Bezirksversammlung

Altona-Politiker kassieren "Buh"-Rufe wegen Flüchtlingsplan

Anwohner kritisieren lautstark das Vorhaben, auf einem Gelände in Rissen Wohnungen für 4000 Flüchtlinge zu bauen.

Hamburg. Während das Thema Flüchtlinge bei öffentlichen Veranstaltungen in Altona meist eher Wohlwollen und Unterstützung bei der Bevölkerung erkennen ließ, schlägt nun die Stimmung offenbar um. Zur Aktuellen Stunde der Bezirksversammlung Altona waren am Donnerstagabend etliche Zuschauer aus Rissen gekommen.

Die Redebeiträge der Bezirkspolitiker wurden dabei immer wie mit „Buh“-Rufen und anderen Unmutsbekundungen begleitet. Bei dem Debattenpunkt ging es um den Plan des Senats, innerhalb nur eines Jahres 5600 Wohnungen für Flüchtlinge in Hamburg zu bauen. Die Häuser sollen dem Standard von Sozialwohnungen entsprechen, zunächst für etwa 15 Jahre der Unterbringung von Flüchtlingen dienen und später normal auf dem Wohnungsmarkt angeboten werden.

Altona will das alte THW-Gelände bebauen lassen

Jeder Bezirk ist aufgefordert, Flächen zu nennen, auf denen 800 solcher Wohnungen entstehen könnten. Altona hat dazu ein Areal auf altem THW-Gelände nördlich der Bahn in Rissen gemeldet. Dafür gibt es einen Bebauungsplan, der rund 230 Wohnungen in zweigeschossigen Häusern vorschreibt.

Nun könnten dort 800 Wohnungen für 4000 Flüchtlinge entstehen. In dem Stadtteil wohnen aber nur rund 5000 Menschen, kritisierte der FDP-Politiker Lorenz Flemming. Wie solle das eine vernünftige Integration funktionieren, fragte er und bekam Beifall aus dem Publikum. Vertreter anderer Partei appellierten hingegen an die Gemeinsamkeit im Bezirk. Nur dann könne man eine solche Aufgabe bewältigen.

Politiker wollen die Wohnungen auf unterschiedliche Standorte verteilen

SPD-Fraktionschef Thomas Adrian: „Das ist alles neu, vor so einer Situation standen wir noch nie." GAL-Fraktionschefin Gesche Boehlich warnte, es könne nicht funktionieren, wenn jeder Stadtteil dem anderen die Aufgabe überlassen wollte. CDU-Fraktionschef Uwe Szczesny unterstützte den Plan mit Rissen, wies aber daraufhin, das die Unterbringung von 4000 Menschen an der Stelle zu viel sei und nur in akuter Not kurzfristig möglich sein dürftig.

Tatsächlich fordern die drei großen Parteien in Altona, dass der Bezirk nicht nur ein einziges Areal für die geforderten 800 Wohnungen bereitstellen müsse, sondern mehrere Flächen. Auch Adrian stellte in Aussicht, dass die Größenordnung in Rissen kleiner werden könnte. Doch alle Appelle und Beruhigungsversuche liefen an diesem Abend offensichtlich in Leere. „Lüge“ „Wahnsinn“ „Was macht Ihr mit uns?“ — so in etwa lauteten die Reaktionen.