Streit zu Weihnachten

Nach den Festtagen trennen sich besonders viele Paare

Streit unterm Tannenbaum: Für viele Paare sind die Weihnachtstage die letzten gemeinsamen Tage

Streit unterm Tannenbaum: Für viele Paare sind die Weihnachtstage die letzten gemeinsamen Tage

Foto: dpa/Andreas Gebert

Weihnachten ist für viele Paare die letzte Zeit zu zweit. Hamburger Paartherapeut beobachtet zunehmend Krach statt Fest der Liebe.

Hamburg. Der Weihnachtsbaum steht noch, aber sonst ist zu Beginn des neuen Jahres nichts mehr, wie es war. In vielen Familien endet Weihnachten oft in Zank und Streit. Statt einem Fest der Liebe sind die Feiertage für viele Paare die letzten gemeinsamen Tage. Paartherapeuten, aber auch Scheidungsanwälte berichten davon, dass nach dem Fest die Zahl der Trennungen in Deutschland zunimmt.

Der Sozialpädagoge und Paartherapeut Ole Andersen aus Hamburg beobachtet dieses Phänomen schon seit ein paar Jahren. 2008 hat er die Internetseite beraterteam.info gestartet, ein Onlineportal für Beziehungstipps. Kurz vor Weihnachten und nach den Feiertagen verzeichnet er bei Klicks auf seiner Internetseite sowie bei E-Mail-Anfragen und Hotline-Anrufen einen erhöhten Beratungsbedarf. Dieser Trend bestätige sich seit 2008 immer wieder aufs Neue, sagt Andersen.

„An Weihnachten liegen die Nerven oft blank“, erklärt er. „Die Vorweihnachtszeit und der Geschenkemarathon sind oftmals sehr anstrengend, die Arbeitsbelastung im Job ist kurz vor Weihnachten sehr hoch. Das entlädt sich dann leicht im Streit.“ Gleichzeitig beobachtet Andersen, dass die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr Zeit zum Nachdenken geben: „Die Zeit 'zwischen den Jahren' ist eine Zeit der Besinnung“, sagt er. Wer prinzipiell mit einer Beziehung unzufrieden sei, dem werde das in so einer Besinnungszeit wieder bewusst.

Trennung zu Jahresbeginn: Steuerlicher Vorteil

„Weihnachten ist im europäischen Raum das höchst aufgehängte Familienfest“, sagt die Augsburger Psychologin Angelika Schlüter. Der Erwartungsdruck in den Familien sei oftmals hoch. Häufig fahren Familien an Weihnachten Hunderte Kilometer, um an den Feiertagen die Großeltern zu besuchen. „Die Erwartung ist da, dass man mit seiner Familie viel Zeit verbringt“, sagt Schlüter und fügt hinzu: „Wenn es schon Spannungen in der Familie gibt, wird es an Weihnachten schlimmer.“ Der Druck, dann eine gute Zeit gemeinsam haben zu müssen, sei enorm.

Belastbare Zahlen, wie viele Paare sich tatsächlich nach Weihnachten trennen, gibt es nicht. Der Stuttgarter Fachanwalt für Familienrecht, Tobias Zink, bestätigt allerdings aus seiner Praxis die Tendenz, dass zu Beginn des neuen Jahres der Bedarf nach einer Beratung in Sachen Trennung besonders groß ist. „Weihnachten ist seelischer Ausnahmezustand ohne die Ablenkung des Alltags“, sagt der Jurist. Unter Beziehungskrisen werde dann gerne der Schlussstrich gezogen.

Zink verweist aber auch auf einen steuerlichen Vorteil für die Trennung zum Jahresbeginn: „Für das Finanzamt beginnt das Getrenntleben immer erst am Ende des Kalenderjahres“, sagt der Scheidungsanwalt. „Trennt sich ein Paar nach dem 1. Januar, bleibt es noch fast ein Jahr bis 31. Dezember in der günstigen Steuerklasse.“