Hamburg-Mitte

Gänsemarkt: Lessing-Denkmal geht auf Wanderschaft

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Matthias Schmoock
So soll der Gänsemarkt nach Abschluss der Arbeiten aussehen

So soll der Gänsemarkt nach Abschluss der Arbeiten aussehen

Foto: Otto Wulff BID Gesellschaft mbH

Die seit Jahren angekündigte Umgestaltung des Platzes für 2,1 Millionen Euro soll Ende 2016 beendet sein. Nebenstraßen folgen später.

Neustadt.  Plötzlich ging alles ganz schnell. Nachdem es auf dem Gänsemarkt monatelang kaum voranging, drücken die Initiatoren des Business Improvement Districts (BID), in dem die Grundeigentümer und Gewerbetreibenden des Quartiers sich zusammengeschlossen haben, jetzt aufs Tempo. „Alles in allem geben wir den Hamburgern ihren Gänsemarkt als zentralen Treffpunkt zum Verweilen ein Jahr früher zurück als ursprünglich geplant“, sagt Sebastian Binger, Geschäftsführer der für die BID Gänsemarkt zuständigen Otto Wulff BID Gesellschaft mbH. Um diesen ehrgeizigen Zeitplan umzusetzen, haben die Verantwortlichen das Gesamtprojekt entzerrt und die einzelnen Bauabschnitte neu geordnet.

Wie berichtet, beinhaltet die Umgestaltung neben dem Gänsemarkt auch die Poststraße, Gerhofstraße und ABC-Straße. Um den beliebten Platz schneller als geplant fertig zu stellen, rücken die dort anstehenden Arbeiten auf der Prioritätenliste nach oben, der Umbau der Nachbarstraßen folgt später. In dem aktualisierten Zeitplan heißt es dazu beispielsweise: Maßnahmen zur Umgestaltung des Gänsemarkts: statt Mitte 2017 nun Mitte 2016, voraussichtlich von Juni an. Aber auch: Maßnahmen zur Umgestaltung der Poststraße: statt Mitte 2016 nun ab Anfang 2017.

Die Baumaßnahmen in der Gerhofstraße sorgen bei den Anrainern für Verdruss

Auch der Zeitrahmen für die Maßnahmen zur Umgestaltung der Gerhofstraße verschiebt sich: Statt Ende 2016, wie ursprünglich angekündigt, ist im aktualisierten Zeitplan jetzt von Mitte 2017 die Rede. Diese Umplanung steht im Zusammenhang mit der aufwendigen Modernisierung des Stromnetzes im Quartier. Erst Ende Januar waren die Anrainer darüber informiert worden, dass sich die geplante Neugestaltung durch das BID wegen dieser Maßnahmen um drei Monate verschieben werde.

Die damit zusammenhängenden Erdarbeiten seien so aufwendig, dass der ursprünglich geplante Zeitrahmen nicht einzuhalten sei. Unter anderem müssten so gut wie alle unter dem Gänsemarkt und den Nachbarstraßen verlaufenden Kabel ausgegraben und neue, leistungsstärkere verlegt werden. Diese Maßnahmen, die nicht in die Verantwortlichkeit des BID fallen, hatten dem Vernehmen nach bei den Anrainern für viel Verdruss gesorgt, zumal ihre Geduld in den vergangenen Monaten ohnehin durch viele Baustellen in der Gegend strapaziert worden war. Die jetzt gefundene Lösung entspricht, vereinfacht gesagt, einer Art Wanderbaustelle: Die über das BID laufenden Umgestaltungsarbeiten werden den Arbeiten für das neue Stromnetz angepasst. Immer dort, wo die Arbeiten am Stromverteilungsnetz abgeschlossen sind, wird auch die Oberfläche umgestaltet.

„Um nicht zweimal umfangreiche Baumaßnahmen durchführen zu müssen, hat das BID den Zeitplan für die Sanierungsarbeiten im Quartier angepasst“, hieß es dazu am gestrigen Donnerstag. Bei der Vorstellung des neuen Plans übten sich die Grundeigentümer und Gewerbetreibenden des Quartiers in Geschlossenheit, auch wenn die neue Planung, wie es in den Unterlagen heißt, vorbehaltlich plan- und witterungsbedingter Änderungen erstellt wurde. „Für uns ist der Gänsemarkt der beste Standort in Hamburg – ein gewachsener Platz mit vielen alteingesessenen Geschäften“, sagte Thomas Wolff, Inhaber des Friseurbetriebs Peter Polzer. Wolff: „Die ansässigen Händler sind Baustellen gewohnt und freuen sich nun über den geänderten Zeitplan.“ Und Herrenausstatter Frank Rudolf sinniert: „Hier findet man die höchste Dichte an individuell geführten Geschäften – ein Grund, warum man hier flanieren sollte und warum die ganze Welt bei uns zu Gast ist.“

Das Lessing-Denkmal erhält seinen ursprünglichen Platz

Sicher ist: Dem Gänsemarkt und seiner Umgebung steht eine komplette Umgestaltung bevor. Unter anderem werden im gesamten Quartier portugiesische gelb-beige Granitsteine in zwei Farbnuancen verlegt. Außerdem werden die Stadtmöbel erneuert und zusätzliche Bäume gepflanzt. Das Lessing-Denkmal erhält seinen ursprünglichen Standort in der Mitte des Platzes zurück. Die reinen Baukosten für die Umgestaltung des öffentlichen Raums liegen bei rund 2,1 Millionen Euro. Mit der Neugestaltung soll auch die optische Lücke geschlossen werden, die der Gänsemarkt erkennbar zwischen den bereits entwickelten Nachbarquartieren an der Dammtorstraße (Opernboulevard) und Jungfernstieg bildet.

Im März wird das schwedische Einrichtungshaus Granit an der Poststraße eröffnen. Die einstige Passage hinter dem denkmalgeschützten Girardet-Haus wird es nicht mehr geben. Die Fläche wurde neu aufgeteilt – dort befinden sich auch das Bekleidungsgeschäft Thomas i-Punkt und das kürzlich eröffnete Restaurant Vapiano.

Ursprünglich sollte schon im Frühjahr 2015 mit der Umgestaltung begonnen werden. Das kündigte die Stadtentwicklungsbehörde im März 2014 an.

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