Hamburg

„Für Flüchtlinge ist die Wohnungssuche besonders schwer“

Berj Baghdee Sar in der Redaktion des Hamburger Abendblatts. Der 31-Jährige
floh
im Frühjahr 2014 aus Syrien

Berj Baghdee Sar in der Redaktion des Hamburger Abendblatts. Der 31-Jährige floh im Frühjahr 2014 aus Syrien

Foto: Michael Rauhe / HA

In der Kolumne Angekommen in Hamburg schreiben Asylbewerber im Hamburger Abendblatt über ihr neues Leben.

Hamburg.  Am Anfang war es sehr schwer für mich, eine Wohnung zu finden. Das liegt unter anderem daran, dass ich ganz neu in Deutschland war und wenig Erfahrung hatte, wie man hier nach Wohnungen sucht. Deshalb brauchte ich viel Hilfe. Zum Glück kannte ich schon einige Leute aus der Gemeinde der Lutherkirche, in der Nähe meiner Flüchtlingsunterkunft, die mich unterstützt haben.

Für mich war klar, dass ich in Neu Wulmstorf bleiben möchte. Vor allen Dingen, weil ich mir dort ein soziales Umfeld aufgebaut habe. Besonders, wenn man neu ist, ist das wichtig, damit man sich wohlfühlt. Außerdem mag ich auch die Ruhe auf dem Land.

Bis man sich als Flüchtling überhaupt auf Wohnungssuche begeben kann, muss man warten, bis man eine Aufenthaltserlaubnis hat. Bei mir hat das sechs Monate gedauert. In dieser Zeit dufte ich mir keine eigene Wohnung nehmen, sondern musste im Flüchtlingsheim bleiben. Für mich war das eine schwere Zeit, ich habe mich danach gesehnt, unabhängig zu sein.

Als es endlich so weit war, musste ich lernen, dass es viele Konditionen gibt, die das Jobcenter vorgibt. Die Wohnung darf zum Beispiel je nach Lage nur eine bestimme Größe haben, und auch die Mietpreise sind klar geregelt. In meinem Fall durfte die Wohnung nicht größer als 50 Quadratmeter sein und nicht mehr als 444 Euro kalt kosten. Das größte Problem war aber erst einmal, dass ich gar nicht wusste, wo ich nach Wohnungen suchen muss. In Syrien sucht man Wohnungen nämlich anders als hier ausschließlich über einen Makler. Freunde habe mir dann die Immobilienseiten im Internet gezeigt, auf denen ich suchen konnte.

Ob man die Wohnung sauber hält,hat nichts mit der Herkunft zu tun

Bei der Recherche stellte ich etwas Seltsames fest: Je größer hier die Wohnungen sind, desto günstiger sind sie pro Quadratmeter. In meiner Heimat ist das andersrum. Und so waren die kleinen Wohnungen, nach denen ich gesucht habe, oft zu teuer. Außerdem sind sie besonders gefragt, sodass bei den Besichtigungen immer viele andere Leute da waren. Offenbar gibt es hier also viele Singles.

Und dann gab es noch zwei Sachen, die mir wehgetan haben, auch wenn ich glaube, dass es Ausnahmen waren. Dabei ging es in einem Fall um eine Wohnung, die genau gepasst hat. Sie war klein, zentral gelegen und nicht zu teuer. Aber der Vermieter wollte mich nicht, weil ich ein Flüchtling bin. Das hat er mir natürlich nicht direkt gesagt, sondern zu einem Bekannten, der für mich den Anruf beim Makler übernommen hat. Das kann ich nicht verstehen. Der Flüchtlingsstatus sagt doch nichts darüber aus, ob ich ein guter Mensch bin oder nicht. Ob man seine Miete zahlt, die Wohnung sauber hält und ordentlich ist, hat nichts mit der Herkunft zu tun.

Bei dem anderen Fall wollte der Vermieter mich nicht, weil das Jobcenter die Miete bezahlt. Auch das kann ich nicht verstehen, weil darüber ja gesichert ist, dass die Miete auf jeden Fall pünktlich kommt.

Am Ende habe ich meine Wohnung dann so gefunden, wie viele andere Hamburger auch: über Kontakte. Seit April wohne ich nun in einer kleinen Zweizimmerwohnung. Dort fühle ich mich sehr wohl. Ich hoffe, dass andere Flüchtlinge in Deutschland nicht so lange darauf warten müssen, eine Wohnung zu finden, beziehungsweise auch so nette Menschen kennenlernen, die ihnen helfen können. Denn sein eigenes Reich zu haben ist sehr wichtig dafür, dass man sich in einer neuen Stadt zu Hause fühlt.

Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit unserer Redakteurin Juliane Kmieciak.