St. Pauli

15-Jähriger unter den Schanzenhof-Randalierern

Knapp 100 Aktivisten hatten erneut versucht, zum Gebäude vorzudringen. Die Polizei musste schnell reagieren. Nicht immer gelang das.

Hamburg. Mehrere Gruppen von insgesamt etwa knapp 100 Demonstranten haben sich bis in den frühen Freitagmorgen rund um den Schanzenhof Krawalle mit der Hamburger Polizei geliefert. Dabei wurden nach Angaben eines Polizeisprechers vier Personen festgenommen. 18 weitere Personen wurden an der Ecke Schulterblatt und Susannenstraße in Gewahrsam genommen, darunter ein 15-Jähriger, der anschließend seinen Erziehungsberechtigten übergeben wurde. Außerdem wurden sieben Strafanzeigen, unter anderem wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung, festgestellt. Der Konflikt um die Schlüsselübergabe an einen neuen Investor des Gebäudes brodelt seit Tagen. Am Donnerstag war das Gebäude zeitweilig besetzt worden.

Als in der Nacht zum Freitag einige der Protestler mit einem HVV-Bus in ein Polizeikommissariat gebracht werden sollten, wurde die Abfahrt am Neuen Pferdemarkt mit einer Sitzblockade verzögert. Während die Polizei die Straße räumte, flogen einige Glasflaschen auf die Beamten. Im Laufe der Nacht brannten auch Mülltonnen, die von der Feuerwehr gelöscht werden mussten. Gegen 1 Uhr hatte sich die Lage wieder beruhigt, verletzt wurde nach Angaben der Polizei niemand.

Der Protest hatte sich später auf die Straße vor der Roten Flora verlagert. Es gab Sprechchöre, die die Polizisten beleidigten. Nach Angaben eines Sprechers handelte es sich bei den Protestierenden um etwa 60 bis 70 teils vermummte Menschen. Am Neuen Pferdemarkt flogen wenig später auch Flaschen und Dosen auf Polizisten, gegen einen 19-Jährigen und eine 22-Jährige wird deshalb wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Ein 24-Jähriger steht zudem unter dem Verdacht, eine Körperverletzung begangen zu haben. Laut einem Sprecher habe der Mann einen Polizisten mit der Faust auf den Rücken geschlagen.

Vor den Geschäften liegt am Freitag Müll

Als am Freitagmorgen die ersten Geschäfte aufmachten, war das Chaos noch nicht beseitigt worden. "Als meine Mitarbeiter den Laden aufgemacht haben, lag auf der Straße noch überall Müll herum", sagt Mahmut Bigi, Inhaber des Kiosks "Bigi's Shop" am Schulterblatt. "Die Stadtreinigung war wohl ziemlich entsetzt." Er sei froh, dass wenigstens keine Scheiben zerschlagen wurden. Ein Mitarbeiter des "Helal Bazar", eines Obst- und Gemüsegeschäftes an der Bartelsstraße, fand ein ähnliches Bild vor, als er gegen 6.30 Uhr den Laden öffnete. "Die Mülltonnen waren umgekippt worden. Normalerweise kennen wir das nur vom 1. Mai oder vom Schanzenfest", sagt er. Bisher seien die Proteste direkt im Schanzenhof ausgetragen worden. "Bei uns ist es sonst immer ruhig."

Ausschreitungen auch am Abend

Bereits am Donnerstagabend gegen 21.20 Uhr hatten sich die Aktivisten ohne Anmeldung am Bahnhof Sternschanze versammelt, um Richtung Lagerstraße zu ziehen. Sie kamen nur bis zur Eisenbahnbrücke an der Schanzenstraße, weil die Polizei, die mit rund 180 Einsatzkräften vertreten war, sich ihnen in den Weg stellte. Grund dafür war nach Angaben eines Sprechers, dass sich kein Leiter zu erkennen gegeben habe. Als die Demonstranten Richtung Altonaer Straße entwichen, stellten sich ihnen dort Beamte in den Weg.

Allerdings hatten einige aus dem Demo-Zug die Idee, über den S-Bahnsteig Richtung Hotel Mövenpick zu gehen, um an der Unterführung Richtung Lagerstraße abzubiegen. Das gelang zunächst mehreren Dutzend Aktivisten. Bis zum abgeriegelten Schanzenhof kamen sie nicht.

Demonstranten zünden Mülltonnen an

Daraufhin machten sich die Demonstranten im Katz-und-Maus-Spiel in Kleingruppen auf, um die Polizisten zu beschäftigen, doch die konnten die Protestler recht gut in Schach halten. Es kam zu vereinzelten Würfen von Mülltonnen auf die Straßen, doch die Polizisten stellten die Tonnen vergleichsweise schnell wieder auf. Ein Barrikadenbau schien unmöglich.

Linke Szene will Verkauf des Schanzenhofs verhindern

Am Donnerstagmittag hatten sich bereits etwa 20 Demonstranten im Schanzenhof verbarrikadiert. Sie protestierten gegen den Auszug der Mieter zu wehren und die Schlüsselübergabe an den neuen Mieter, Hotelier Stephan Behrmann. Nachdem die alten Mieter des Schanzenhofs, darunter viele Musiker und Kulturschaffende, die Räume fristgerecht zum 31. März verlassen hatten, sollte am Donnerstag die Schlüsselübergabe erfolgen. Doch das wollte die linksautonome Szene verhindern. Die Aktivisten leisteten aber keinen Widerstand, als die Polizei eintraf.