Wirtschaft

Firma und Familie als Problem

Cecile Gaulke sitzt mit übereinandergeschlagenen Beinen im Konferenzraum, an den Wänden lehnen Schaufensterpuppen, aus dem Fenster fällt der Blick auf die roten Backsteinfassaden der Speicherstadt. Die Unternehmerin führt bei ihrem Internetportal für Secondhandmode ein Team von 50 Mitarbeitern. Einen mittleren siebenstelligen Euro-Betrag hat sie von Geldgebern für ihre Businessidee eingesammelt. Cecile Gaulke hat es mit ihrer Firma „Rebelle“ seit der Gründung 2013 bis heute unter die erfolgreichsten Start-ups geschafft, keine Selbstverständlichkeit in einem Geschäftsfeld, das Dutzende Firmen wie Secondherzog oder Buddy & Selly beackern, in dem die Konkurrenz groß ist.

Die Idee, mit Secondhand-Designermode im Internet zu handeln, entstand aus Gaulkes Leidenschaft für Mode und E-Commerce: Bevor die 31-Jährige Rebelle gründete, arbeitete sie im Mode-Bereich, unter anderem für die Mercedes-Benz Fashion Week. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft in London und Paris stieg sie in die digitale Wirtschaft ein und arbeitete als Business Analyst bei dem Hamburger Firmengeburtshelfer Hanse Ventures.

Natürlich gab es anfangs auch bei ihr Zweifel. Ihr Vater, der sie mit sanftem Druck weg vom Kunststudium, hin zur Betriebswirtschaft überredet hatte, glaubte seinen Ohren nicht zu trauen, als seine Tochter nach dem Grübeln über die Idee ziemlich schnell den Businessplan erstellt hatte. „Heute ist er schon ein wenig stolz auf mich“, sagt sie mit einem bescheidenen Lächeln. Der Vater Manager bei Schering, die Mutter Kunstlehrerin, da lag der Gedanke ans Gründen nicht gerade in den Genen. Zudem, Gleichberechtigung in der jungen Generation hin oder her, Cecile Gaulke war sich immer bewusst, dass sie die Karriere mit Kindern verbinden will. „Für viele Frauen fällt die Zeit der möglichen Unternehmensgründung mit dem besten Zeitpunkt für das erste Kind zusammen“, sagt sie. Die Hälfte ihrer Freundinnen habe bereits Nachwuchs. „Und selbst wenn man nur insgesamt acht Wochen vor und nach der Geburt im Job ausfallen würde, wäre das ein großes Problem in der eigenen Firma“, sagt die Unternehmerin, die das Thema aus diesem Grund auch noch hinausschiebt. Anders lief es bei ihrem Gründungspartner: Max Schönemann ist kürzlich zum ersten Mal Vater geworden und fehlte nur zweieinhalb Wochen im Betrieb. Für eine Mutter kaum möglich.

„In einem Start-up ist ein Monat wie in der Old Economy ein Quartal“, vergleicht sie die Geschwindigkeit der Entscheidungen. „Auch in kurzer Zeit passiert so viel, und es gehört ja zu den Ambitionen eines Start-ups, Dinge viel schneller umzusetzen als sonst im Mittelstand.“ Kurzum, die Chefin ist überzeugt, dass viele Frauen diese Herausforderungen sehen und eine eigene Familie der eigenen Firma vorziehen.

Neben der Idee braucht es Hilfe von Investoren, um zu gründen. „Nur fünf Prozent der Gründer bekommen das Geld, das sie brauchen, und können loslegen“, weiß die Wirtschaftswissenschaftlerin. Diesen Flaschenhals könne nur passieren, wer das Vertrauen der Geldgeber gewinne. „Viele junge Unternehmer kommen aus der Beratung oder vom Investmentbanking und strahlen eine große Glaubwürdigkeit in Finanzfragen aus“, sagt Gaulke. Und diesen Werdegang beschritten eben häufig Männer, während Frauen öfter im Marketing oder in der Personalabteilung den Berufsweg starteten. Und bei den Investoren zahlten sich „weibliche“ Werbestrategien nicht so sehr aus wie „männliche“ Managementstrategien. Dennoch empfiehlt Gaulke ihren Werdegang weiter: „Frauen sind nicht ungeeigneter für das Gründen, und wer das wirklich will, und dabei auch Unwägbarkeiten in Kauf nimmt, dem würde ich es auf jeden Fall ans Herz legen.“