Wetter

Der Norden schwitzt bei über 30 Grad – Warnung vor Unwetter

Meike (v.l.n.r.), Viviane und Maren (alle aus Celle) genießen am Jungfernstieg in Hamburg ihre Smoothies in der Sonne

Meike (v.l.n.r.), Viviane und Maren (alle aus Celle) genießen am Jungfernstieg in Hamburg ihre Smoothies in der Sonne

Foto: Georg Wendt / dpa

Bisher heißester Tag des Jahres in Deutschland mit 35,7 Grad – Freitag bis zu 37 Grad. Verspätungen im Bahnverkehr nach Gewitter.

Hamburg/Münster/Kiel.  Feucht-warme Luft aus Südwesteuropa hat Hamburg und Schleswig-Holstein einen heißen Tag mit Werten von über 30 Grad Celsius beschert. „In einem Band von Lübeck bis Hamburg wurden mehr als 31 Grad erreicht, selbst in Hohwacht an der Ostsee wurden mehr als 29 Grad gemessen“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes am Donnerstag in Hamburg. Im nördlichen Schleswig-Holstein sei es mit Werten um die 25 Grad dagegen kühler und bedeckt gewesen.

Mit gemessenen 34 Grad hat Hameln am Donnerstag den Hitzerekord in Niedersachsen aufgestellt. Bei strahlendem Sonnenschein wurde der Spitzenwert in der Rattenfängerstadt gegen 16.30 Uhr gemessen. Dies teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Vor allem im südlichen Niedersachsen seien hochsommerliche Temperaturen von gut über 30 Grad gemessen worden.

Am Abend warnte der Deutscher Wetterdienst vor Gewittern mit Starkregen und Hagel in der westlichen Region Hamburgs. Einzelne Gewitter zogen aus Richtung Südwesten auf.

Am Freitag wird es im südlichen Landesteil noch mal ähnlich schwül. Spätestens Sonnabend soll der erwartete Westwind die warme Luft nach Osten getragen haben.

Gewitter verursachen Verspätungen im Bahnverkehr

Ein Gewitter hat eine Signalstörung und zahlreiche Verspätungen am Donnerstagabend am Hauptbahnhof in Münster verursacht. „Das Gewitter hatte Auswirkungen auf den Bahnverkehr durch einen Blitzschlag im Bahnhofsbereich“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn.

Die Züge müssten während der Störung ohne das Lichtsignal in den Bahnhof geleitet werden. Die Lokführer könnten nach Rücksprache fahren. Wie viele Züge und Reisende betroffen waren, konnte die Sprecherin nicht sagen. Auch im Bereich des Stellwerkes Lengerich (Kreis Steinfurt) kam es in Folge eines Gewitters zu einer Signalstörung und Verspätungen von Zügen. Betroffen war nach Angaben der Deutschen Bahn die Strecke zwischen Osnabrück und Münster.

Bisher heißester Tag des Jahres mit 35,7 Grad

Hoch „Wolfgang“ hat Deutschland am Donnerstag den bislang heißesten Tag des Jahres beschert. Die höchsten Temperaturen verzeichnete der Deutsche Wetterdienst in Obersulm bei Heilbronn in Baden-Württemberg mit 35,7 Grad. Auf den weiteren Plätzen folgen Michelstadt (Hessen / 35,1 Grad), Worms (Rheinland-Pfalz / 35,0 Grad), Darmstadt (Hessen / 34,9 Grad) und Ohlsbach (Baden-Württemberg / 34,7 Grad). Am Abend zogen erste schwere Gewitter auf einer Linie von der Eifel bis nach Schleswig-Holstein von Südwest nach Nordost über Deutschland hinweg, wie DWD-Meteorologe Thomas Ruppert mitteilte. Zahlreiche Unwetterwarnungen waren in Kraft.

Die Hitze hatte auch auf den Verkehr Auswirkungen: Für Autobahnen mit altem Betonbelag hat beispielsweise das Verkehrsministerium Baden-Württemberg eine Tempo-Beschränkung auf 80 Stundenkilometer ausgegeben, damit die Fahrbahnen nicht beschädigt werden. Davon betroffen sind 270 Kilometer unter anderem der Autobahnen 5, 6 und 8. Die Beschränkungen gelten, sobald Temperaturen von mehr als 30 Grad vorausgesagt werden.

Baby aus aufgeheiztem Auto gerettet

In Österreich haben Polizisten ein fünf Wochen altes Baby aus einem aufgeheizten Auto gerettet. Die 30-jährige Mutter war am Bahnhof in Linz zur Toilette gegangen und hatte ihr Baby im Auto zurückgelassen. Passanten fiel das schreiende und völlig verschwitzte Kind auf. Ein Beamter schlug die Seitenscheibe ein.

Wer es am Donnerstag nicht schweißtreibend haben wollte, musste an die Küsten in Norddeutschland oder in die Kammlagen der Mittelgebirge fliehen, wo die Temperaturen nicht über angenehme 22 Grad hinauskamen.

37 Grad am Freitag erwartet

Am Freitag könnte es nach Einschätzung des DWD sogar noch heißer werden. Dann verlagere sich die heiße Luft aus Nordafrika in den Osten Deutschlands, wo 36, vielleicht sogar 37 Grad zu erwarten seien, sagte DWD-Meteorologe Simon Trippler. Vom Rekord ist das aber noch etwas entfernt: 40,3 Grad meldete im vergangenen Sommer das bayerische Kitzingen, so heiß war es in Deutschland noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881.

Im Westen ziehen am Freitag schon Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen auf. Gleich drei Tiefs - „Lea“, Neele“ und „Marine“ - haben Kurs auf Mitteleuropa genommen. Die drei werden am Freitag über den Britischen Inseln, der Nordsee und Deutschland erwartet. Sie vertreiben „Wolfgang“ immer weiter nach Osten. Die Gewitter werden sich am Freitag nach Berechnungen der Meteorologen bis auf eine Linie Vorpommern - Hessen - Baden-Württemberg nach Osten vorarbeiten.

„Am Sonnabend erreichen die teils heftigen Schauer und Gewitter den Osten, wo noch Reste der heißen Luft liegen“, sagte Trippler. Im Westen schaut dann schon wieder die Sonne heraus bei nur noch 21 bis 26 Grad.