Kinderhilfswerk

In Hamburg startet Schutzprojekt für Flüchtlingskinder

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Friederike Ulrich
Staatssekretär Ralf Kleindiek (l.), Maike Röttger von Plan International und Harald Halpick, Regionalverstand der Johanniter in Hamburg, stellen das Schutzprogramm für Flüchtlingskinder vor

Staatssekretär Ralf Kleindiek (l.), Maike Röttger von Plan International und Harald Halpick, Regionalverstand der Johanniter in Hamburg, stellen das Schutzprogramm für Flüchtlingskinder vor

Foto: Marcelo Hernandez

Mit dem Modell-Projekt will Plan International Kinder vor Gewalt schützen. Es soll Vorbild für Einrichtungen in ganz Deutschland werden.

Hamburg.  Flüchtlingskinder sind besonders gefährdet, Opfer von Gewalt oder Missbrauch zu werden. Das gilt auch für die Jungen und Mädchen in deutschen Flüchtlingseinrichtungen. Um sie besser zu schützen, haben das Kinderhilfswerk Plan International und die Johanniter-Unfall-Hilfe in Hamburg jetzt ein Modellprojekt zum Schutz der Flüchtlingskinder gestartet.

Das Projekt trägt den Titel „Stärkung einer kinderfreundlichen Umgebung und Sicherstellung des Kinderschutzes in Hamburger Flüchtlingsunterkünften“. Es wird vom Bundesfamilienministerium mit 500.000 Euro unterstützt. Das Schutz-Programm beinhaltet unter anderem gesonderte Kinderräume, separate Toiletten und eine ausreichende Bewachung der Unterkünfte.

Mitarbeiter werden seit Januar geschult

Im Hebst 2015 wurden die Gespräche aufgenommen, seit Januar schult Plan die Mitarbeiter der Johanniter, die in Hamburg in mittlerweile vier Zentralen Erstaufnahmeeinrichtungen rund 2000 Flüchtlinge betreuen. „Wir wollen die Voraussetzungen für ein kinderfreundliches Umfeld in den Flüchtlingsunterkünften schaffen“, sagt Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International Deutschland. „Dabei setzten wir die große Erfahrung ein, die wir im Rahmen unserer weltweiten humanitären Hilfe erworben haben.“

Plan engagiert sich in 51 Ländern der Erde und betreut darüber hinaus Zehntausende Flüchtlingsfamilien in Asien und Afrika. Ebenso wie dort werde man sich jetzt auch in Hamburg nach den globalen Standards zum Kinderschutz richten, so Maike Röttger.

Betreiber erhalten eine Checkliste

Das Konzept für die Hamburger Einrichtungen beinhaltet eine Checkliste, mit deren Hilfe die Betreiber die Infrastruktur in ihren Unterkünften auf Kinderschutzrisiken überprüfen können. Dazu gehören Kriterien, nach denen sie Sicherheitsrisiken für Kinder identifizieren können, etwa bei der Erreichbarkeit der sanitären Anlagen oder der Lage der Schlafplätze.

Aufgebaut ist das Programm als Drei-Säulen-Modell. Es umfasst zum einen das Errichten von kinderfreundlichen Bereichen, in denen psychosoziale Angebote den Jungen und Mädchen helfen, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Es gibt ein Beratungssystem, das den Umgang mit Kinderschutzfällen in der Unterkunft regelt. Und Aktivitäten, um Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, ihre Rechte und Interessen kennenzulernen und einzufordern.

Projekt soll deutschlandweit Vorbild werden

Das Kinderschutz-Konzept ist zunächst auf ein Jahr angelegt. Bislang wird es in der Zentralen Erstaufnahme Kieler Straße/Melanchthonstraße umgesetzt. Ab Mai soll es in den Einrichtungen Wendenstraße und Wiesendamm angewendet werden sowie in der Unterkunft im ehemaligen Max-Bahr-Baumarkt an der Kurt-A.-Körber Chaussee, deren Betrieb die Johanniter derzeit von Fördern & Wohnen übernehmen. Schon jetzt zeige sich der Erfolg der Kooperation mit Plan, so Harald Halpick, Regionalverstand der Johanniter in Hamburg. „Die Kinder in den Einrichtungen toben und sehen glücklich aus“, sagt er.

Das Modell-Projekt, das Vorbild für Einrichtungen in ganz Deutschland werden soll, sei nur ein erster Schritt, so Staatssekretär Ralf Kleindiek, der für die Vorstellung des Programms aus Berlin angereist war. „Neben konkreten und praktikablen Schutzkonzepten brauchen wir eine gesetzliche Regelung, die den Schutz von Frauen und Kindern in den Einrichtungen gewährleistet.“

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