Flüchtlingskrise

Hamburger fahren vier Tonnen Spenden nach Griechenland

Flüchtlinge warten in unmittelbarer Nähe zur mazedonischen Grenze, unweit von Idomeni

Flüchtlinge warten in unmittelbarer Nähe zur mazedonischen Grenze, unweit von Idomeni

Foto: Yannis Kolesidis / Pool / dpa

Verein der Kleiderkammer und andere Initiativen bringen Hilfsgüter in den Norden des Landes. Warum Mückenschutz nicht fehlen darf.

Hamburg. Bislang kamen die Spenden vor allem nach Hamburg, jetzt kommen sie aus Hamburg: Am Donnerstag schickt ein Aktionsbündnis verschiedener Hamburger Flüchtlings-Initiativen einen großen Hilfskonvoi nach Griechenland. Demnach sollen sich zwei Lkws und ein VW-Bus mit rund vier Tonnen Hilfsgütern auf den Weg zu den Flüchtlingscamps im Norden des Landes machen, wo nach wie vor Tausende Menschen vor den geschlossenen Grenzen gestrandet sind.

Bereits seit Wochen sammeln die Initiatoren für die große Spendenfahrt. Ursprünglich sollten die Hilfsgüter ins große Flüchtlingscamp nach Idomeni gebracht werden. Ende Mai jedoch hatte die griechische Regierung damit begonnen, das wilde Lager zu räumen. „Die Lage vor Ort hat sich seit der Räumung des Camps jedoch nicht verbessert“, sagt Helge Weigand, Vorstandsmitglied von Hanseatic Help, dem Trägerverein der Hamburger Kleiderkammer. Die Zustände in den Camps seien unhaltbar, die Versorgung oftmals mangelhaft. Ziel der Aktion sei es, gemeinsam mit erfahrenen Hilfsorganisationen vor Ort möglichst viele notleidende Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen.

Helfer berichten über Facebook von der Verteilung

Gemeinsam mit seiner Frau und anderen Helfern will sich der 48-Jährige am Donnerstagmorgen in aller Früh mit einem 7,5-Tonner auf den Weg in Richtung Italien machen. „Um 16.30 Uhr nehmen wir die Fähre aus Ancona.“ Weiter geht es dann über den Balkan nach Griechenland. „Unser Ziel ist zunächst das Camp in Polykastro, südlich von Idomeni“, sagt Weigand. „Von dort aus schauen wir weiter, wo unserer Hilfe am dringendsten benötigt wird.“ Dafür stehe man im engen Austausch mit Helfern vor Ort. Wenn alles gut geht, wollen sie am kommenden Mittwoch wieder zurück in Hamburg sein. Über Facebook werde man über die Verteilung der Spenden vor Ort informieren.

Im Gepäck haben Helge Weigand und seine Begleiter vor allem Klamotten, Schlafsäcke und Isomatten, Hygieneartikel sowie Sonnen- und Mückenschutz. „Da eines der Camps mitten in einem Sumpfgebiet liegt, ist letzteres besonders wichtig“, erklärt Weigand. In den vergangenen Wochen hatte man vor allem über die sozialen Netzwerke für die erste große Spendenfahrt mobilisiert. „Wir haben 100 Umzugskartons voller Hilfsgüter aus Rendsburg abgeholt, Kiel hat uns vier Paletten geschickt und auch aus Flensburg wurden Sachspenden geliefert“, so Weigand.

Zahlreiche Initiativen und Einzelpersonen beteiligt

Inzwischen wurden alle Spenden für die große Fahrt verpackt. Am Mittwochmittag sollen die Lastwagen an der Großen Elbstraße beladen werden. Dort befindet sich seit April der neue Standort der Hamburger Kleiderkammer, die bis vergangenen Dezember noch auf dem Hamburger Messegelände untergebracht war. Beteiligt an der Aktion sind neben zahlreichen Einzelpersonen und dem Verein Hanseatic Help auch das Bündnis „Refugees Welcome Karoviertel“ oder „WestWind – Fahrräder für Flüchtlinge“.

Der erste große Hilfskonvoi sei echtes Teamwork, so Konvoi-Mitinitiatorin Simone Will von kids welcome: „Sachspenden, der 7,5-Tonner samt Fahrer und Logistik kommen von Hanseatic Help, Refugees Welcome Karoviertel hat die Geldmittel für die Fahrtkosten aufgebracht, kids welcome und morethanshelters spenden große Zelte für Schulprojekte, WestWind übernahm die Spendenannahme in Hamburg und stellt Fahrer plus einen 3,5-Tonner.“

Spenden werden bundesweit und international verteilt

Dass Spenden aus Hamburg nun auch anderswo ausgegeben würden, sei nichts neues, betont Helge Weigand. „Wir verteilen die Sachen, die in Hamburg aufgrund der gesunkenen Flüchtlingszahlen nicht benötigt werden“, so der 48-Jährige, der seit dem vergangenen Oktober bei Hanseatic Help aktiv ist. Die Güter würden sowohl anderswo in Deutschland sowie international verteilt. „Die Spenden gehen nicht nur an Geflüchtete, sondern an alle sozial Benachteiligten“, so Weigand. So habe man bereits vor dem Winter in Hamburg zahlreiche Organisationen wie Obdachlosentagesstätten mit Sachspenden unterstützt.

In Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen wurden zudem bereits vereinzelte Hilfslieferungen aus Hamburg nach Nordgriechenland verschickt. „Die Anteilnahme und Spendenbereitschaft der Hamburger ist ungebrochen“, sagt Carmen Wilckens von WestWind, „viele realisieren, dass die Grenzen dicht sind und deshalb weniger Geflüchtete nach Hamburg kommen, aber ihre Not in Griechenland sehr groß ist.“