Kreuzfahrt

Wie ein Hamburger Reeder die Kreuzfahrt erfunden hat

Albert Ballin, Chef von Hapag, schickte vor 125 Jahren einen Dampfer auf "Vergnügungsfahrt". Jetzt ist darüber ein Buch erschienen.

Hamburg.  Am 22. Januar 1891 stach bei heftigem Eisgang in Cuxhaven der 144 Meter lange schnelle Passagierdampfer „Augusta Victoria“ in die Nordsee. Das Ziel: das südliche Mittelmeer mit Alexandria und Beirut, Istanbul und Neapel. Am Ende winkte als Ziel wieder Cuxhaven. Eigentlich verkehrte das Schiff auf der Transatlantik-Route nach Amerika und brachte Auswanderer in die Neue Welt. Doch während der europäischen Wintersaison fielen die Touren wegen der stürmischen See stets ins Wasser. Da kam Albert Ballin, Generaldirektor der HamburgAmerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag) und damit Reeder der „ Augusta Victoria“, auf die Idee, den Dampfer auch in der schlechten Jahreszeit zu nutzen. Und so starteten 241 Passagiere zur ersten „ Vernügungsfahrt“. Dies gilt als Geburtsstunde der Kreuzfahrt.

Zum 125-Jubiläum dieses Ereignisses ist jetzt im Carl Hanser Verlag das lesenswerte und informative Buch „Von Meeren und Menschen“ erschienen, das mit literarischen Beiträgen unter anderem von Daniel Kehlmann, Elke Heidenreich und Juli Zeh für entsprechenden Tiefgang sorgt. Der historische Horizont umfasst den Beginn der "Vernügungsfahrt" und Aspekte der Geschichte von Hapag-Lloyd bis in die Gegenwart mit den globalen Visionen Albert Ballins: „Mein Feld ist die Welt.“

Kaiser Wilhelm II. stand Pate für die "Imperator"

Einen breiten Raum in der Darstellung nimmt die Rolle Hamburgs ein. So steuerte die Hapag mit ihrem Direktor am 23. Mai 1912 auf einen weiteren Höhepunkt zu: Vor hunderttausenden Zuschauern wurde das damals weltweit größte Schiff getauft und vom Stapel gelassen: 277 Meter lang, 52.117 Bruttoregistertonnen. Pate war der seefahrtbegeisterte Kaiser Wilhelm II., der auch den Namen des Täuflings gewählt hatte: „Imperator“. „Luxus“, heißt es in dem Buch, „gab es in allen Klassen: Sogar die Emigranten waren in Kabinen mit höchstens sechs Betten untergebracht.“

In der Zeit der Weimarer Republik gab es hin und wieder maritime Rekorde. Auf ihrer Jungfernreise 1930 konnte die in Hamburg bei Blohm + Voss gebaute "Europa" (Norddeutscher Llyod) ihrem Schwesterschiff, der "Bremen", mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 27,91 Knoten das Blaue Band für die schnellste Atlantiküberquerung abnehmen und triumphierend in New York einlaufen.

Wie der Sprung in das moderne Kreuzfahrtzeitalter gelungen ist, zeigen die Abschnitte über den Bau der „Europa 2“. Die Autorin Susanne Wiborg schildert darin das neue Konzept, mit dem Hapag-Lloyd Cruises ein jüngeres, solventes Publikum auf der „Europa 2“ erreichen will. „ Ihre maximal 500 Gäste genießen zum legendären Europa-Luxus ein Höchstmaß an Privatsphäre und individueller Freiheit.“

Daniel Kehlmann fährt in den Sturm

Im Kapitel „ Das Schiff“ schildert der Schriftsteller Daniel Kehlmann seine Erfahrungen an Bord eines modernen Kreuzfahrtschiffes. Dabei erlebte er einen handfesten Sturm. Das Sturmtief brachte mehrere kleine Schiffe zum Kentern. Das ganze „erinnerte einen daran, dass Seefahrt auf freiem Meer noch immer keine Kleinigkeit war, viel kann passieren und viel passiert tatsächlich“, so Kehlmann. Das Schiff, dessen Name freilich nicht genannt wird, befahre nach wie vor die Meere. „Es trotzt den Stürmen und der Zeit, und irgendwann werde ich eine Reise darauf buchen und wieder mitfahren und nichts darüber berichten“, schreibt Kehlmann.

Wer dieses Buch liest und die literarischen Texte genießt, will danach möglicherweise nur noch eines: die nächste Reise auf dem Meer buchen. „Von Meeren und Menschen – Eine Kreuzfahrt durch die Zeit“ ist jetzt in einer limitierten Auflage von 4000 Stück erschienen. Das 192-seitige Buch ist im Buchhandel sowie online zum Preis von 20 Euro erhältlich. In den Schiffsbibliotheken der Luxusschiffe "Europa" und "Europa" sowie der Expeditionsschiffe "Bremen" und "Hanseatic" wird der bibliophile Band für die Gäste zum Ausleihen zur Verfügung stehen.