Lagebericht

Nach Skandal: Ein Besuch bei VW-Händlern in Hamburg

Foto: dpa Picture-Alliance / Ulrich Baumgarten / picture alliance / Ulrich Baumga

Das Abendblatt besuchte erneut Hamburger VW-Händler. Das Ergebnis: wenig verlässliche Informationen und widersprüchliche Aussagen.

Hamburg.  Entschuldigende Gesten zu den Kunden und fragende Blicke zu den Kollegen, so sieht zurzeit der Alltag in vielen Hamburger Autohäusern aus. Auch nach der Verkündung des Kraftfahrt-Bundesamts, VW werde nach der Abgasmanipulation zum Rückruf von Millionen von Fahrzeugen gezwungen, herrscht bei den Händlern oft Ratlosigkeit. Was der Befehl, den das Amt am Donnerstag ausgesprochen hatte, konkret bedeutet, für Autofahrer und für Händler, ist offenbar noch längst nicht klar. „Das wissen wir noch nicht“, ist einer der Sätze, den die Mitarbeiter der VW-Händler dieser Tage häufig sagen. Gefolgt von „Das wird dann geprüft.“ Aber was genau und vor allem, wann geprüft wird, bleibt unklar.

VW muss in Deutschland 2,4 Millionen Autos zurückrufen, europaweit 8,5 Millionen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte, das Amt werde den Beginn und den Fortgang der Aktion überwachen. VW soll nun bis Ende dieses Monats neue Software für die von der Abgasmanipulation betroffenen 2,0-Liter-Modelle vorlegen und einen Monat später eine für die mit 1,6 und 1,2 Litern Hubraum.

Meinungen und Wissen der Händler gehen auseinander

In den Autohäusern in der Stadt ist derweil nicht viel los. Vereinzelt laufen Kunden zwischen den auf den Höfen geparkten Gebrauchtwagen umher, manchmal ist das Gelände bis auf die mit nassem Laub bedeckten Fahrzeuge auch ganz leer. Wer sich doch für einen VW interessiert, muss sich darauf einstellen, dass dieser zu denen gehören könnte, die in einigen Monaten zurückgerufen werden.

„Da sind fast alle betroffen“, sagt ein Mitarbeiter über den Golf mit Dieselmotor. In diesem Punkt gehen die Meinungen allerdings weit auseinander. In einem anderen Autohaus meint der Verkäufer, nur ab dem Golf VI könnten einzelne Autos die entsprechende Software enthalten. In einem anderen Stadtteil heißt es dagegen, der Golf V könne durchaus ebenfalls betroffen sein. Auch im Hinblick auf die Motoren herrscht Unsicherheit: „Benziner sollen ja wohl nicht betroffen sein, so muss man es ausdrücken“, formuliert ein Verkäufer. Auf die Frage danach, welche Fahrzeugjahrgänge die Software enthalten könnten, kommt das obligatorische „Das wissen wir noch nicht.“

Hier geht es zur Themaseite „VW-Affäre“

Anfangs hieß es, 2,8 Millionen VW seien deutschlandweit manipuliert worden. Dass nun weniger zurückgerufen werden, liegt laut Dobrindt daran, dass rund 400.000 der betroffenen Autos nicht mehr auf den Straßen unterwegs seien. Einige der Skandalautos könnten allerdings auch unter den Gebrauchtwagen auf den Höfen der Händler zu finden sein. Wie am Freitag bekannt wurde, verzeichnete der Gesamtkonzern im September 316.000 neu zugelassene Fahrzeuge, was einem Plus von 8,4 Prozent entspricht. Die Kernmarke VW konnte allerdings nur um 6,6 Prozent auf 152.130 Wagen zulegen. Da der Abgasskandal aber erst Mitte September bekannt wurde, rechnen Experten damit, dass erst in den kommenden Monaten Auswirkungen dessen sichtbar werden.

„Wir verkaufen immer noch alte Diesel“, sagt ein Verkäufer. Dass unter den Gebrauchtwagen auf den Höfen der Händler auch solche sind, die im kommenden Jahr zurückgerufen werden, ist wahrscheinlich. Dass zu umgehen, sei derzeit nicht möglich. „Dazu müssten wir sicher wissen, welche Autos betroffen sind“, sagt ein Verkäufer. „Das prüfen wir dann im Einzelfall, wenn sich ein Kunde für ein Auto entschieden hat. Im Moment ist es das Einzige, was wir machen können.“

Rückrufaktion für Januar 2016 vorgesehen

Der ADAC empfiehlt Autofahrern, die aktuell einen Neuwagen oder einen Gebrauchtwagen mit Dieselmotor EA 189 gekauft haben, diesen nur unter Vorbehalt anzunehmen. Dafür hat der Club ein Schreiben auf seine Homepage gestellt. Dabei geht es darum, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Fahrzeuge fehlerhafte Abgaswerte aufwiesen und mangelhaft seien.

Wer bereits ein Auto hat und dieses überprüfen lassen möchte, kann sich bei einem Händler erkundigen, der anhand der Fahrgestellnummer feststellen kann, ob der Wagen in Ordnung ist. Bisher sei die Zahl der Anfragen noch einigermaßen überschaubar, wohl auch, weil viele Kunden noch die Verkündung weiterer Details abwarten wollen. „Wenn es richtig losgeht, muss ich wohl ein paar Monate Urlaub nehmen“, sagt eine Mitarbeiterin ironisch.

Die Frage ist nur, was passiert, wenn ein Auto tatsächlich zu denen gehört, die zurückgerufen werden sollen. „Wir überprüfen das gern, aber mehr wird dann auch erst einmal nicht passieren.“ Nachrichten dazu könnte es im Januar geben, hat eine Mitarbeiterin im Radio gehört, ihr Kollege hat in der Zeitung gelesen, dass es schon im November losgehen könnte. In einem anderen Autohaus sind die Mitarbeiter weniger optimistisch. „Ich will nicht sagen, dass es ewig dauern kann. Aber vor Mitte des nächsten Jahres wird wohl nichts passieren“, sagt ein Verkäufer.

Laut Dobrindt soll die Rückrufaktion im Januar 2016 beginnen. Auf der Internetseite von VW heißt es zu der Frage, wann es weitere Informationen geben werde, nur: „Volkswagen wird Sie über eventuell notwendige Maßnahmen informieren.“ Nach Angaben des Konzerns sind bundesweit die Werkstätten von 2173 Partnern für den geforderten Rückruf autorisiert, die sich dann um die 2,4 Millionen Autos kümmern müssten.