenig später verstarb.

Feuerwehrmann durch Stromschlag verletzt

Zudem wurden in der Nacht mehrere Menschen bei Häuserbränden durch Rauchgasentwicklung verletzt. So mussten die Einsatzkräfte der Feuerwehr acht Personen aus einem Mehrfamilienhaus in Altengamme retten, nachdem das vor dem Haus stehende Fahrzeug in Flammen aufgegangen war und der Brand sich bis auf das Grundstück ausgebreitet hatte. Vier Bewohner, darunter drei Kinder, mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

In Harburg erlitten sechs Personen in Folge eines Kellerbrandes leichte Rauchgasvergiftungen. Im Stadtteil Steilshoop zog sich ein Feuerwehrmann bei den Löscharbeiten nach einem Balkonbrand einen Stromschlag zu. Er musste ambulant im Krankenhaus behandelt werden. Bei einem zweiten Brand in unmittelbarer Nähe wurden drei Hausbewohner leicht verletzt.

Auch in Wilhelmsburg kamen drei Menschen bei einem Wohnungsbrand in einem elfgeschossigen Mehrfamilienhaus durch Rauchgas zu Schaden. In Rahlstedt mussten Einsatzkräfte am frühen Sonntagmorgen zudem eine Frau und ein Kind aus einer stark verqualmten Wohnung retten, nachdem auf dem Balkon der Wohnung mehrere Gegenstände in Brand geraten waren. Beide kamen in ein Krankenhaus.

Stadtreinigung rechnet mit 20 Tonnen Böllermüll

Seit Mitternacht sind bis zu 100 Mitarbeiter der Stadtreinigung im Einsatz, um zunächst die besonders beliebten öffentlichen Silvestertreffpunkte von Müll zu befreien. Mit rund 35 Fahrzeugen reinigen sie noch bis zum Nachmittag die Gehwege und Fahrbahnen an den Landungsbrücken, am Fischmarkt, auf der Reeperbahn, auf dem Rathausmarkt sowie rund um die Außen- und Binnenalster. Auch in den Fußgängerzonen von Altona, Harburg und Bergedorf wird der Silvestermüll heute entfernt. Die Stadtreinigung wird einem Sprecher zufolge allein am heutigen Neujahrstag voraussichtlich bis zu 20 Tonnen Böllermüll einsammeln.

Die Silvesternacht in Norddeutschland verlief laut den Polizeidienststellen verhältnismäßig ruhig. Allerdings gab es Verletzte in Hannover und Bremen, wo auch Menschen teilweise offenbar absichtlich mit Silvesterraketen beschossen wurden.

( dpa/dsa/crh/let )

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