Asyl

Abendblatt-Umfrage: Was Hamburger über Flüchtlinge denken

Gestrandete Flüchtlinge am Hauptbahnhof. Bis Ende August haben 24.921 Menschen in Hamburg Schutz gesucht, 10.293 blieben, die anderen wurden umvereilt

Gestrandete Flüchtlinge am Hauptbahnhof. Bis Ende August haben 24.921 Menschen in Hamburg Schutz gesucht, 10.293 blieben, die anderen wurden umvereilt

Foto: Michael Arning / HA

Etwa 12.000 Leserinnen und Leser haben sich an der Abendblatt-Umfrage beteiligt. Das sind die Ergebnisse im einzelnen.

Hamburg.  Rund 12.000 Leserinnen und Leser des Hamburger Abendblatts haben den Fragebogen zum Thema Flüchtlinge ausgefüllt – wobei nicht jeder auf jede Frage geantwortet hat. Das sind die Ergebnisse im einzelnen:

1. Tut die Stadt Hamburg genug, um des Zustroms der Flüchtlinge Herr zu werden?

Die Antwort wird die rot-grüne Regierung, aber auch die zuständigen Behörden freuen. Trotz der vielen Turbulenzen und kurzfristigen Entscheidungen scheint eine Mehrheit mit der Art und Weise, wie Hamburg mit Flüchtlingen umgeht, zufrieden zu sein. Das deckt sich mit der Einschätzung aus Senatskreisen, dass die Stadt mit dem Pro­blem deutlich besser zurechtkommt als andere Bundesländer.

Abgegebene Stimmen: 11.320 Ja: 56,9 Prozent Nein: 43,1 Prozent

2. Ist es zumutbar, Flüchtlinge in Zelten unterzubringen?

Die Frage wurde gestellt, bevor Hamburg ankündigte, dass die errichteten Zeltlager zumindest teilweise auch über den Winter stehen bleiben. Angesichts der großen Zahl von Flüchtlingen hat eine klare Mehrheit Verständnis dafür, dass im Notfall auch Zelte als Unterkünfte dienen.

Abgegebene Stimmen: 11.450 Ja: 69,9 Prozent Nein: 30,1 Prozent

3. Ist die Willkommenskultur in Hamburg ausgeprägt genug?

Am Freitagabend trafen sich am Hamburger Hauptbahnhof wieder Freiwillige, um Brötchen für dort ankommende Flüchtlinge zu schmieren. Friseure bieten kostenlose Haarschnitte für Flüchtlinge an, an einigen Standorten gibt es mehr freiwillige Helfer als Flüchtlinge.

In einem Satz: Hamburg zeigt sich von seiner besten Seite. Das findet auch die große Mehrheit der Befragten, wobei man aus dem klaren Ergebnis auch etwas anderes herauslesen kann. Nämlich, dass man es mit der Willkommenskultur nicht übertreiben darf.

Abgegebene Stimmen: 12.172 Ja: 81,8 Prozent Nein: 18,2 Prozent.

4. Sind Flüchtlingsunterkünfte mit mehr als 1000 Plätzen zumutbar?

Die Zahl ist eher niedrig angesetzt, weil der Innensenator schon vor längerer Zeit vorausgesagt hat, dass in jedem Bezirk Unterkünfte für bis zu 3000 Flüchtlinge eingerichtet werden könnten.

Tatsächlich sind die Befragten aber schon bei mehr als 1000 Plätzen in ihrer Bewertung relativ zurückhaltend.

Abgegebene Stimmen: 12.009 Ja: 51,7 Prozent Nein: 48,3 Prozent

5. Sollte man die Zahl der Flüchtlinge, die Hamburg aufnimmt, begrenzen?

Offiziell ist das kein Thema, dennoch spiegelt die Antwort auf die Frage unter anderem wider, wie kritisch die Situation eingeschätzt wird.

Abgegebene Stimme: 11.982 Ja: 79,7 Prozent Nein: 20,3 Prozent

6. Haben Sie vor, sich für Flüchtlinge zu engagieren oder tun Sie das schon?

Auch wenn eine Mehrheit diese Frage mit Nein beantwortet – mehr als ein Drittel Ja-Stimmen sind beeindruckend. Und decken sich mit den Erfahrungen, die man bei staatlichen Stellen macht, die mit der Vermittlung ehrenamtlicher Helfer kaum noch hinterherkommen.

Abgegebene Stimmen: 12.000 Ja: 36,7 Prozent Nein: 63,3 Prozent

7. Würden Sie einen Flüchtling bei sich zu Hause aufnehmen?

Auch hier ist es wenig erstaunlich, dass mehr als 80 Prozent mit Nein antworten. Fast ein Fünftel Ja-Stimmen sind aber noch überraschender. Das Hamburger Abendblatt wird demnächst erklären, wie (und in vielen Fällen: ob) die Aufnahme eines Flüchtlings im eigenen Haus/in der eigenen Wohnung geht.

Abgegebene Stimmen: 11.912 Ja: 17,1 Prozent Nein: 82,9 Prozent

8. Dürfen Flüchtlingsunterkünfte in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten gebaut werden?

Die Frage ist nicht erst aktuell, seit es den Streit um die Flüchtlingsunterkunft an der Sophienterrasse in Harvestehude gab, wo Anwohner gegen die Pläne klagten. Auch anderswo in Hamburg regen sich Proteste, wenn Unterkünfte zu nah an dicht besiedelten Wohngebieten gebaut werden. Trotzdem könnte sich eine knappe Mehrheit damit arrangieren.

Abgegebene Stimmen: 11.946 Ja: 54,3 Prozent Nein: 45,7 Prozent

9. Sollten Flüchtlinge nach Herkunftsregion getrennt untergebracht werden?

Unentschieden.

Abgegebene Stimmen: 11.982 Ja: 50,6 Prozent Nein: 49,4 Prozent

10. Glauben Sie, dass die Flüchtlinge Hamburg nachhaltig verändern werden?

Die Meinung der Befragten ist eindeutig, und kann in unterschiedliche Richtungen interpretiert werden. Verändert haben sich schon jetzt neben der Willkommenskultur unter anderem die Schülerzahlen, die in diesem Jahr in Hamburg wegen der Flüchtlinge so hoch sind wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Abgegebene Stimmen: 11.974 Ja: 85,4 Prozent Nein: 14,6