AK St. Georg

Hamburger Asklepios-Ärzte schreiben Brandbrief

Asklepios Klinik St. Georg

Asklepios Klinik St. Georg

Foto: Klaus Bodig / HA

Mediziner: „Stellen nicht besetzt, massive Überlastung, Patienten gefährdet“. Klinikkonzern reduziert Betten in St. Georg.

St. Georg. In einem Brandbrief haben sich Ärzte der Asklepios Klinik St. Georg an den Ärztlichen Direktor und die Unternehmensführung gewandt, weil sie überlastet seien und die Sicherheit von schwerkranken Patienten nicht mehr gewährleistet sei. Es gehe um eine „tägliche Gefährdung von Patienten und Mitarbeitern“. In dem internen Schreiben von Ende September, das dem Abendblatt vorliegt und von insgesamt 19 Ärzten der Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation unterschrieben ist, wird der Klinik-Kette Asklepios ein „Organisationsverschulden“ vorgeworfen.

Darin heißt es unter anderem: Der Behandlungsstandard von Krebs- und Leukämiepatienten könne nicht mehr aufrechterhalten werden. „Es kommt (...) zu einer massiven Überlastungssituation der Mitarbeiter und zu einer Gefährdung der Patienten.“ Regelmäßig sei nur noch ein Arzt für 24 zum Teil schwerkranke Patienten zuständig. Und der „massive“ Abgang von Spezialisten sei nicht ausgeglichen worden.

Das habe auch Auswirkungen auf andere Abteilungen im Krankenhaus St. Georg gehabt. „Auch die internistische Akutversorgung des Hauses ist gefährdet“, heißt es im Brief. Die notwendigen Gespräche mit Patienten und Angehörigen könnten nicht mehr in vorgeschriebener Form stattfinden. Vier Ärzte der Klinik sollen nach Abendblatt-Informationen bereits gekündigt haben.

Asklepios bedauert und verspricht neue Stellen

Ein Asklepios-Sprecher teilte dem Abendblatt mit: „Die Arbeitsbelastung unserer Kollegen in der Hämatologie, Onkologie und Stammzellentransplantation war nach dem altersbedingten Ausscheiden des bisherigen Chefarztes, in dessen Folge noch weitere Ärzte das Haus verlassen hatten, gestiegen. Wir bedauern das und haben nicht zuletzt anlässlich des Briefes unserer Ärzte für eine Kompensation sowohl durch externe als auch durch interne Fachärzte gesorgt.“

Derzeit seien von 18 Stellen 2,5 nicht besetzt, die Bettenzahl sei von 60 auf 48 reduziert. Aber: „Der reibungslose Betrieb der Abteilung ist für diese Bettenzahl daher für die kommenden Monate sichergestellt.“

In ihrem Brandbrief hatten die Ärzte es so dargestellt: „Jeden Tag steigt das Risiko schwerwiegender ärztlicher Fehler, welche langfristige Negativfolgen für den Patienten und haftungsrechtliche Konsequenzen haben können.“ Laut einem der Unterzeichner des Briefes soll die Situation unverändert angespannt sein. So seien neue Patienten abgewiesen worden. Die Klinikleitung wisse seit Monaten von den Missständen. Die Ärzte müssten sich auch juristisch absichern. Denn: „Es liegt eine tägliche Gefährdung der Patienten und der Mitarbeiter vor.“ Nach Abendblatt-Informationen sind auch der Betriebsrat von Asklepios sowie die Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund bereits benachrichtigt worden.

Die Hämatologie in St. Georg gilt als Vorzeigestation

Die Gesundheitsbehörde von Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) erklärte, man gehe der Sache nach. Aktuell liege aber noch keine Überlastungsanzeige des AK St. Georg vor. Diese müssten aber auch nicht immer an die Behörde weitergegeben werden.

Die betroffene Abteilung galt bislang als eine der Hamburger Vorzeigekliniken – wie das gesamte Haus in St. Georg. Doch das Angebot von drei Stationen, Ambulanz, Tagesklinik und Speziallabor wurde bereits reduziert – von 60 auf 48 Betten. Einer der Briefunterzeichner sagte, dass aktuell acht statt 14 Ärzte und drei statt sechs Oberärzte auf der Station arbeiteten. Vorgeschriebene Fortbildungen könnten nicht absolviert werden, beklagen die Ärzte zudem in ihrem Brief. In St. Georg werden vier von zehn Hamburger Schwerkranken mit diesen Diagnosen behandelt.

Hamburger Ärztekammer kritisierte Asklepios wegen St. Georg

Asklepios teilte mit, man habe „unmittelbar nach Eingang des Briefs Ende September reagiert“. Der neue Chefarzt sei inzwischen gefunden. „Wir erwarten, dass sich die Personalsituation im weiteren Verlauf wieder vollständig bereinigt, sodass die Abteilung in ihrer gewohnten Leistungsstärke weiterarbeiten kann. Perspektivisch ist dann auch die Erweiterung der Bettenkapazität auf den ehemaligen Stand in Höhe von 60 Betten beabsichtigt. Die Versorgung für die Bevölkerung der Stadt mit hämatologischen Leistungen ist somit gesichert.“

Die Hamburger Ärztekammer hatte zuletzt das AK St. Georg im Dezember vergangenen Jahres stark kritisiert, weil die I. Medizinische Abteilung geschlossen wurde. Asklepios sprach hingegen von einer „Zusammenlegung“ und nannte eine „sukzessive Verschlechterung ökonomischer Daten“ als Grund.