Verkehr

Baustellen-Beauftragte und Software gegen das Stau-Chaos

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Oliver Schirg
Die Mega-Baustelle an der Autobahn A7 in Höhe Hamburg-Schnelsen

Die Mega-Baustelle an der Autobahn A7 in Höhe Hamburg-Schnelsen

Foto: Markus Scholz / dpa

Carsten Butenschön und Christian Merl sind die neuen Verkehrskoordinatoren. Bringen sie das Milliarden-Projekt Autobahn A7 voran?

Hamburg. Am zweiten Septemberwochenende ging auf den Autobahnen rund um Hamburg nichts mehr. Hunderte Autofahrer standen stundenlang im Stau. Hinzu kamen ungewöhnlich hohe Temperaturen, so dass mancher der Betroffenen sogar den Notruf tätigte. Bei der Analyse des Wochenendes stellte sich heraus, dass eine mangelnde Abstimmung zwischen Hamburg und einigen angrenzenden Landkreisen über die Einrichtung von Baustellen mit zu dem Verkehrschaos geführt hatte. Damit soll nun Schluss sein. Hamburgs Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) stellte am Mittwoch mit Carsten Butenschön und Christian Merl nicht nur das neue Verkehrskoordinatorenteam vor, sondern machte deutlich, dass die Hansestadt künftig auf eine bessere Abstimmung mit den Landkreisen an seinen Grenzen setzt, um ein Verkehrschaos zu vermeiden.

„Wir müssen über unsere Grenzen hinaus gehen und eng mit Niedersachsen sowie Schleswig-Holstein zusammenarbeiten.“ Im Kern geht es dabei darum, dass Planung und Einrichtung von Baustellen auf Autobahnen und Bundesfernstraßen untereinander abgestimmt werden. Helfen soll dabei die Software „Roads“, die innerhalb von Hamburg bereits im Einsatz ist. In dieser Software könne jede Baustelle, die in den kommenden Jahren geplant sei, eingetragen werden, sagte Butenschön. Zugleich hätten alle Beteiligten per Internet Zugriff auf die Daten und könnten sich so besprechen.

Hamburg übernimmt 80 Prozent der Kosten

Nach den Worten von Horch übernimmt Hamburg derzeit 80 Prozent der Kosten für Entwicklung und Betrieb der Software. Schleswig-Holstein sei mit 20 Prozent dabei. Den Landkreisen stelle man das System kostenlos zur Verfügung. Senator Horch räumte ein, dass es hier und da zwar unterschiedliche Interessen der Länder gebe, aber Hannover und Kiel nicht daran vorbeikämen, dass ein großer Teil der täglich rund 400.000 Pendler außerhalb Hamburgs wohnten. Hintergrund sind die laufenden und anstehenden Arbeiten an den Autobahnen rund um Hamburg.

Sanierung und Ausbau der A 7 vom nördlichen Ausgang des Elbtunnels bis zum Bordesholmer Dreieck sind bereits in vollem Gange, ebenso wie der Bau des Lärmschutztunnels in Schnelsen und die Erneuerung der Langenfelder Brücke in Stellingen.

Horch: Baustellen sind für Autofahrer eine Beeinträchtigung

In den kommenden Jahren sind auf Hamburger Gebiet der Bau weiterer Lärmschutztunnel, die Erneuerung der Hochbrücke Elbmarsch südlich des Elbtunnels und der Neubau der A 26 im Süden der Hansestadt geplant. „Jede bauliche Maßnahme ist für die Autofahrer eine Beeinträchtigung“, sagte Horch. „Das haben wir in den vergangenen Jahren wiederholt erlebt, und das wird in den kommenden Jahren auch so bleiben."

Um so wichtiger sei es, die Bauarbeiten und die damit verbundenen Sperrungen von Straßen untereinander abzusprechen. Zugleich verwies Horch auf die gute Zusammenarbeit mit Schleswig-Holstein in den vergangenen Jahren. Gerade hier habe sich gezeigt, was gute Absprachen bewirken könnten. In diesem Zusammenhang dankte Senator Horch ausdrücklich dem bisherigen Verkehrskoordinator Gerhard Fuchs, der auf eigenen Wunsch seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollte.

Schleswig-Holstein mit Baufortschritt auf der A7 zufrieden

Reinhard Meyer, Verkehrsminister von Schleswig-Holstein, äußerte sich gestern zufrieden mit dem Baufortschritt auf der A 7. „Die Bauabläufe sind gut in der Zeit“, sagte er in Kiel. Ein erster Bauabschnitt sei vor einigen Tagen freigegeben worden. In den kommenden Monaten würden weitere folgen. Planmäßig soll der Ausbau der A 7 von vier auf sechs Spuren Ende kommenden Jahres abgeschlossen werden. Das gesamte Projekt – die Erneuerung der A 7, die Erstellung des Lärmschutztunnels Schnelsen, Betrieb und Unterhalt der Autobahn bis zum 31. August 2044 – kostet rund 1,6 Milliarden Euro.

Das Besondere an dem Öffentlich-Privaten-Partnerschaft-Modell (ÖPP) besteht darin, dass Privatunternehmen im Auftrag des Bundes die A 7 nicht nur erneuern, sondern auch über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren betreiben und unterhalten müssen. Experten erhoffen sich dadurch eine höherer „Verfügbarkeit“ der Autobahn, da dem privaten Konsortium Strafzahlungen drohen, wenn die Autobahn nicht befahren werden kann.

Wirtschaftssenator Frank Horch zog eine erste positive Bilanz des ÖPP-Modells. „Am Ende kommt es darauf an, den Verkehr fließend zu halten.“ Abgesehen von Ausnahmen laufe der Verkehr, und mit dem Baufortschritt sei er ebenfalls zufrieden, sagte Horch. Zudem zeige das Projekt, dass über die Grenzen von Bundesländern hinweg eine Zusammenarbeit funktionieren könne. Im Übrigen glaube er nicht, dass ÖPP-Modelle am Ende für den Steuerzahler wirklich teurer würden.

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