Prozess

Porsche-Fahrer soll Critical-Mass-Teilnehmer gerammt haben

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Daniel Herder
Einmal im Monat rollt die Fahrraddemo „Critical Mass“ durch Hamburg (Symbolbild)

Einmal im Monat rollt die Fahrraddemo „Critical Mass“ durch Hamburg (Symbolbild)

Foto: Axel Tiedemann

Im Berufungsprozess, den der Autofahrer erwirkt hat, betont der Angeklagte erneut seine Unschuld an der Verletzung des Radfahrers.

Hamburg.  Die Fahrraddemo „Critical Mass“ mit stets Tausenden Teilnehmern ist bei Autofahrern so beliebt wie ein Motorschaden, zumal auf ihrer Route der übrige Verkehr zum Erliegen kommt. Ein „Critical Mass“-Demonstrant, Andre K., wurde am 26. Juni 2015 auf der Fruchtallee schwer verletzt -- nachdem ihn ein Porsche-Cayenne-Fahrer mutwillig gerammt haben soll.

Danyal K. einst im Personalschutz tätig, steht seit Dienstag wegen des Unfalls zum zweiten Mal vor Gericht. Gegen das erstinstanzliche Urteil – 13 Monate auf Bewährung, 18 Monate Führerscheinentzug – hatte der 29-Jährige Berufung eingelegt.

Der Angeklagte sagt, er habe keine Chance gehabt, zu bremsen

Von der Weidenallee kommend bog Danyal K., 29. mit seinem Cayenne an jenem Tag links in die Fruchtallee ab. Eine Absperrung habe er nicht gesehen, sagte der Angeklagte. An einer roten Ampel hätten ihm zwei Demo-Teilnehmer den Weg versperrt: Er solle sich mit seiner „Protz-Karre“ verziehen.

Nachdem ihn ein Krankenwagen passiert habe, habe er seinen Weg auf der linken Spur fortgesetzt. „Da kam die nächste Ampel, ich bremste ab, da zogen Radfahrer vor mir auf die linke Spur“. Mit dem Kotflügel habe er Andre K. erwischt, der daraufhin stürzte. „Der kam so schnell, ich hatte keine Chance, zu bremsen“. Nach dem Unfall hätten zahlreiche Radfahrer auf sein Auto geschlagen und ihn beschimpft.

Die Staatsanwaltschaft geht von Mutwilligkeit aus

Die Staatsanwaltschaft geht indes davon aus, dass Danyal K. den Radfahrer mutwillig von hinten anfuhr und so den Unfall verursachte. Ähnlich schilderten es mehrere Zeugen. „Wir hörten den Krankenwagen, wichen auf die mittlere Spur aus, als er weg war, zogen wir wieder nach links“, sagt das Opfer Andre K. Nach „zehn bis 30 Sekunden“ sei er von dem Cayenne gerammt worden, bemerkt habe er ihn vorher aber nicht. Er habe sich einen Arm gebrochen und wegen des Unfalls die Abgabe seiner Magister-Arbeit verschieben müssen.

Eine andere Rad-Demonstrantin erinnerte sich: „Er bedrängte ihn mehrmals und fuhr ihn an“. Eine weitere Zeugin: „Er kam mit hohem Tempo an, bremste, beschleunigte wieder und fuhr sehr dicht auf. Ich dachte nur: Gleich passiert es.“ Der Prozess geht weiter.

( dah )

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