Gesundheit

Hamburg baut Angebote in Krankenhäusern aus

Herzoperation im  Albertinen-Krankenhaus in Hamburg

Herzoperation im Albertinen-Krankenhaus in Hamburg

Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius/Fabricius

530 zusätzliche Betten bis 2020, vor allem Kinder, Ältere und psychisch Kranke sollen profitieren. Krankenhausplan ruft Kritik hervor.

Hamburg wird in den kommenden fünf Jahren die Kapazitäten seiner Krankenhäuser weiter ausbauen. Bis 2020 soll es in den Kliniken der Hansestadt 530 Betten mehr geben als heute. Das legt der Krankenhausplan fest, den Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Dienstag im Rathaus vorgestellt hat. Ausgebaut werden soll vor allem die Versorgung in den Bereichen Altersmedizin, Kinderheilkunde und in der Psychiatrie. Zudem soll es zusätzliche Angebote für Schlaganfallpatienten geben.

„Mit dem neuen Krankenhausplan bis 2020 wird die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser in Hamburg, an einem der bedeutendsten Standorte der Gesundheitswirtschaft in Deutschland, weiter gestärkt“, sagte Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks. „Bei der Fortschreibung ziehen wir Konsequenzen aus der gestiegenen Inanspruchnahme und verankern Qualitätsvorgaben für mehr Sicherheit der Patientinnen und Patienten.“

Gegen den Trend: Hamburg schafft zusätzliche Betten

Während fast überall in Deutschland Krankenhauskapazitäten abgebaut würden, schaffe Hamburg zusätzliche Betten „in der Größe eines ganzen Krankenhauses“, so Prüfer-Storcks. „2020 planen wir mit rund 12.350 Betten, also mit einem Plus von 530 Betten gegenüber heute. Dazu kommen 1174 teilstationäre Behandlungsplätze.“

Zwar sei die durchschnittliche Verweildauer der Patienten in den Kliniken (derzeit 7,6 Tage) aufgrund der medizinischen Fortschritte und der guten ambulanten Angebote gesunken, so Prüfer-Storcks. Zugleich aber würden die Hamburger Krankenhäuser, die im Jahr 2014 insgesamt 487.000 stationäre Behandlungen durchgeführt hätten, immer häufiger von Patienten aus dem Umland und aus anderen Bundesländern in Anspruch genommen.

Jeder dritte Patient kommt aus dem Umland

Insgesamt kämen 31 Prozent der Patienten nicht aus Hamburg. Das mache eine Erhöhung der Bettenzahl notwendig. Die Investitionen würden teilweise von den Nachbarländern dadurch ausgeglichen, dass Hamburger Betten etwa auch im Krankenhausplan von Schleswig-Holstein aufgenommen worden seien.

Die Altersmedizin soll laut Planung in Hamburg vor allem durch die Schaffung einer zwölften geriatrischen Abteilung mit Tagesklinik im Asklepios Klinikum Harburg gestärkt werden. Zudem werde die Geriatrie am Katholischen Marienkrankenhaus und im Agaplesion Diakonieklinikum ausgebaut. Für beatmungsbedürftige Patienten nach Schlaganfällen oder anderen schweren Erkrankungen soll sich die Versorgung durch den Ausbau der neurologisch-neurochirurgischen Frührehabilitation in der Schön Klinik Hamburg Eilbek, der Asklepios Klinik Nord und im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand verbessern.

Zusätzliche Plätze in der Tagesklinik des Marienkrankenhauses sollen die Behandlung von Patentinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen stärken.

Alte, Kinder und Psychiatrie-Patienten im Fokus

Vorgesehen ist laut Gesundheitsbehörde auch der „bedarfsgerechte Ausbau der Versorgung in der Kinderheilkunde“, etwa durch das neue Angebot einer pädiatrischen Tagesklinik in der Asklepios Klinik Nord-Heidberg und zusätzliche Betten für beatmungsbedürftige Kinder und Jugendliche im Altonaer Kinderkrankenhaus. „Mit dem Ausbau der kinderorthopädischen Versorgung von behinderten Kindern und Jugendlichen im Altonaer Kinderkrankenhaus bleiben den betroffenen Familien lange Wartezeiten und Aufenthalte außerhalb Hamburgs erspart“, so die Behörde.

Im Bereich der psychiatrischen Fachgebiete konzentriere sich der Krankenhausplan auf die „bedarfsgerechte Sicherung der regionalen Pflicht- und Akutversorgung“. Für Patienten aus Hamburg soll das Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus der Stiftung Alsterdorf eine neue psychiatrische Tagesklinik schaffen. Die Versorgung psychisch kranker Eltern und Kinder soll außerdem mit dem Aufbau einer „Eltern-Kind-Einheit im Asklepios Klinikum Harburg mit insgesamt 20 Betten“ verbessert werden.

Darüber hinaus würden „die Krankenhäuser und Krankenkassen als Kostenträger aufgefordert, gemeinsame Konzepte von Allgemeinpsychiatrie und Kinder- und Jugendpsychiatrie zur Versorgung von Patienten im Alter zwischen 16 und 25 Jahren zu entwickeln“. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie des Katholischen Kinderkrankenhauses Wilhelmstift werde zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychosomatischen Erkrankungen durch den Aufbau von 15 Betten gestärkt, so die Behörde.

„Die psychiatrischen Krankenhäuser sollen außerdem spezialisierte Versorgungsangebote für Patienten mit Migrationshintergrund entwickeln. Zudem würden durch „bedarfsgerechtere patientenindividuelle Behandlungskonzepte“ künftig mehr Menschen in psychiatrischen Tageskliniken behandelt werden.

Streit mit Krankenkassen und Krankenhäusern

Prüfer-Storcks räumte ein, dass der Krankenhausplan nicht im Konsens mit den Trägern der Kliniken und den Krankenkassen beschlossen worden sei. Die Kliniken hätten sich noch mehr Betten gewünscht, die Krankenkassen dagegen seien gegen die Aufstockung gewesen. Das sei allerdings der Normalfall, so dass fast alle Krankenhauspläne im Dissens beschlossen würden, so Prüfer-Storcks.

Die Senatorin betonte, dass von einem bisweilen behaupteten Rückgang der Investitionen in die Krankenhäuser in Hamburg keine Rede sein könne. So seien in ihrer Amtszeit zwischen 2011 und 2015 insgesamt 563 Millionen Euro in die Krankenhäuser investiert worden, in den Jahren von 2006 bis 2010 dagegen nur 508 Millionen Euro.

2017 soll der Krankenhausplan aufgrund der Daten aus dem Jahr 2016 an die neuen Entwicklungen angepasst werden.