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Google sucht in Hamburg 300 neue Mitarbeiter

Ungewöhnlicher Arbeitsplatz: Zwei Mitarbeiter sitzen mit Laptops im Pool der Hamburger Google-Zentrale.
Hier entwickeln sie
kreative Ideen

Ungewöhnlicher Arbeitsplatz: Zwei Mitarbeiter sitzen mit Laptops im Pool der Hamburger Google-Zentrale. Hier entwickeln sie kreative Ideen

Foto: Roland Magunia / HA

Hamburger Deutschland-Zentrale des Internetkonzerns soll wachsen. Neue Büroräume sind für 800 Beschäftigte ausgelegt.

Hamburg. Wer gerne zwischen Schaumstoffwürfeln in einem Pool mit blauen Fliesen arbeitet, kann sich jetzt bei Google bewerben. In der Hansestadt, wo der US-Konzern neben einem Schwimmbad-Büro auch Räume wie Golfplätze oder Spielcasinos eingerichtet hat, bauen die Amerikaner ihre Niederlassung weiter aus. "In Hamburg arbeiten derzeit gut 500 Googler, die Gebäude-Kapazität von 800 Plätzen wollen wir in den nächsten Jahren nutzen und entsprechend einstellen", sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck dem Abendblatt.

Der Konzern sucht vornehmlich neue Marketing- und Vertriebsprofis. Sie sollen die Suchmaschine vermarkten. Hamburg steht in der Googlewelt für Gewinne, weil hier Verlage und Agenturen über Werbemilliarden entscheiden.

Expansion auch in München

Auch das Entwicklungszentrum in München mit ebenfalls 500 Beschäftigten soll weiter wachsen. Änderungen meldet der Konzern darüber hinaus für Berlin: Hier hat Google gerade den Umzug in ein neues, größeres Büro gegenüber der Museumsinsel bekannt gegeben. In der Hauptstadt arbeiten derzeit 75 Googler, wie die Mitarbeiter des Konzerns intern genannt werden. Mit seinem Berliner Büro nimmt Google unter anderem Einfluss auf die politischen Entscheidungen für die digitale Welt.

Einer der beliebtesten Arbeitgeber

Die Hamburger Räumlichkeiten von Google an der ABC-Straße in der Neustadt sind auf weiteren Zuwachs eingestellt – und sie gehören wohl zu den ungewöhnlichsten Orten, an denen Menschen ihrer Büroarbeit nachgehen können. In dem Schwimmbadraum schaffen blaue Fliesen, Startblöcke und weiche „Wasserwürfel“ die perfekte Illusion eines Pools, und doch wird hier konferiert oder telefoniert. Goo­gle gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der Welt, weil hier viel Wert auf eine Wohlfühlatmosphäre gelegt wird.

Das Unternehmen setzt an all seinen Standorten auf eine spektakuläre Büroarchitektur, in Hamburg gehören neben dem Swimmingpool Räume wie Alsterkanus oder Pariser Caféhäusern zu den Umgebungen, die das kreative Arbeiten fördern sollen. Die international rekrutierten Teams verleitet Google zudem mit kostenlosem Essen, darunter Eis, Snacks und Smoothies, aber auch mit Annehmlichkeiten wie Fitness und Massagen dazu, privat und beruflich genutzte Zeit zu vermischen. Unkonventionelle Projekte werden gefördert. So sind in Hamburg schon Smartphones für Blinde entstanden und andere Produkte, die es weltweit in die Märkte geschafft haben.

Kritische Kunden

Von den bundesweit 1000 Google-Beschäftigten arbeiten bisher die Hälfte an der Alster. Bereiche wie die Online-Marketing-Beratung in der Suchmaschine, auf der Videoplattform YouTube und der Präsenz von Unternehmen auf Google Maps werden für Deutschland von der Elbe aus gesteuert. Zugleich hat der Konzern hier mit den kritischsten Kunden zu tun; hier starteten die Kampagnen gegen den Kartendienst Street View, hier wehren sich die meisten Menschen gegen den Trend zum gläsernen Verbraucher. Besonders der engagierte Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar kämpft immer wieder gegen die wachsende Macht der Datensammler im Netz. So verbringt Caspar einen erheblichen Teil seiner Arbeitszeit mit dem Verständnis der Amerikaner von Privatsphäre.

Seit mehr als 15 Jahren steht Hamburg zugleich aber auch für die Erfolgsgeschichte Googles. Kurz nach der Jahrtausendwende hatten sich die Amerikaner für die Hansestadt als ersten deutschen Ableger und erstem Standort auf dem europäischen Kontinent entschieden. Gestartet waren sie damals mit einer Handvoll Leuten. Auch Facebook oder Airbnb wählten Hamburg als Tor nach Deutschland, doch die Größe des Suchmaschinenbetreibers erreichten sie hier nie.