Kantinenessen

Schul-Caterer versorgt nun auch Flüchtlinge

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Genevieve Wood
Viele Hamburger Schüler essen regelmäßig in der Schule

Viele Hamburger Schüler essen regelmäßig in der Schule

Foto: Getty Images/iStockphoto

Der Caterer Alsterfood kündigte die Verträgemit drei Schulen. Ein Grund: Versorgung von Flüchtlingen ist rentabler.

Hamburg. Weil es wirtschaftlich lukrativer zu sein scheint, ist der erste Schul-Caterer umgestiegen und versorgt seit dem Frühjahr weniger Schulen mit Mittagessen und beliefert stattdessen mehr Flüchtlingsunterkünfte mit Mahlzeiten.

Im Frühjahr hatte Amedeus Hajek von der Cateringfirma Alsterfood an einer Ausschreibung von „Fördern & Wohnen“ teilgenommen und den Zuschlag für die Versorgung von Flüchtlingen in mehreren Zentralen Erstaufnahmestellen erhalten. Drei Schulen hat Alsterfood gleichzeitig die Versorgungsverträge gekündigt, fünf andere Schulen werden aber weiterhin beliefert. „Die Kündigungen haben aber nichts mit der Flüchtlingsversorgung zu tun, sondern die drei Schulen im Westen lagen für uns logistisch ungünstig. Bei den Preisen konnten wir diese Schulen nicht wirtschaftlich beliefern“, sagt Hajek.

Konkurrieren nun Flüchtlinge mit Schülern?

Die Stadtteilschulen Lurup und Flottbek sowie die Grundschule Goosacker in Osdorf waren mit insgesamt 433 Portionen von dieser Kündigung betroffen und haben inzwischen einen anderen Essenslieferanten. Nicht nur die Örtlichkeiten, auch das Geld wird eine Rolle spielen.

Denn: Mit der Essensversorgung für Flüchtlingsunterkünfte lässt sich mehr verdienen als mit Schulen. „Das ist für uns als Großküche rentabler in der Art der Versorgung“, sagt Amedeus Hajek. Die Flüchtlinge erhielten mit Frühstück, Mittag- und Abendessen an 365 Tagen im Jahr drei Mahlzeiten, während in den Schulen lediglich eine Mahlzeit an etwa 180 Tagen ausgeliefert werde.

„Fördern & Wohnen“ zahlt durchschnittlich 8,30 Euro brutto an das Cateringunternehmen für drei Mahlzeiten am Tag, während für ein Schulessen bis zu 3,50 Euro brutto gezahlt werden. „Das sind dann tatsächlich 2,94 Euro pro Mittagessen“, sagt Hajek. Jedes Cateringunternehmen habe seine Stärken, die Belieferung von Flüchtlingsunterkünften sei komplexer und Alsterfood in der Lage, die Dienstpläne entsprechend zu organisieren.

Verträge mit den Schulen können nur bis zum 31. März gekündigt werden

Andere Caterer bleiben bislang dabei, Schulen zu beliefern. „Ich würde lieber noch eine weitere Schule dazunehmen, das ist persönlicher“, sagt Dietmar Pies von der Speisekammer, die zwei Grundschulen in Eimsbüttel mit Mittagessen versorgt. Auch Lollo Rossa Catering mit fünf Schulen unter Vertrag bleibt bei der Belieferung von Schulen. „Unser Betrieb ist so organisiert, dass wir nur einmal am Tag ausliefern“, heißt es. Die Cateringfirma Apetito habe im Zuge der gestiegenen Zahl an Flüchtlingen bundesweit mehr Lieferungen. Dies habe jedoch keinerlei Auswirkungen auf andere Bereiche wie die Schulverpflegung.

Die Versorgung der Hamburger Schulen mit Essen bleibt gewährleistet. Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde: „Kündigungen des Caterervertrags können nur bis zum 31. März für das nächste Schuljahr ausgesprochen werden.“

( gen )

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