Hamburg

Programm der Arbeitsagentur: Vom Praktikum zur Ausbildung

Ihr Weg zum Ausbildungsplatz führte über ein von der Arbeitsagentur bezahltes Praktikum im Betrieb:  (Bramfelder Bedachungs GmbH), Abdulkadir Acar (Aurubis), Jan Steffen (Telekom) und Sascha Kölln (Bahn AG, v.l.) nahmen am Programm Einstiegsqualifizierung teil

Ihr Weg zum Ausbildungsplatz führte über ein von der Arbeitsagentur bezahltes Praktikum im Betrieb: (Bramfelder Bedachungs GmbH), Abdulkadir Acar (Aurubis), Jan Steffen (Telekom) und Sascha Kölln (Bahn AG, v.l.) nahmen am Programm Einstiegsqualifizierung teil

Foto: Heiner Schmidt

Viele Jugendliche tun sich schwer bei der Ausbildungssuche. Ein bezahltes Praktikum – gefördert von der Arbeitsagentur – hilft.

Hamburg. Jan Steffen, 20, wurde auf dem Gymnasium nicht von der 11. in die 12. Klasse versetzt, brach die Schule ab. Seine Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz kamen zu spät. Florian Schreiber, 21, sagt, sein Zeugnis sei schlecht, weil er wegen persönlicher Probleme oft die Schule geschwänzt habe. Nach zwei Jahren vergeblicher Bewerbungen um eine Lehrstelle habe er schon fast aufgegeben gehabt. Auch Abdulkadir Acar, 18, und Sascha Kölln, 21, hatten so ihre Probleme in der Schule und deshalb mit ihren direkten Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz bei Unternehmen lange Zeit keinen Erfolg.

Allen vier jungen Männern aus Hamburg ist gemeinsam, dass sie inzwischen doch in der betrieblichen Berufsausbildung sind und Sätze sagen, wie „Ich weiß jetzt, das ist mein Beruf“ oder „Es macht Spaß“. Und, dass sie mehr über Chancen und Aufstiegsmöglichkeiten reden als über zurückliegende Probleme.

So funktioniert das Programm der Arbeitsagentur

Für die Arbeitsagentur Hamburg sind die vier damit so etwas wie Vorzeige-Azubis, denn sie hat Lehrlinge und Firmen mittels eines Förderprogramms zueinander gebracht. Es trägt den sperrigen Namen Einstiegsqualifizierung (EQ) und ist so etwas wie der zweite Weg zum Ausbildungsplatz. Zum 1. Oktober beginnt in Hamburg die nächste EQ-Runde.

„Wir gehen nicht davon aus, dass in diesem Jahr alle Jugendliche ihren Traumberuf und jedes Unternehmen seine Traum-Auszubildenden gefunden haben“, sagt Sönke Fock, Chef der Arbeitsagentur Hamburg. Deshalb sei das Programm auch in einer Zeit wichtig, in der die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze höher sei als die Zahl der suchenden Jugendlichen.

Seit mehr als zehn Jahren vermittelt die Agentur Einstiegsqualifizierungen. Die Zielgruppen sind zum einen Jugendliche, deren „Papierform nicht so überzeugend ist, die aus vielerlei Gründen keinen Ausbildungsplatz gefunden haben“, so Fock. Zum anderen sind es Betriebe, die auch Bewerber mit weniger gutem Zeugnis ausbilden wollen, diese vorher aber genauer kennenlernen möchten.

EQ ist ein bezahltes sechs- bis zwölfmonatiges Betriebspraktikum, in dem die Jugendlichen einen Beruf kennenlernen und zeigen können, dass sie motiviert sind. Die Agentur zahlt den Teilnehmern 216 Euro pro Monat und übernimmt knapp 110 Euro Sozialversicherungsbeiträge. Manche der Firmen legen noch etwas drauf.

75 Prozent der Jugendlichen bekommen danach einen Ausbildungsplatz

Für die neue EQ-Runde haben Hamburger Unternehmen bislang 720 Plätze gemeldet. Darunter sind knapp 130 im Einzelhandel und mehr als 100 im Bereich Gastronomie und Service, den Branchen also, die nur noch schwer Azubis finden. Aber auch 22 Plätze im Berufsfeld Versicherung und Finanzen sowie 25 in IT-Berufen. Im Handwerk sind unter anderem 19 EQ-Plätze für künftige Friseure und 16 für Gebäudereiniger im Angebot. Derzeit läuft die Vermittlungsrunde.

Dass die Jugendlichen nicht immer ihren Traumausbildungsplatz finden, ist klar. Sascha Kölln etwa wollte ursprünglich Gleisbauer werden. Seine Bewerbung bei der Deutschen Bahn hatte keinen Erfolg. Nach dem EQ-Praktikum wird er im Konzern jetzt zum Glas- und Gebäudereiniger ausgebildet und interessiert sich für eine Fortbildung zum Industriekletterer. Florian Schreiber sagt, seine EQ-Teilnahme habe ihm wieder Mut gemacht. Jetzt lernt er Dachdecker. Und Abdulkadir Acar, der bei Aurubis Verfahrensmechaniker lernt, ist überzeugt, EQ sei eine gute Chance für Jugendliche, die Probleme in der Schule haben.

Das zeigen auch die Zahlen der Arbeitsagentur. „75 Prozent der Jugendlichen, die eine Einstiegsqualifizierung zu Ende bringen, bekommen einen Ausbildungsvertrag“, sagt Arbeitsagentur-Chef Fock. 2014 wechselten etwa 270 Jugendliche in Hamburg aus der EQ in die Ausbildung. Jan Steffen, der das Gymnasium abbrach, überzeugte bei der Telekom so sehr, dass er aus der Qualifizierung gleich ins zweite Ausbildungsjahr zum Kaufmann für Dialogmarketing gehen konnte.