Das "rote" Hamburg

Erster Bezirk beschließt eine eigene "Backstein-Verordnung"

Schumacher-Bauten in Hamm, die allerdings nach langem Streit abgerissen wurden

Schumacher-Bauten in Hamm, die allerdings nach langem Streit abgerissen wurden

Foto: Oliver Schirg

Mitte-Politiker wollen damit neue Wärmedämm-Fassaden aus Kunststoff verhindern, um typische Rotklinkerviertel zu erhalten.

Hamburg. Rote Backstein-Gebäude prägen weite Teile Hamburgs. Doch immer mehr dieser klassischen Fassaden sind in den vergangenen Jahren hinter vorgeklebten Wämedämmputzplatten aus Kunststoff verschwunden. Der Bezirk Mitte will diese Entwicklung nun stoppen.

Im Standplanungsausschuss der Bezirksversammlung wurde dazu jetzt die erste von drei geplanten städtebaulichen Erhaltungss-Satzungen beschlossen, die speziell die klassischen Mauerwerksfassaden aus Backstein schützen sollen. "Backstein-Verordung", so laut intern die Bezeichnung.

Regelung für Hamm und Horn

Die erste gilt für ein relativ kleines Gebiet im oberen Borgfelde zwischen Bahntrasse und Bürgerweise. Weitere sollen in den nächsten Wochen für Horn und Hamm folgen. Wobei gerade in Hamm-Nord viele Backsteinbauten aus den 1920er Jahren als architektonisch besonders wertvoll gelten. "Mit der Backsteinverordnung haben wir in den Gebieten endlich bei Abriss und Fassadengestaltung einen Fuß in der Tür", sagt der SPD-Politiker Tobias Piekatz.

Mit der Verordnung solle der typische Charakter der Rotklinkerviertel erhalten bleiben, ohne dass eine Weiterentwicklung verhindert werde. Einzelfälle sollen geprüft und auch Ausnahmen ermöglicht werden, Aber es gehe darum, dass Energie auch anders gespart werden könne, als nur mit den "pastellfarbenen Wärmedämmverbund-Fassaden". Etwa durch besser gedämmte Fenster, Dächer oder Kellerdecken. Man wolle eben ein "Stück Hamburger Architekturgeschichte" bewahren.