Hamburg

Jakob von Uexküll ist ein Mann für die Zukunft

Jakob von Uexküll, 71, lebt inzwischen in London, der Hauptsitz seines Zukunftsrates ist aber Hamburg

Jakob von Uexküll, 71, lebt inzwischen in London, der Hauptsitz seines Zukunftsrates ist aber Hamburg

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Der 71-Jährige setzt sich mit dem World Future Council für nachhaltiges Handeln ein. Am Dienstag wird Preis im Rathaus verliehen.

Hamburg.  Dass bei einem Kongress im chinesischen Shanghai der Sitzplatz neben dem der UN mit einem Schild reserviert war, auf dem „WFC“ stand, ist für Jakob von Uexküll ein besonderer Moment gewesen, eine Würdigung seiner Arbeit. Zeigt dieses Namensschild doch, wie viel der 71-Jährige mit seinem World Future Council (kurz WFC) erreicht hat. Von Uexküll, bekannt als Initiator und Stifter des Alternativen Nobelpreises, setzt sich mit seinem Zukunftsrat seit acht Jahren für ein verantwortungsvolles, nachhaltiges Denken und Handeln ein – immer mit dem Blick auf zukünftige Generationen. Einmal im Monat kommt er aus London nach Hamburg, an den Hauptsitz seines Zukunftsrates an der Liliencronstraße in der Altstadt. Dieses Mal bleibt von Uexküll ein paar Tage länger in seiner alten Heimat – denn am Dienstag ehrt die Stadt unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Olaf Scholz den Gewinner des diesjährigen Future Policy Awards bei einem Empfang.

Der Mann, der hier im Konferenzraum sitzt, hochgewachsen, aschblondes Haar, grauer Pullover, hat Edward Snowden mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse und hat dem britischen Parlament geholfen, das Erneuerbare-Energien-Gesetz nach deutschem Vorbild einzuführen. „Als Stimme der künftigen Generation“, versteht er sich. Klima- und Energiefragen, Kinderrechte sind seine Themen. Seit mehr als 30 Jahren reist er dafür um die Welt. Häufig muss er für sein Engagement entgegen seiner Überzeugungen das Flugzeug nehmen. Und dann wird dieser ruhige Herr ein bisschen lauter: „Es ist skandalös, dass viele Nachtzüge in Europa eingestellt wurden, zum Beispiel zwischen Berlin und Brüssel.“ Höhere Klimaabgaben für Billigflieger seien notwendig. Um wirkliche Weichen im Klimaschutz zu stellen, werde zu wenig getan. „Die Politik ist nicht aus einem Guss.“

Was er denn selber für den Umweltschutz leiste? Er fährt zu Hause in London, wo er im grünen Hampstead Heath lebt, kein Auto, trennt den Müll. Und seinen drei Kindern scheinen von Uexküll und seine Frau die richtigen Werte vermittelt zu haben: Als sein heute 26 Jahre alter Sohn noch klein und in einem Spielwarenkaufhaus mit seinem Vater gewesen sei, habe er auf die Frage, ob er noch etwas haben wolle, geantwortet: „Ich habe schon zwei Geschenke, das reicht doch.“

Der kleine Jakob verbrachte viel Zeit mit seiner Briefmarkensammlung

Im schwedischen Uppsala geboren, ist Jakob von Uexküll mit elf Jahren mit seiner schwedischen Mutter, dem deutschen Vater und seiner Schwester nach Hamburg gezogen und auf der Uhlenhorst aufgewachsen. Er ging in St. Georg zur Schule und später auf die Internationale Schule. Sein Vater hatte während des Zweiten Weltkrieges Juden bei der Flucht aus Deutschland geholfen und musste dann ebenfalls vor den Nazis nach Schweden fliehen. Später arbeitete er in Hamburg als Journalist. Der kleine Jakob verbrachte viel Zeit mit seiner Briefmarkensammlung, die er im Laufe der Jahre vervollständigte. Das ist die Anekdote seines Lebens: Im Laufe der 70er-Jahre verkaufte von Uexküll einen Großteil seiner Briefmarken für rund eine Million Dollar und nahm dieses Geld, um den Alternativen Nobelpreis ins Leben zu rufen – den Right Livelihood Award. Der Beginn seines Engagements.

Bei allem liegt ihm Hamburg am Herzen. Immer noch. „Hamburg ist das Tor zur Welt, das Tor in die Zukunft“, sagt er. Wie bitte? Wenige Tage nach dem Aus für die Olympia-Bewerbung verspotten doch viele Olympia-Befürworter die Neinsager der Stadt als Menschen ohne Fortschrittsgedanken, die Angst vor der Zukunft haben und wollen, dass alles bleibt wie es ist. Das sieht der Mann, der sich viel mit der Zukunft unseres Planeten beschäftigt, der Vorträge über den Klimaschutz hält, über nachhaltiges Wirtschaftswachstum referiert und Regierungen berät, anders: „Hamburg kann sich als Tor zur Welt und zur Zukunft auf anderen Gebieten als Olympia profilieren und zum Beispiel internationale nichtstaatliche Organisationen langfristig unterstützen statt kurze Riesenevents zu finanzieren.“

Hamburg hätte mit Umweltproblemen und dem Flüchtlingsstrom schon genug zu tun. „Diese Herausforderungen sind nicht aufzuhalten“, sagt Jakob von Uexküll. Zu diesen Herausforderungen gehöre auch die Migration von Flüchtlingen, die nicht nur vor Kriegen nach Europa fliehen, sondern auch aus Klimagründen. „Die Zahl der Klimaflüchtlinge wird weiter zunehmen, weil sich in Afrika Zeiten der extremen Dürre mit viel zu starken Regengüssen, die alles zerstören, abwechseln.“

Kindern Naturerlebnisse zu vermitteln, mit ihnen hinausgehen, sei wichtig, um sie für den Umweltschutz einnehmen zu können. Sein Sohn, so schließt Jakob von Uexküll mit einer weiteren Anekdote, habe zu Hause in Hampstead noch sehen können, wie sich ein Fuchs einen Vogel schnappte. Echte Natur eben.