Sommerspiele 2024

Runder Tisch streitet über Kosten für Olympia

Runder Tisch zum Thema "Sport in Hamburg": (v.l.) Präsident Alfons Hörmann (Deutscher Olympischer Sportbund), Erik Heil (Segeln), Jens Gauger (Initiative STOP Olympia), Axel Balkausky (ARD Sportkoordinator), Prof. Dr. Roland Thietje (Präsidium Deutscher Behindertensportverband), Janne Friederike Meyer (Springreiten) Bewerbung Olympische Spiele 2024 in Hamburg

Runder Tisch zum Thema "Sport in Hamburg": (v.l.) Präsident Alfons Hörmann (Deutscher Olympischer Sportbund), Erik Heil (Segeln), Jens Gauger (Initiative STOP Olympia), Axel Balkausky (ARD Sportkoordinator), Prof. Dr. Roland Thietje (Präsidium Deutscher Behindertensportverband), Janne Friederike Meyer (Springreiten) Bewerbung Olympische Spiele 2024 in Hamburg

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Das Thema bei der fünften Ausgabe der Runde lautete „Sport“. Darum ging es aber nur am Rande – die Kosten standen im Mittelpunkt.

Hamburg.  Wenn das olympische Motto „Dabeisein ist alles“ auch für die Teilnahme an einer olympischen Diskussionsrunde gilt, dann hat Alfons Hörmann am Mittwochabend sein Ziel erreicht. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) kam zwar aufgrund der Gesellschafterversammlung der Bewerbungs GmbH (siehe Text auf dieser Seite) eine Stunde verspätet in der Wilhelmsburger Inselparkhalle an, wo die private Olympiainitiative „Feuer und Flamme“ in Kooperation mit Hamburg 1 und dem Abendblatt zum fünften runden Tisch geladen hatte. Das war aber vielleicht gar nicht so schlecht, denn mit seinem Charisma und seiner Präsenz hätte der Bayer die 13 Mitdiskutanten (siehe Infokasten) wahrscheinlich zur Staffage degradiert.

So gehörten dem 55-Jährigen nur die letzten 35 Minuten einer gut eineinhalbstündigen Diskussion, die wieder einmal verdeutlichte, worum es bei der Bewerbung Hamburgs um die Ausrichtung der Sommerspiele 2024 derzeit geht: um die Kosten des größten Sportereignisses der Welt. Ursprünglich hatte das Oberthema des Abends „Sport“ gelautet, doch darüber wurde unter der Moderation von Abendblatt-Sportchef Peter Wenig nur am Rande geredet.

Mittendrin statt nur dabei war vor allem Jens Gauger. Als Vertreter der Initiative „Stop Olympia Hamburg“ hatte der Inhaber des Hamburger Laufladens eine Sonderstellung inne, war er doch der einzige, der deutliche Bedenken an der Sinnhaftigkeit der Hamburger Pläne äußerte. „Mir ist das Konzept nicht fundiert genug. Ich möchte Fakten und nicht diese naive Begeisterung, die die Sportler und Befürworter derzeit ausstrahlen“, sagte der passionierte Marathonläufer.

Warum andere Diskussionsteilnehmer dauerhaft versuchten, Gauger zu überzeugen und ihm als Läufer eine grundsätzliche Olympianähe zu unterstellen, war kaum zu verstehen. Das eigentliche Thema, wie der Sport und seine Institutionen in Hamburg von Olympischen Spielen in unserer Stadt profitieren könnten, wurde dadurch allenfalls gestreift.

Immerhin konnte Hörmann am Ende noch seinen dringenden Appell loswerden, unter dem Eindruck der Flüchtlingsströme nicht den nötigen Weitblick für die zukünftige Entwicklung der Stadt zu verlieren. „Die Themen der Flüchtlingsproblematik und der Olympiabewerbung dürfen einander nicht ausschließen. Vielmehr sollten wir die Bedeutung des Sports für die Integration und das Zusammenfinden unterschiedlicher Kulturen hervorheben“, sagte er.

Olympiasieger fordert mehr Mitspracherecht für die Athleten

Am Mittag hatte Hörmann bereits auf dem „Forum Sport“ der ARD im Rolf-Liebermann-Studio an der Oberstraße seine Ansichten zum Thema Spitzensportförderung geschildert. Unter der Moderation von Gerhard Delling wurde in sechs verschieden besetzten Gesprächsrunden vier Stunden diskutiert, wie effektiv die Förderung deutscher Topathleten derzeit ausfällt, und was in den kommenden Jahren optimiert werden muss. Gerhard Böhm, als Abteilungsleiter Sport im Bundesinnenministerium für die Zuteilung von Staatsgeldern an den Spitzensport zuständig, forderte eine Abkehr von der reinen Strukturförderung hin zu mehr Individualität. „Wir haben gemeinsam das Ziel formuliert, dass wir uns an der Weltspitze orientieren, aber Athleten und deren Trainer mehr in den Vordergrund stellen wollen. Einzelvereinbarungen können für Sportler einen größeren Nutzen haben.“ Der Hamburger Wirtschaftsprofessor Wolfgang Maennig, 1988 in Seoul Olympiasieger im Ruderachter, plädierte für mehr Mitspracherecht der Athleten: „Es gibt durchaus Potenzial, mit weniger Geld Leistungen zu verbessern, wenn das Geld effektiver eingesetzt wird.“

Hintergrund der Diskussionen war die Ansage von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der deutsche Sport solle mittelfristig ein Drittel mehr Medaillen holen, ohne dass die Finanzmittel dafür erhöht würden. Der Hamburger Hockey-Bundestrainer Markus Weise forderte ein gesellschaftliches Umdenken, um dieses Ziel zu erreichen. „Wir haben zu wenige, vor allem zu wenige gute Trainer. Seit Jahrzehnten wissen wir, welchen Einfluss Sport auf Bildung, Integration und Gesellschaft hat, handeln aber nicht danach. Wenn wir nicht umsteuern, wird sich gar nichts verbessern.“

Über das Thema Sport diskutierten am runden Tisch: Axel Balkausky (Sportkoordinator der ARD), Jens Gauger (Stop Olympia Hamburg), Holger Glinicki (Bundestrainer Rollstuhlbasketball), Erik Heil (Europameister Segeln), Alfons Hörmann (Präsident Deutscher Olympischer Sportbund), Marco Klewenhagen (Chefredakteur „Sponsors“), Ralph Lehnert (Geschäftsführer Hamburger Sportbund), Andreas Mattner (Präsident Freezers), Janne Friederike Meyer (Olympiastarterin im Springreiten), Eike Schulz (Sportredakteur ZDF), Roland Thietje (Vizepräsident Deutscher Behindertensportverband), Ingrid Unkelbach (Leiterin Olympiastützpunkt), Beate Wagner-Hauthal (Parksport Wilhelmsburg).