Hamburg

Flüchtlinge: Anwohner fühlen sich alleingelassen

Ein Stop-Schild am Eingang zum Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg-Bahrenfeld

Ein Stop-Schild am Eingang zum Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg-Bahrenfeld

Foto: dpa Picture-Alliance / Bodo Marks / picture alliance / dpa

Vertreter von Bürgerinitiativen diskutieren im Hamburger Abendblatt. Muss man erst klagen? Anwohner werfen Behörden Ignoranz vor.

Hamburg. Anwohner von geplanten Flüchtlingsunterkünften haben der Politik und den Behörden der Stadt vorgeworfen, ihre berechtigten Sorgen und Einwände zu ignorieren. „Es gibt keine ehrlichen Informationen, oftmals sogar gar keine“, sagte Anja Schümann von der Bürgerinitiative „Gemeinsam in Poppenbüttel“ bei einem runden Tisch. „Wenn wir uns dann wehren, Informationen einfordern und eigene Vorschläge unterbreiten, gibt es keine sachliche Diskussion.“

Das Abendblatt hatte Vertreter von sieben Bürgerinitiativen, die sich gegen überdimensionierte Flüchtlingsunterkünfte in ihrer Nachbarschaft wehren, in die Redaktion eingeladen. Dabei berichteten die Teilnehmer über ihre jüngst gemachten Erfahrungen.

Oftmals würden Vorschläge der Nachbarn von den Behörden erst ernst genommen, wenn eine Klage vor Gericht drohe, hieß es. „Wir haben erkennen müssen, dass die Behörden und die regierenden Politiker erst dann mit den Bürgern reden, wenn geklagt wird“, sagte Christoph Hütteroth von der Initiative „Lebenswertes Klein Borstel“ und fragte: „Was ist das denn für ein Signal an die Bürger: ,Wir reden erst mit euch, wenn ihr euch wehrt‘ ?“

Übereinstimmend machten die Bürgervertreter deutlich, dass sie die Zusammenarbeit mit rechten Gruppierungen ohne Wenn und Aber ablehnten und keine Probleme mit der Unterbringung von Flüchtlingen in ihrer Nachbarschaft hätten. Sie fürchteten, dass Integration nicht gelingt, wenn mehrere Tausend Flüchtlinge in einer Großsiedlung konzentriert würden. „Wie soll denn ein syrisches Kind die deutsche Sprache erlernen, wenn es unter 2000 arabischen Menschen lebt?“, fragte Simone Presto aus Poppenbüttel.

Sollte sich die Stadt mit den Bürgerinitiativen, die sich für kleinere Flüchtlingsunterkünfte stark machen, an einen Tisch setzen?

Klaus Schomacker aus Rissen verwies auf Erfahrungen mit der Olympiabewerbung. „Warum gibt es eigentlich keine Projektgesellschaft für die Unterbringung von Flüchtlingen, ähnlich wie die Bewerbergesellschaft für Olympia?“ Zudem schlug Schomacker vor, dass Gespräche zwischen Bürgern und Behörden moderiert werden könnten.

Lesen Sie den großen Report in der Sonnabendausgabe des Hamburger Abendblatts