Hamburg

Warum Frauen nur selten Firmen gründen

Freya Oehle (l.) ist Inhaberin
des Startups
Spottster,
einem Internetportal
für Schnäppchenjäger. Cecile Gaulke hat
die Internetfirma
Rebelle mit Sitz in
der Speicherstadt
gegründet.
Das Portal steht
für den Handel mit
Vintage-Mode

Freya Oehle (l.) ist Inhaberin des Startups Spottster, einem Internetportal für Schnäppchenjäger. Cecile Gaulke hat die Internetfirma Rebelle mit Sitz in der Speicherstadt gegründet. Das Portal steht für den Handel mit Vintage-Mode

Foto: Roland Magunia / HA

Nur 13 Prozent aller Chefs von Start-ups sind weiblich. Es gibt viele Ursachen. Zwei Hamburgerinnen wagten den Schritt – mit Erfolg.

Hamburg. „Man kommt sich so unfassbar inkompetent vor“, sagt Freya Oehle über die Anfänge ihres Unternehmens. Nun ja, die Gründerin sitzt in einem stylischen Konferenzraum auf St.Pauli, in der beliebtesten Stadt der Deutschen. Mit Mitte Zwanzig dirigiert sie ein Team aus Softwareexperten, die nebenan auf die Tastaturen einhämmern und die Ideen ihrer Chefin umsetzen. Um ihre Gehälter zu bezahlen, hat sie vermögende Geldgeber, doppelt so alt und und zehnmal so erfahren wie sie selbst, von ihrem Businessplan überzeugt und Summen eingesammelt, die andere in ihrem gesamten Leben niemals verdienen werden. Kurz, mit ihrem Internetportal Spottster gehört Freya Oehle zu den Durchstartern in Deutschland. So selbstkritisch sie sich auch sieht, so bemerkenswert ist ihr Weg: Sie gehört zu den ganz wenigen Frauen, die sich mit einem Start-up selbstständig machen. Emanzipation und Eliteförderung hin oder her, heute sind unter den Gründern in Deutschland nur 13 Prozent weiblich. Das ist das Ergebnis des „Startup Monitors“, der gestern in Berlin vom Branchenverband der jungen Firmen vorgestellt wurde. In Hamburg seien die Werte vergleichbar, heißt es.

Auch wenn Misserfolg ganz anders aussieht – als Chef von Unfähigkeit zu sprechen, ist wohl typisch weiblich, das wird die mehrfach ausgezeichnete Gründerin Oehle im Interview auch zugeben. Unsicherheit und Bescheidenheit bremsen junge Frauen aus. Dabei ist die Branche inzwischen zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor geworden. „Die Start-ups sind nicht mehr aus Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Gesellschaft wegzudenken“, sagt der Chef des Bundesverbands Deutsche Start-ups, Florian Nöll. „Sie werden der Mittelstand von morgen, und ich bin sicher, dass sich unter den 6000 Start-ups in Deutschland heute schon Weltmarktführer von morgen befinden.“

Nicht nur bei den weiblichen Unternehmern, auch im Vergleich zu anderen Ländern ist der Nährboden für neue Firmen in Deutschland relativ schlecht. Die Gründe sind vielfältig: Bürokratie und Steuern machen den Betrieben zu schaffen. Im Bildungssystem fehlt die Vermittlung von Unternehmergeist. Weil es am Arbeitsmarkt gut läuft und vor allem qualifizierte Nachwuchskräfte gesucht sind, besteht wenig Druck, den oft anstrengenden Weg in die Selbstständigkeit zu gehen. Wer dabei auf die Nase fällt, dem haftet schnell der Makel des Scheiterns an. Auch die Finanzierung läuft hier nicht so selbstverständlich wie etwa im Silicon Valley, beklagt Cecile Gaulke. „Nur fünf Prozent der Gründer bekommen das Geld, das sie brauchen“, weiß die BWLerin, die neben Freya Oehle zu den erfolgreichen Hamburger Jungunternehmerinnen gehört. Und auch bei diesem Thema hätten es Frauen leider oft schwerer als Männer.