Wetter

Hamburg stärker von Unwetter betroffen als gedacht

Feuerwehreinsätze auch wegen Fehlalarm von Rauchmeldern. Wetterlage im Norden bleibt angespannt, nass-trübe Aussichten für Hamburg.

Hamburg. Das Unwetter hat doch stärkere Auswirkungen auf Hamburg und den Norden, als bislang berichtet wurde. An Alster und Elbe gingen in der Nacht zu Freitag plötzlich viele Rauchmelder los. Vermutlich sorgten Blitz und Donner sowie die hohe Luftfeuchtigkeit für die Fehlalarme. Das Hurricane Festival in Scheeßel ist ernsthaft betroffen. In Hamburg wurde die Eröffnung eines Beachclubs abgesagt. Und die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) prognostizieren eine weiterhin angespannte Lage für das Wetter im Norden. In Hamburg kann zumindest für Sonntag auf viele trockene Abschnitte gehofft werden.

Bei dem nächtlichen Unwetter ist der Norden insgesamt von größeren Schäden verschont geblieben. In Schleswig-Holstein und in Hamburg berichteten Polizei und Feuerwehr am Freitagmorgen von keinen nennenswerten Schäden. In Lauenburg prallte ein Autofahrer gegen einen umgestürzten Baum auf der Straße, der Mann blieb unverletzt.

Vereinzelt habe es im Norden allerdings Blitzeinschläge und Überschwemmungen gegeben. Dabei geriet unter anderem ein Haus bei Elmshorn in Brand. Zwischen Elmshorn und Uetersen liefen mehrere Tiefgaragen voll. Zudem löste in Kronprinzenkoog (Kreis Dithmarschen) vermutlich ein Blitzeinschlag einen Großbrand aus.

Deutscher Wetterdienst twittert Warnungen

Dadurch fing eine Kühlhalle für Gemüse Feuer. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder, wie ein Feuerwehrsprecher am Freitag sagte. Nach ersten Erkenntnissen schlug der Blitz in der Nacht zum Freitag kurz nach Mitternacht in das Gebäude ein. Wegen starker Böen habe sich das Feuer rasch ausgebreitet. Etwa 100 Einsatzkräfte waren bis zum frühen Freitagmorgen mit den Löscharbeiten beschäftigt. Bei dem Brand wurde nach Angaben der Feuerwehr niemand verletzt.

Beachclub-Eröffnung wegen Unwetters abgesagt

Das Unwetter und drohende Wasserfluten sorgen am Freitag in Hamburg weiterhin für Aufregung. So wurde die Eröffnung des Beachclubs am Wandsbeker Marktplatz verschoben. Die Eröffnungsveranstaltung von „Like Ice and Sunshine 2016“ wurde abgesagt. Der Beachclub wird vom Wochenende an täglich ab 12 Uhr geöffnet sein. Bei schlechtem Wetter bieten die überdachte Hafen-Lounge „Dock 12“ und eine Hütte mit Namen „Windstärke 13“ Unterschlupf.

Kaltfront kommt auf Hamburg zu

Mit unwetterartigen Gewittern muss am Freitag und am Wochenende jedoch nicht mehr gerechnet werden. "Die kräftigen Gewitter sind bei uns schon Richtung Osten durchgezogen", sagt Peter Schwarz vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation (IWK). Dafür erreicht die Hansestadt und das Umland am Sonnabend eine Kaltfront, zu der sich regelmäßige Regenschauer gesellen. "Auch ein Gewitter kann noch mal dabei sein", so Schwarz. Die Temperaturen bewegen sich "nur" noch um die 20 Grad.

Am Sonntag ist zumindest ein wenig Besserung in Sicht. Hamburg bleibt zwar die kühlere Meeresluft erhalten und auch einzelne Schauer bleiben nicht aus. "Aber es wird nicht so nass wie am Sonnabend", sagt der Wetterexperte Schwarz. Und besonders wichtig für Fußballfans: Es besteht zumindest die Chance, dass man die Partie zwischen Jogis Elf und der Slowakei unter freiem Himmel verfolgen kann, ohne nasse Füße zu bekommen. "T-Shirt und kurze Hose sind jedoch nur etwas für Hartgesottene", so Schwarz. Abends müsse mit etwa 16 Grad gerechnet werden.

