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Biotonne wird Pflicht für Bürger im Landkreis Harburg

Auch im Landkreis Harburg wird die Mülltrennpflicht jetzt umgesetzt

Auch im Landkreis Harburg wird die Mülltrennpflicht jetzt umgesetzt

Foto: awl / bz

Für die Übergangszeit bis 2019 können die Bürger ihre Küchenabfälle zu den vier Annahmestellen des Landkreises bringen

Hittfeld/Winsen.  Die Bürger im Landkreis Harburg dürfen ihre Küchenabfälle vom 1. April 2019 an nicht mehr in den Hausmüll werfen. Der Kreistag hat auf seiner Sitzung am Donnerstag in der Burg Seevetal in Hittfeld für die flächendeckende Einführung der Biotonne gestimmt. Für die Übergangszeit bis 2019 können die Bürger ihre Küchenabfälle zu den vier Annahmestellen des Landkreises bringen, um der bundesweiten Pflicht zur Getrenntsammlung nachzukommen. Die vierwöchentliche Straßensammlung von Grünabfällen wird zunächst bis 2020 bestehen bleiben.

Welche finanziellen Auswirkungen die Biotonne auf die Privathaushalte hat, ist noch nicht eindeutig absehbar. Die Kreisverwaltung geht bisher von jährlichen Gesamtkosten für Einsammlung, Transport und Verwertung in Höhe von 2,7 Millionen Euro aus. Allerdings würden durch die Biotonnen die Kosten für die Hausmüllentsorgung von bisher 7,9 Millionen Euro pro Jahr auf 3,1 Millionen Euro sinken, so dass die Bürger insgesamt mit niedrigeren Gebühren rechnen dürften.

Die Abholung soll nach bisherigem Stand alle zwei Wochen erfolgen

Geplant ist, dass Biotonnen mit einem Volumen von 60, 120 und 240 Liter angeboten werden. Die Abholung soll nach bisherigem Stand alle zwei Wochen erfolgen. Ob der Hausmüll dann wie bisher alle zwei Wochen abgeholt wird oder nur noch alle vier Wochen, ist noch offen. Die Kreisverwaltung wies darauf hin, dass eine vierwöchentliche Abholung eine größere Ersparnis bringen würde. Aus hygienischer Sicht sei ein Vier-Wochen-Intervall beim Hausmüll ebenfalls nicht bedenklich, da ja dann kein Biomüll mehr darin enthalten sei.

Gerade beim Thema Hygiene hatten viele Mitglieder der CDU-Fraktion sehr wohl Bedenken. Heike Meyer stellte die Frage, wer für die Reinigung der Biotonnen zuständig sein soll. „Ich halte sie für hygienisch bedenklich“, sagte sie. Damit traf sie den Nerv eines Bürgers aus Hittfeld, der sich in der Einwohnerfragestunde zu Wort meldete und das Problem der Madenbildung ansprach. Willy Isermann verwies auf die ländliche Struktur des Kreises, viele Haushalte hätten doch einen Komposthaufen.

Hier hakte sein Parteikollege Norbert Fraederich ein. Ob denn auch die Bürger, die bereits seit Jahren im eigenen Garten kompostieren, mit einer Biotonne „zwangsbeglückt“ werden, wollte er wissen. Für Harald Stemmler (WG) war dies sogar die vorrangigste Frage. „Wir stimmen nur dann zu, wenn es die Möglichkeit der Befreiung gibt“, sagte er. Die Kreisverwaltung versicherte, dass das möglich sei.

„Fast das gesamte Land hat eineBiotonne, nur wir nicht!“

Im Gegensatz zur CDU hielten es die Grünen für „unfassbar“, wie es Elisabeth Bischoff formulierte, dass der Landkreis die Getrenntsammlung von Bioabfällen nicht bereits zum 1. Januar dieses Jahres umgesetzt habe. So sei es eigentlich Vorgabe des Bundes gewesen. Das fand auch Christa Beyer (SPD) unerklärlich: „Fast das gesamte Land hat eine Biotonne, nur wir nicht.“

Kreisrat Björn Hoppenstedt erklärte, dass der Landkreis im ständigen Kontakt mit dem niedersächsischen Umweltministerium stehe und sich keinesfalls im rechtsfreien Raum bewege. Der Landkreis sei bei der Hausmüllentsorgung noch bis 2019 an die Stadtreinigung Hamburg gebunden, deshalb könne die Neuregelung – und damit auch die Einführung der Biotonne – erst 2019 erfolgen.

Aus Sicht der Grünen war das kein schlagkräftiges Argument, sie pochten darauf, dass die Biotonne trotz des Altvertrags so schnell wie möglich eingeführt werden müsse. Im Landkreis gebe es schließlich nicht nur ländliche Gebiete, in denen die Bürger kompostieren können, sondern auch dichter besiedelte Städte mit Mietshäusern, sagte Elisabeth Bischoff. Volkmar Block bezeichnete vor allem die Übergangslösung mit den vier Sammelstellen, zu denen der Biomüll gebracht werden soll, als „unsinnige Maßnahme“. Das sah auch Reinhard Riepshoff (Neue Liberale) so. Er stellte provokant die Frage, wie viele Tage er seine Küchenabfälle denn bitteschön sammeln solle, bevor er sie in seinem Auto nach Todtglüsingen zu einer der Sammelstellen schaffen könne.