Harburg

Wenn Polen Italien trifft, dann wird’s lecker

Die Betreiber Violetta Pieprzyca und Renzo Ferrario haben das Silo 16 in Harburg etabliert

Die Betreiber Violetta Pieprzyca und Renzo Ferrario haben das Silo 16 in Harburg etabliert

Foto: Roland Magunia

Jede Woche stellt das Abendblatt Hamburgs beliebteste Restaurants vor. Heute das Silo 16 im Harburger Binnenhafen.

Harburg. Es war einmal ein Silo in Harburg. Erbaut in den 30er-Jahren, wurden hier Ölsaaten und Getreide für die Margarine-Herstellung gelagert. Irgendwann hatte der Industriekomplex seine Schuldigkeit getan. Aber er wurde nicht abgerissen, sondern Anfang dieses Jahrtausends umgebaut. Und direkt am Schellerdamm im Harburger Binnenhafen entstand ein Treffpunkt für die Freunde von Pizza, Pasta und Risotto. Das Restaurant Silo 16 serviert italienische Küche auf hohem Niveau.

Seit knapp zwei Jahren sind hier Renzo Ferrario und Violetta Pieprzyca die Chefs. Der Italiener vom Comer See und die Polin aus dem Süden des Landes haben sich im Hotel Gastwerk kennengelernt. Dann zogen sie beide weiter in leitenden Funktionen ins George Hotel, bevor sie das Silo 16 übernahmen. „Mein Freund Vincenzo Andronaco ist Gesellschafter, und er wollte mich hier haben“, sagt der 65-Jährige.

Und seine Partnerin freut sich noch heute über die Selbstständigkeit. „Wir haben mehr Gestaltungsmöglichkeiten, aber auch mehr Verantwortung“, sagt die 43-Jährige. „Als Angestellter kann man sich nur bis zu einem gewissen Grade entwickeln.“

Renzo Ferrario ist der Küchenchef, Violetta Pieprzyca kümmert sich umsichtig um die Gäste. Rund 20 Mitarbeiter stehen ihnen dabei zur Seite.

Und dem früheren Industriebau hat das Betreiberpaar schon seinen Stempel aufgedrückt. Unter den ehemaligen Schüttkegeln stehen heute Korbstühle mit braunen Holzlehnen und braune Holztische. Die sind elegant und schlicht eingedeckt mit Gläsern, Besteck und gelben Stoffservietten. Eine große Fensterfront gibt den Blick frei auf den westlichen Bahnhofskanal und neue Gebäude in der Harburger Hafencity.

Abgesetzt sind die Betonelemente durch leuchtendes Rot an den Wänden. Der Raum mit Platz für 120 Gäste ist riesig, hoch und minimalistisch. Pflanzen, Regale mit Weinflaschen, einige Bilder an den Wänden und Terrakotta-Fußboden sorgen für gemütliche Akzente. Im Sommer ist es auch lauschig auf der großen Terrasse am Wasser.

Aufschnitt- und Espressomaschine sind natürlich italienisch, die Grappa-Sammlung ist beeindruckend, die Bar am Eingang des Restaurants mit ihren braunen Sitzlandschaften und Hockern für 40 Gäste einladend. Und wer den Blick nach oben richtet, findet in der Kuppel die freie Interpretation des Deckenfreskos „Die Erschaffung Adams“ von Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle. Statt Engeln tummeln sich dort Paprika und anderes Gemüse.

„Italienische Küche neu interpretiert“ ist das Motto des italienisch-polnischen Paares. Neben Pizza, Pasta, Risotto, Fleisch und Fisch gibt es Piadina, eine Art Italo-Taco. Der knusprige, sehr dünne Teig kommt zum Beispiel mit Crème fraîche und Trüffel daher.

Das Risotto mit Bärlauch hat die richtige „Schlotzigkeit“, der Teig der vegetarischen Pizza aus dem Steinofen ist hauchdünn. Kein Wunder: Pizzabäcker Daniele beherrscht die Kunst, den Teig zu kneten, zu schwenken und hochzuwerfen so gut, dass er damit im Zirkus auftreten könnte.

Der Mittagstisch wechselt wöchentlich

Ebenfalls empfehlenswert: die Tomatensuppe, die Pasta allo Scoglio mit allerlei Meeresgetier, Tomaten, Knoblauch und Frühlingszwiebeln, die Tagliatelle Trüffel aus dem Parmesanlaib und natürlich die gemischten Antipasti, die mit Bruschetta, Vitello und Carpaccio alles auf dem Teller vereinen, was man als Vorspeisen aus dem Sehnsuchtsland der Deutschen schätzt.

Es gibt eine feste Karte auf großen Pappen, einen wöchentlich wechselnden Mittagstisch und eine Tafel, auf der je nach Marktlage und Jahreszeit die Tagesangebote stehen. Weder deutsche noch polnische Spezialitäten sind dort zu finden, „wir sind durch und durch italienisch“, sagt Violetta Pieprzyca.

Und so kommen auch die meisten Zutaten wie Pasta, Gemüse oder Orangen sowie die gut 60 Tropfen auf der Weinkarte aus dem Mittelmeer-Land. Die Preise liegen bei 3,20 Euro für 0,1 Liter und 22 Euro für die günstigste Flasche.

Der Küchenchef isst gerne Nudeln oder Risotto mit Muscheln und Garnelen

Mittags essen im Silo 16 alle, die in den angrenzenden Firmen im Binnenhafen arbeiten. Abends kommen die, die Wasser, den Silo-Charme und die leichte Küche mögen. Ferrario ist stolz auf die vielen Stammgäste. „Wenn die Besucher zufrieden sind, machen wir alles richtig.“ Am Wochenende ist Reservierung angeraten, denn das Silo 16 wird oft für Feste gebucht.

Violetta Pieprzyca hat am liebsten ein gutes Stück Rindfleisch oder Tatar auf dem Teller, Küchenchef Renzo Ferrario bevorzugt Nudeln oder Risotto mit Muscheln und Garnelen. Das Paar spricht deutsch miteinander und macht auch schon mal Urlaub an der Ostseeküste. Aber seine Herzen schlagen für das Land, wo die Zitronen blühen. Ein Stück Italien in Harburg.

Silo 16 Schellerdamm 16

www.silo16.com

Parken im Parkhaus gegenüber, S-Bahn bis Harburg Rathaus, Bus 142 und 154 bis Schellerdamm.


Vorspeisen ab 7,90 Euro, Haupt-
gerichte und Pizza ab 11,50 Euro, Dessert ab 7,90 Euro.