Münzviertel

Linkes Stadtteilzentrum „KoZe“ fordert faire Perspektive

Polizisten stehen während der Pressekonferenz vor dem Grundstück des Kollektiven Zentrums „KoZe“

Polizisten stehen während der Pressekonferenz vor dem Grundstück des Kollektiven Zentrums „KoZe“

Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Initiativen sehen Bedarf für autonomes Stadtteilzentrum im Münzviertel. „KoZe“-Betreiber fühlen sich durch Polizei-Präsenz provoziert.

Hamburg. Im Streit über die Zukunft des links-alternativen „Kollektiven Zentrums“ (KoZe) im Hamburger Münzviertel haben die Betreiber vom Senat eine faire Perspektive gefordert. Der jetzige Raum sei viel zu klein, der Bedarf für ein Kulturzentrum und aktive Stadtteilarbeit aber riesig, erklärten mehrere Gruppen und die Stadtteilinitiative Münzviertel am Mittwoch. Die Stadt hat das 8500 Quadratmeter große Areal mit einer früheren Schule und einer Kita an den Investor HBK verkauft.

Der Investor Hanseatische BauKonzept GmbH & Co. KG will dort 400 Wohnungen bauen. Bis zum Baubeginn im Herbst 2016 hat die Stadt einen kleinen Teil der Anlage dem Verein „Kunstlabor naher Gegenden“ mietfrei zur Zwischennutzung überlassen. Ende Juli wurde unter Polizeischutz ein Bauzaun über den Hof gezogen. Der Finanzbehörde zufolge geschah das, um ein Gebäude vor dem Abriss von Asbest zu befreien.

Sprecher des Kulturzentrums kritisierten am Mittwoch, seitdem habe es noch keine Asbestsanierung gegeben. „Es ging nur darum, die anderen Gebäude unbewohnbar zu machen“, sagte ein Sprecher, der seinen Namen nicht nennen wollte, „weil ich ein Kollektiv vertrete“. Polizisten seien ständig dort und würden für Provokationen sorgen.

Unterstützer: „Werden Angriffen auf KoZe nicht tatenlos zusehen“

Offiziell hat der Verein nur das Erdgeschoss des Gebäudes mit 70 Quadratmetern und eine Außenfläche von 50 Quadratmetern gemietet, heißt es von der Finanzbehörde. Derzeit nutzten die Gruppen aber auch Spielplatz und Hof, Keller und ersten Stock. Hier gibt es Kurse wie Siebdruck, Nähen, Kochen, Yoga oder Tischtennis, eine Fahrradwerkstatt, ein Fotolabor und Flüchtlingsprojekte. Der Mietvertrag sei monatlich kündbar

Günter Westphal von der Stadtteilinitiative Münzviertel warf der Stadt vor, nicht mit offenen Karten zu spielen. Seit 13 Jahren kämpfe man für die Entwicklung eines lebenswerten Viertels unter Einbeziehung der Anwohner. Nur so könnten sich die Menschen mit ihrem Stadtteil identifizieren. „Wir sind nicht gegen eine Neubebauung zu Wohnzwecken, aber gegen den Verkauf an profitorientierte Unternehmen.“

Der Komplex soll bis auf ein unter Denkmalschutz stehendes älteres Gebäude abgerissen werden. Der Abriss des früheren Schulgebäudes solle Ende August oder Anfang September beginnen, heißt es bei der Finanzbehörde. Das Souterrain des Backsteinbaus solle später stadtteilbezogen genutzt werden.

Der Kaufvertrag wurde zwar im Dezember 2014 unterschrieben, noch ist aber die Stadt Eigentümer des Areals. Dem Investor zufolge sollen 60 Prozent der Wohnfläche öffentlich gefördert sein. Neben Senioren- und Familienwohnungen soll es Studentenwohnungen geben. „Das Studentenwohnheim wird an eine gemeinnützige Stiftung vermietet um die Belegung durch Studenten- und Auszubildende zu sichern.“ Zudem würden frei finanzierte Mietwohnungen entstehen.

Zahlreiche Gruppe unterstützen das „Kollektive Zentrum“. Das „Centro Sociale“ im Schanzenviertel betonte: „Eine Stadt braucht Orte, die von wirtschaftlichen Zwängen befreit sind.“ Zivilgesellschaftliche Arbeit sei ein Geschenk für die Gesellschaft. Der Asta der Universität Hamburg und die Rote Flora kündigten an, man werde „Angriffen auf das ,KoZe’ nicht tatenlos zusehen“. Die Sprecher des Zentrums ließen offen, wie sie sich bei einer drohenden Räumung verhalten werden.