Nord

Und heute mal zum Spanier ins Portomarin

Farbenfroh und lecker:
gegrillter Pulpo mit
Koriander-Emulsion

Farbenfroh und lecker: gegrillter Pulpo mit Koriander-Emulsion

Foto: Roland Magunia / HA

Das Portomarin zählt zu den besten ausländischen Lokalen in Deutschland. Hier wird mit der Leidenschaft des Südens gekocht.

Winterhude. Gran Canaria ist die Schicksalsinsel von Patricia Pérez y Hilker und Jesús A. Díaz Sindín. Deshalb müsste ihr Restaurant eigentlich nach der Kanarischen Insel benannt sein. Aber der Spanier wählte eine Reverenz an seinen Heimatort am Jakobsweg in Galicien im nordwestlichen Spanien. Und so heißt das Lokal in Winterhude Portomarin.

Seit 2000 führt das Ehepaar den Betrieb, den viele Gäste ihr „zweites Wohnzimmer“ nennen. „Und wir freuen uns noch jeden Tag auf die Arbeit“, sagt Patricia Pérez y Hilker. Die Hamburgerin hat eine deutsche Mutter und einen Vater mit spanischen Wurzeln. Und auch ihren gleichaltrigen Mann lernte die 50-Jährige in Südeuropa kennen. „Ich habe auf Gran Canaria als Journalistin bei einer deutschen Tageszeitung gearbeitet und bin oft in das Restaurant gegangen, das mein heutiger Mann in der Insel-Hauptstadt Las Palmas geleitet hat.“

Elegante Tische

Die beiden verliebten sich. Und als sie 1995 nach Hamburg zurückkehrte, folgte er ihr wenig später. Jesús A. Díaz Sindín fror in der Hansestadt, paukte Deutsch und arbeitete in einem spanischen Lokal am Hafen. „Aber ich wollte etwas Eigenes“, sagt der Gastronom. „Das wusste ich schon als 16-Jähriger.“

Diesen Plan verwirklicht das Ehepaar in dem schlauchförmigen Raum mit den roten Wänden und den zwei großen Fenstern zur Straße. Die Tische sind elegant in Weiß eingedeckt, Kerzen und Blumen, Spiegel und Wandlampen sowie großformatige Schwarz-Weiß-Fotos aus Portomarin sorgen für Atmosphäre.

Beeindruckende Spirituosen-Auswahl

Für ein so übersichtliches Restaurant ist die Spirituosen-Auswahl sehr beeindruckend. Viele Gin-Sorten, aber vor allem Brandy und Sherry aus Spanien warten auf durstige Kehlen. Der Bürgermeister von Portomarin ernannte Jesús A. Díaz Sindín übrigens im Mai 2005 wegen seines Engagements für sein Heimatdorf im Ausland zum „Caballero del Aguardiente“ (Ritter des Tresters).

Und erst der Wein: Im ganzen Raum sind Flaschen einzeln, in Regalen oder Holzkisten verteilt, auf den Tischen stehen Dekanter bereit. Eine Weinkarte gibt es nicht, Jesús A. Díaz Sindín ist der Experte und erklärt die Tropfen, denn seit einigen Jahren gehört zum Lokal auch ein Weinhandel. „Ich bin regelmäßig im Süden, besuche die Bodegas und bringe passende Weine mit.“ Mehr als 300 Positionen ausschließlich aus Spanien sind im Portomarin vorrätig. 0,2 Liter im Glas gibt es ab 6,50 Euro, die Preise für Flaschen beginnen bei 22 Euro.

40 Plätze hat das Restaurant, im Sommer ebenso viele auf der lauschigen Terrasse. Drei Angestellte in der Küche sowie das deutsch-spanische Ehepaar im Service kümmern sich um die Gäste. „Mein Mann und ich sind wie zwei halbe Orangen“, sagt Patricia Pérez y Hilker. „Einer kann nicht ohne den anderen.“

Vorlieben werden in einem Buch notiert

80 Prozent ihrer Gäste kommen immer wieder. „Wir kennen von vielen die Lebensgeschichten. Und wer als Kind bei uns gegessen hat, fühlt sich auch als Erwachsener hier wohl.“ Aber natürlich kommen auch internationale Gäste nach Winterhude, denn die Wirtsleute sprechen neben Deutsch und Spanisch auch Englisch und Französisch. Die Tischreservierungen werden in einem großen Buch festgehalten, es geht nicht nur um gutes Essen und gute Weine, sondern auch um den persönlichen Service. Denn die Vorlieben der Gäste stehen auch in diesem Album.

Vielleicht für gegrillten Pulpo. Das Meerestier wird begleitet von einer Koriander-Emulsion und Paprikasauce sowie schwarzen Kartoffeln. Sehr hübsch anzusehen und nicht weniger ein Vergnügen für den Gaumen. Wie auch das perfekt gegarte und sehr zarte Rinderfilet. Serviert wird das Fleisch von Lafina Beef aus Uruguay mit einer Trilogie von der Roten Bete und Jus von roten Beeren.

Auch saisonale Spezialitäten

Alle drei bis fünf Wochen wechseln die Inhaber die Karte, aber Baby-Calamares, der handgeschnittene Schinken Ibérico de Bellota und Txogitxu, Fleisch von reifen Hochlandweide-Kühen aus dem Baskenland und Galicien, sind eigentlich immer zu haben. Sehr beliebt ist das mehrgängige Menü mit Fisch und Fleisch, bei dem die Küche einen Querschnitt ihres Könnens bietet, auch saisonale Spezialitäten verarbeitet und Tagesempfehlungen gibt.

„Wir machen spanische Gastronomie aus Leidenschaft mit dem Produkt im Mittelpunkt“, sagen die Inhaber. Zu ihrem Leitbild gehören auch herzlicher Service und persönliche Beratung. Regelmäßig wird das Portomarin unter den besten ausländischen Restaurants in Deutschland gelistet. Wären Patricia Pérez y Hilker und Jesús A. Díaz Sindín also auf Gran Canaria geblieben, hätte Hamburg etwas verpasst.

Portomarin Dorotheenstraße 180

www.portomarin.de

Vorspeisen ab 10,50 Euro, Hauptgerichte ab 24, Desserts ab 6,50 Euro, Menüs ab 49,50 Euro