Diskussionsreihe

Fragestunde zu Olympia: Kritische Schüler löchern Politiker

Probeabstimmung:
Die Schüler des
Charlotte-Paulsen-Gymnasiums
sprechen
sich mit einer
knappen Mehrheit
für eine Olympia-Bewerbung
Hamburgs
aus

Probeabstimmung: Die Schüler des Charlotte-Paulsen-Gymnasiums sprechen sich mit einer knappen Mehrheit für eine Olympia-Bewerbung Hamburgs aus

Foto: Roland Magunia / HA

Auftakt zur Diskussionsreihe „It’s your choice“ an Schulen. Energisch in den Fettnapf trat Linken-Abgeordnete Heike Sudmann.

Hamburg.  Da nützte auch die Übermacht der Olympia-Fans auf dem Politiker-Podium nichts: Die Schüler des Charlotte-Paulsen-Gymnasiums in Wandsbek stellten am Montag vor allem kritische Fragen zur Bewerbung für die Spiele 2024. Ob man neben den Stadien von HSV und FC St. Pauli wirklich ein neues brauche, wollte Konstantin („Consti“) aus der Oberstufe wissen. Warum Hamburg nicht auch ohne Spiele Wohnungen in einem neuen Hafen-Stadtteil bauen könne, fragte die 15-jährige Charlize. Viele Schüler wollten wissen, ob man das viele Geld nicht besser verwenden könne und ob am Ende wegen Olympia womöglich an der Bildung gespart werde. Der 17 Jahre alte Yasser fragte, ob die Stadt nicht mit der Integration von Flüchtlingen genug zu tun habe. Und der 18-jährige Domenik wollte wissen, wie unabhängig die Olympia-Analysen seien und ob man die Zahlen manipulieren könne.

Das mit den Zahlen sei nicht so einfach, antwortete die Bürgerschaftsabgeordnete Juliane Timmermann, die für die SPD an der von Abendblatt-Olympia-Fachmann Rainer Grünberg moderierten Auftaktveranstaltung der Reihe „Olympia? It’s your choice“ teilnahm, die jetzt durch Hamburgs Schulen zieht. Denn die Planung bestehe aus 650 Einzelprojekten. Alles laufe aber in der Senatskanzlei zusammen, daher werde man „verhältnismäßig verlässliche Zahlen bekommen“.

Grünen-Politikerin Christiane Blömeke betonte, dass der Senat bald einen Finanzreport vorlege. Auch müsse der Bund „richtig Knete geben, sonst macht der Senat das nicht“. CDU-Mann Philipp Heißner brachte das Dilemma auf den Punkt: „Wenn wir eine Abstimmung so früh machen, dass wir aus der Bewerbung gut aussteigen können, dann können wir nicht bis auf den letzten Euro sagen, was es kostet“, sagte er. „Die Alternative wäre: Wir machen eine Abstimmung, wenn die Veranstaltung viel näher ist. Dann haben wir aber schon viel Geld reingesteckt und bei einem Nein wäre das verloren.“

Energisch in den Fettnapf trat Linken-Abgeordnete Heike Sudmann, die vor steigenden Mieten durch Olympia warnte und das mit dem Satz „Ihr wollt doch nicht alle in Jenfeld wohnen“ unterstrich. Das sorgte für großes Gejohle, denn viele Schüler wohnen in diesem Stadtteil. So oder so, die Stadt werde „auf den Schulden sitzenbleiben“, sagte Sudmann. Das wiederum fand FDP-Vertreter Daniel Oetzel „zum Totlachen“. Für alles hätten die Linken Geld, aber für Olympia nicht, so der Chef der Jungen Liberalen, der stürmischen Applaus für diese Kritik an der Linken einfuhr, die es offenbar nicht so mit Jenfeld hat. Der AfD-Vertreter kam deutlich zu spät und sagte kaum etwas.

Dass fünf von sechs Diskutanten für Olympia seien, finde sie manipulativ, monierte gegen Ende Marie aus der S3. Das liege daran, dass dies eben die Positionen der Fraktionen seien, so die Antwort. Immerhin habe man die „Stop Olympia“-Initiative zu Wort kommen lassen. Streit um die Besetzung gab es auch bei den Grünen. Die Grüne Jugend (GJ), die Olympische Spiele in Hamburg ablehnt, warf ihrer Partei vor, sie auszuschließen. Schul-Diskussionen seien immer von den Jugendorganisationen beschickt worden. Dass die Fraktion das hier verhindere, sei „eine Beschränkung der Meinungsfreiheit“, so GJ-Sprecher Yannick Wehr. „Unangenehme Positionen der Grünen Jugend sollen nicht zu Wort kommen.”

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