Viele Fehlalarme für Hamburgs Feuerwehr

In Hamburg musste die Feuerwehr in der Nacht zu Freitag 25-mal ausrücken: Grund waren überschwemmte Straßen und Keller sowie Bäume, die drohten umzufallen. Eine auffällig hohe Zahl an ausgelösten Brandmeldeanlagen hielt die Feuerwehr außerdem auf Trab. Normalerweise gebe es ein bis zwei Fehlalarme pro Tag, sagte Feuerwehrsprecher Werner Nölken. "Gestern Nacht waren es etwa 15", sagte Nölken am Freitagmorgen. Wenn eine solche Anlage ausgelöst wird, rückt jedes Mal ein Löschzug und eine Freiwillige Feuerwehr aus.

Die vielen Fehlalarme in der Nacht zu Freitag sind laut Feuerwehr sehr ungewöhnlich. "Zumal es weder starke Gewitter noch heftigen Donner gegeben hat", so Nölken. Durch die Erschütterung könne manchmal eine Brandmeldeanlage ausgelöst werden. "Die vielen ausgelösten Brandmeldeanlagen in der vergangenen Nacht hängen vermutlich mit den hohen Temperaturen zusammen", so der Feuerwehrsprecher.

In Lokstedt zum Beispiel gingen Rauchmelder los, das Gewitter hing direkt über dem Stadtteil. Begünstigt wurden die Fehlalarme vermutlich außerdem durch offenstehende Fenster.

Auch über Niedersachsen tobten in der Nacht schwere Gewitter. In der Region Osnabrück mussten Feuerwehr und Polizei mehr als 50 Mal ausrücken. Es habe zahlreiche Blitzeinschläge in Einfamilienhäusern gegeben, teilte die Polizei am Freitagmorgen mit. Dabei sei ein Dachstuhl in Brand geraten. Das Unwetter habe außerdem Straßen und Keller geflutet.

Weitere Unwetter am Freitag erwartet

Beim Rockfestival Hurrican in Scheeßel mussten zum Start wegen Überschwemmungen vor einer der vier Bühnen mehrere Konzerte abgesagt werden.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte vor Gewitterböen mit bis zu 100 Stundenkilometern, heftigem Starkregen und großem Hagel gewarnt. Und zumindest Niedersachsen drohen auch an diesem Freitag weitere Unwetter mit Hagelschlag und heftigem Regen.

Am Donnerstag hatten die Temperaturen in Deutschland Jahreshöchstwerte von bis zu 35,7 Grad erreicht - gemessen in Obersulm bei Heilbronn in Baden-Württemberg. Auch in der Nacht zum Freitag blieb es an vielen Orten sehr warm: In Rostock, Berlin, Leipzig, Frankfurt oder Karlsruhe lagen die nächtlichen Temperaturen über 20 Grad.

Nur ein paar Schulen geben hitzefrei

Auch Hamburg und Schleswig-Holstein hatte am Donnerstag feuchtwarme Luft aus Südwesteuropa einen heißen Tag mit Werten von über 30 Grad Celsius beschert. „In einem Band von Lübeck bis Hamburg wurden mehr als 31 Grad erreicht“, sagte eine DWD-Sprecherin in Hamburg. Am heutigen Freitag wird es noch einmal ähnlich schwül. Spätestens am Sonnabend soll der erwartete Westwind die warme Luft nach Osten tragen.

Trotz der Temperaturen um die 30 Grad – hitzefrei gibt es in Hamburg nur für die wenigsten Schüler. „Es sind nur ein paar Schulen, die hitzefrei geben“, sagte der Sprecher der Schulbehörde, Peter Albrecht, auf Anfrage. Es gebe dafür keine einheitlichen Regeln in Hamburg, das müsse jede Schule für sich entscheiden. „Die Schulleitungen müssen das entscheiden und nach Alternativen suchen.“ So könnten die Schüler auch draußen unterrichtet werden oder einen Ausflug machen.

Erst wenn es keine Alternative gibt, könne es hitzefrei geben, aber nur, wenn die Eltern das wissen und damit einverstanden sind. „Alle Schulen in Hamburg sind Ganztagsschulen, und die Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder betreut werden“, sagte Albrecht. Ausnahmen könne es bei älteren Schülern geben.