Wirtschaft

Weibliche Vorbilder fehlen

Freya Oehle lebt ganz bescheiden, in einer Wohngemeinschaft. Sie genehmigt sich nur ein geringes Gehalt, opfert viel Zeit und Geduld für ihre Firma, die sie zunächst in einem schummrigen Kellerbüro startet. Mit einer Art Vergleichsportal für Preise will sie die große Gruppe deutscher Schnäppchenjäger bedienen. Heute, zwei Jahre nach der Gründung, steht hinter ihrem Portal „Spottster“ eine riesige Datenmaschinerie. Die Mitarbeiter der gebürtigen Münsterländerin haben den Überblick über insgesamt 280 Millionen Produkte in 3000 Internet-Shops. Ob Möbel, Mode oder Musik: Hier findet jeder ein passendes Angebot zum Bestpreis.

Die sympathische junge Frau ist zwar erst 25 Jahre alt, bringt aber schon eine Menge Erfahrung mit: Sie hat Wirtschaft an der renommierten Hochschule WHU in Vallendar studiert und bekam Einblicke in die Welt der Firmen während ihrer ersten Berufsstation bei der Unternehmensberatung McKinsey in Hamburg. „Dennoch wusste ich noch nicht einmal, wie man eine Eröffnungsbilanz erstellt“, erinnert sich die Akademikerin an die Anfänge ihrer Selbstständigkeit, „selbst im Wirtschaftsstudium lernt man so etwas nicht“. Mit solchen Selbstzweifeln kämpft Oehle immer wieder – bei Behördengängen, die im Bürokratiedickicht Deutschlands zum Gründeralltag gehören, bei Gesprächen mit Geldgebern. „Das ist typisch weiblich“, sagt die Chefin lachend, meilenweit entfernt vom Selbstbewusstsein männlicher Gründerkollegen. Bei Präsentationen auf Start-up-Wettbewerben prallten schon einmal Welten aufeinander. „Da ist meine Freundin aus München, die eine geniale Idee hatte, auf dem Podium dann aber sehr devot auftritt.“ Männer dagegen hätten kein Problem mit der Aussage, sie programmierten gerade die genialste App der Welt.

500.000 Euro sind seit der Gründung im Jahr 2013 in die Firma geflossen. Dafür hat Oehle immer wieder vor Investoren für ihre Idee kämpfen müssen. Und auch hier begegnet sie Vorurteilen. „Haben Sie denn schon an ihre Altersvorsorge gedacht?“, konfrontieren sie die Anzugträger dann mit ihrer vermeintlichen Naivität. „Ich arbeite daran“, antwortet sie schlagfertig, immerhin ist das Unternehmen als Absicherung gedacht.

Oehle, die schon mehrere Auszeichnungen für ihre Firma gewann und in Diskussionsrunden mit Politikern wie Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) um ein besseres Klima für Gründer wirbt, sieht aber noch ein weiteres Hemmnis für Frauen. „Es existieren noch zu wenige Vorbilder für uns“, sagt sie über die männliche Szene der Start-up-Branche mit den bekannten Berliner Samwer-Brüdern (Rocket Internet). „Einen Samwer in weiblich gibt es leider nicht.“