Recycling

Hamburg will Papier- und Biotonnen zwangsweise aufstellen

Jeder Hamburger soll künftig seinen Müll trennen können

Jeder Hamburger soll künftig seinen Müll trennen können

Foto: Marcelo Hernandez / HA

In der Stadt gibt es zu wenig Recycling. Letzte Warnung an 45.000 Hausbesitzer, Vermieter und Wohnungsunternehmen.

Hamburg.  Für die vielen Hamburger Recyclingverweigerer wird es eng. Die Stadtreinigung erhöht den Druck auf Vermieter und Hausbesitzer, die von Bio- und Altpapiertonnen nichts wissen wollen – obwohl sie zur Aufstellung rechtlich verpflichtet sind. „Wir werden jetzt rund 45.000 Briefe an diejenigen verschicken, die bisher keine solche Tonnen aufgestellt haben“, sagte Stadtreinigungs-Sprecher Andree Möller dem Abendblatt. „90 Prozent der Briefe gehen an die Wohnungswirtschaft, zehn Prozent an Einzelhausbesitzer.“ In dem Schreiben werde den Empfängern indirekt auch eine zwangsweise Aufstellung der Recyclingtonnen angedroht.

„Wir üben jetzt sanften Druck aus“, sagte Stadtreinigungs-Geschäftsführer Rüdiger Siechau. „Uns geht es darum, ins Gespräch zu kommen. Gar nicht mit uns zu reden, das geht nicht. Wir weisen darauf hin, dass man mit einer Reaktion einen Pflichtanschluss vermeiden kann.“

Übersetzt heißt das: Wer auch dieses Schreiben der Stadtreinigung ignoriert, dem könnten bald grüne und blaue Tonnen auch gegen seinen Willen in den Vorgarten oder in den Innenhof gestellt werden.

Hintergrund: Die seit dem 1. Januar 2011 geltende Wertstoff-Verordnung verpflichtet alle Hauseigentümer, neben der Restmülltonne auch Behälter für Bioabfall und Papier aufzustellen. Sie wird aber bis heute immer noch von vielen ignoriert. Auch deswegen steht Hamburg in Sachen Recycling im Ländervergleich nicht gut da, was auch Naturschutzorganisationen wie der BUND immer wieder kritisieren.

Vor allem viele Vermieter sträuben sich gegen die Mülltrennung. Sie haben nämlich, anders als Eigenheimbesitzer, keinen eigenen Kostenvorteil durch die Mülltrennung und die daraus folgende Verkleinerung der teuren Restmülltonnen, denn sie legen die Kosten sowieso auf die Mieter um. Außerdem scheuen viele offenbar den Aufwand für Unterstellvorrichtungen und fürchten Fehler bei der Mülltrennung, die dann wiederum zur Nichtabholung des Mülls führen können.

Senat will Mülltrennung für alle Hamburger

Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne ) will Recyclingmuffel nicht länger gewähren lassen. „In unserer Stadt ist bei diesem Thema schon viel passiert, aber es ist noch deutlich Luft nach oben“, sagte Jens Kerstan dem Abendblatt. „In Hamburg gilt die Pflicht zur Aufstellung von Recyclingtonnen. Vor vielen Einzelhäusern stehen die Tonnen bereits, in Mehrfamilienhäusern hinkt die Entwicklung leider oft noch hinterher. Schon vor Jahren wurde mit der Wohnungswirtschaft vereinbart, diese Anschlusspflicht verbindlich umzusetzen.“

Im ersten Schritt habe man „mit einigem Erfolg“ vor allem auf Freiwilligkeit gesetzt. „Ich begrüße es, dass die Stadtreinigung jetzt auch den nächsten Schritt geht und diejenigen Hauseigentümer, die bislang nicht reagiert haben, letztmalig an die geltende Rechtslage erinnert. Wir gehen davon aus, dass in den kommenden Wochen viele Bestellungen für neue gelbe, blaue oder grüne Tonnen eingehen werden.“ Diejenigen, die nicht reagierten und keine triftigen Gründe für eine Befreiung von der Pflicht geltend machen könnten, „müssen damit rechnen, dass sie in einem dritten Schritt die fehlenden Tonnen angeliefert bekommen und aufstellen müssen“. Ziel des Senats sei, „dass alle Bürger die Möglichkeit für eine haushaltsnahe Mülltrennung bekommen“.

Viele Hamburger Mieter, denen ihre Vermieter die Möglichkeit zur Mülltrennung vorbehalten, sind schon lange genervt – zumal sie auch für die dadurch höheren Kosten aufkommen müssen. Siegmund Chychla vom Mieterverein hatte bereits mit Blick auf die widerwilligen Vermieter betont: „Es gab genug Zeit für eine freiwillige Lösung, das hat nicht gefruchtet.“

Laut den neuesten Zahlen von Ende September gibt es in Hamburg derzeit 285.000 graue Restmülltonnen unterschiedlicher Größen, außerdem 120.000 grüne Biotonnen, was einer Quote von 55,2 Prozent aller Haushalte entspricht. Hinzu kommen 150.000 blaue Papiertonnen (66 Prozent). Nach wie vor macht der Restmüll nach Gewicht den deutlich größten Anteil des Hamburger Abfalls aus. Im Jahr 2014 entsorgte die Stadtreinigung insgesamt 457.000 Tonnen ungetrennten Restmüll. Hinzu kamen 58.500 Tonnen Biomüll, 58.400 Tonnen Altpapier und 5600 Tonnen des sehr leichten Wertstoffs.

Was die Tonnen kosten

Wer Müll trennt, kann auch Gebühren sparen, weil er nach Aufstellung einer blauen Altpapiertonne (kostenlos), einer grünen Biotonne (1,96 Euro im Monat für eine 120-Liter-Tonne) und einer gelben Wertstofftonne (kostenlos) die teure Restmülltonne verkleinern kann. Die schlägt bei wöchentlicher Leerung mit immerhin 15,18 Euro im Monat zu Buche. Die Wertstoffe können auch in den vorgeschriebenen gelben Säcken an den Abholungstagen an den Straßenrand gestellt werden.

Mehr Infos zu Gebühren und Bestellmöglichkeiten gibt es unter http://www.stadtreinigung.hamburg/privatkunden/gebuehren/ im Internet oder unter Telefon 040/25760.