Smartphone-Nutzung

Handyverbot an immer mehr Hamburger Schulen

Schüler und Handy

Schüler und Handy

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Schüler, denen die Smartphone-Nutzung untersagt ist, zeigen bessere Leistungen. Geräte werden in den Unterricht eingebunden.

Hamburg. Die zum Teil exzessive Handynutzung von Jungen und Mädchen fordert die Schulen zunehmend heraus. Immer mehr Bildungsstätten verschärfen deswegen ihre Regeln oder sprechen sogar ein generelles Handyverbot aus. Das Wilhelm-Gymnasium in Harvestehude etwa hat zum Schuljahresbeginn seine Handyregeln deutlich angezogen. Von nun an sollen Mobiltelefone auf dem Schulgelände „ausgeschaltet und unsichtbar“ bleiben, sagt Schulleiter Martin Richter. Damit orientiert sich die Schule an der „Lautlos und außen unsichtbar“-Maxime, die zum Beispiel am Luruper Goethe-Gymnasium gilt, wie Schulleiterin Susanne Strüwe-Voß sagt.

Dagegen findet die Verschärfung der Kleiderordnung, die an der Sophie-Barat-Schule (Rotherbaum) gilt, offensichtlich bislang keine Nachahmer. Das Abendblatt hatte berichtet, dass die Schülerinnen an dem katholischen Gymnasium keine Hotpants oder Bauchfrei-T-Shirts mehr tragen dürfen.

Die Schulbehörde greift in die Diskussionen an den Schulen bewusst nicht ein. „Es gibt keine Vorgaben von Seiten der Behörde. Das ist alles Teil der Hausordnung, über die die Schulkonferenz jedes Standortes entscheidet“, sagte Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde. Die Schulgemeinschaften hätten die Möglichkeit, flexibel auf veränderte Problemlagen zu reagieren.

Am Wilhelm-Gymnasium müssen die Handys nun zwar nicht abgegeben werden, ein offener Umgang sei aber untersagt, so Schulleiter Richter. Man habe sich zu diesem Schritt entschlossen, weil gerade die jüngeren Jahrgänge mit der vorher geltenden Pausenregelung „überfordert“ gewesen seien. Bislang konnten Schüler ihre Smartphones in der unterrichtsfreien Zeit zwischen zwei Stunden in Handyzonen benutzen. Damit sei nun für Klasse fünf bis zehn Schluss.

Für ältere Schüler, die das Gelände in der Mittagspause verlassen dürfen, laute die Handyregel laut Beschluss der Schulkonferenz: Aus oder raus. Aus der Elternschaft gebe es bislang nur wohlwollende Rückmeldungen, die Akzeptanz sei unerwartet hoch, nur drei Mobiltelefone wurden bisher einkassiert. Das neue Verbot resultiere aus der Überzeugung, „dass die Schule nicht zu einem Freizeitraum werden soll.“

Eine aktuelle Studie des Centre for Economic Performance der London School of Economics gibt den Befürwortern von Handyverboten recht. Die Autoren Louis-Philippe Beland und Richard Murphy hatten Schülerleistungen verglichen, bevor und nachdem an ihren Schulen ein Handyverbot erlassen wurde. Demnach verbesserten sich die Testergebnisse von 16-Jährigen ohne Smartphone um 6,41 Prozent. Die Folgerung der Wissenschaftler: Weniger Ablenkung fördere den Lernfortschritt und begünstige Prüfungsleistungen. Insbesondere zuvor leistungsschwache Schüler aus finanzschwachen Verhältnissen hätten davon profitiert. Ihre Leistungen stiegen um 14 Prozent.

An den meisten Hamburger Schulen gehören Handyverbote inzwischen zum Alltag. Wie in Harvestehude werden die Geräte aber nicht aus der Schule verbannt, vielmehr müssen die Schüler ihre Handys während des Unterrichts ausschalten oder auf „lautlos“ stellen. Das Gymnasium Hochrad in Othmarschen etwa verbietet die Handynutzung auf dem gesamten Schulgelände. Nur wer einen triftigen familiären oder terminlichen Grund habe, sagt Schulleiter Ulrich Zipp-Veh, bekomme eine Sondererlaubnis und dürfe sein Mobiltelefon angeschaltet lassen.

Gute Erfahrung mit dem Handyverbot hat Inken Hose, Schulleiterin am Johanneum in Winterhude, gemacht: „Es wird gelebt und ist etabliert.“ Allerdings werde das Smartphone auch in den Unterricht integriert, sofern es in den Kontext passe. Dieses Leitbild verfolgt auch das Goethe-Gymnasium in Lurup. Ansonsten herrsche besonders im Unterricht, auf den Fluren und im Treppenhaus Handytabu. „Es wird als angenehm empfunden, dass wir uns wieder bewusst begegnen und grüßen“, sagt Hose.

Am Helmut-Schmidt-Gymnasium in Wilhelmsburg dagegen gilt das Handyverbot nur in den Schulgebäuden. „Wir finden es wichtiger, den richtigen Umgang zu vermitteln und auch die Möglichkeiten zum Lernen nutzbar zu machen, als Handys komplett zu verbieten“, sagt Schulleiter Volker Clasing. Etwas mehr Freiraum gestattet die Nelson-Mandela-Stadtteilschule in Kirchdorf. Ihre Schüler dürfen Handys außerhalb der Unterrichtszeiten nutzen. Eine Verschärfung der Regeln sei jedoch ständiges Thema, sagt Schulleiter Bodo Giese. Auch an der Gyula-Trebitsch-Stadtteilschule in Tonndorf wird viel über die Handyregelung gesprochen. Momentan dürfen Schüler die Geräte innerhalb des Schulgebäudes nicht benutzen, sagt Schulleiter Freerk Heinrich. Telefoniert werde ausschließlich im Medienraum.

Die Elternkammer ist in ihrer Position flexibel. Kammervorsitzende Claudia Wackendorff: „Während in der einen Schule Handys verboten sind, werden sie an anderen Schulen aktiv in die Unterrichtsgestaltung einbezogen.“ Jede Schulgemeinschaft müsse sehen, was für sie richtig sei. Die Elternkammer setze aber voraus, dass alle in Entscheidungen einbezogen werden: Eltern, Lehrer, Schüler.

Die neue Kleiderordnung an der katholischen Sophie-Barat-Schule, die Hotpants, zu kurze T-Shirts, sichtbare Unterwäsche und zu viel nackte Haut verbietet, hat indes ein überwiegend positives Echo hervorgerufen. Laut Christoph Schommer, Sprecher des katholischen Schulverbandes, gab es in den ersten Tagen lobende Worte von Schülern und Eltern. Ob andere katholische Schulen diesem Beispiel folgen wollen, überlasse der Verband aber der jeweiligen Schulleitung. Staatliche Schulen wollen den Weg des Gymnasiums bislang offenbar nicht gehen.